Hollandische Camper in MV : Die EM der anderen

Kommen auch ohne Hollandspiele bei der EM bestens zurecht: Gerrit und Klaas Evers aus Enschede machen Camping-Urlaub in Flessenow und erkunden die Umgebung mit dem Rad.
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Kommen auch ohne Hollandspiele bei der EM bestens zurecht: Gerrit und Klaas Evers aus Enschede machen Camping-Urlaub in Flessenow und erkunden die Umgebung mit dem Rad.

Holland spielt bei der Europameisterschaft nicht mit, doch die niederländischen Camper in MV machen sich trotzdem eine schöne Zeit

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29. Juni 2016, 21:00 Uhr

Die Stimmung in der Kneipe in Arnheim ist gut. Wie immer, wenn Holland Fußball spielt und auf der Siegerstraße ist. Gerade ist das zweite Tor für Oranje gefallen. Sie sind auf dem Weg, Europameister zu werden. Und werden es auch. Was für ein Triumph. 2:0 gegen die UdSSR durch Tore von Gullit und van Basten. So war das 1988.

Und weil es so schön war, hatte ein niederländischer Kneipier in Arnheim jetzt noch mal einen Rückblick auf diese erfolgreiche Zeit gezeigt. Die UdSSR gibt es nicht mehr, eine erfolgreiche niederländische Nationalmannschaft derzeit auch nicht. Die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich findet ohne Robben, van Persie und Sneijder statt, weil sie in der Qualifikation gepatzt haben, hinter Tschechien, Island und der Türkei nur Vierter ihrer Gruppe geworden sind. Und nun  ? Was machen die niederländischen Fußball-Fans in einem Sommer voller Fußballspiele, bei denen sie nicht richtig mitfiebern können  ? Am besten Urlaub.

Der erste Wohnwagen gleich rechts hinter der Rezeption des Seecamping Flessenow gehört Familie Evers aus Enschede. Seit über 40 Jahren ziehen sie in ihrer Freizeit dieses mobile Urlaubsdomizil hinter ihrem Auto her, um damit kreuz und quer durch Europa zu fahren. Jetzt sitzen Klaas und Gerry Evers an der frischen Luft, schauen entspannt auf den Schweriner See und freuen sich auf Pizzen aus dem Mini-Ofen. Eine EM ohne Holland, das ist doch Käse, oder? „Sehr traurig ist das“, sagt Rentner Klaas unaufgeregt. 69 Jahre ist er alt. Da will er sich nicht mehr aufregen. Erst recht nicht, wenn es um Fußball geht. „Unser Sohn Desmond“, sagt er, „der war aber fix und fertig.“ Jetzt drücken die Evers den Deutschen die Daumen. „Das liegt nahe, denn wir wohnen ja direkt an der Grenze.“

Auch in der Nähe der Grenze wohnt Arnold van der Heijden. Aber an der belgischen. „Bei uns in Waalwijk heißt es jetzt bei vielen: Belgien soll Europameister werden“, sagt der Urlauber. Und das würden einige Kneipiers in seiner Stadt auch zeigen. „Da hängen statt der niederländischen nun die belgischen Flaggen raus.“

Nach 1984 wieder eine EM ohne Holland, das ist für Jan van Stavellden gar nicht so tragisch. Schlecht gespielt hätten seine Landsleute in der Qualifikation. „Deshalb hatten sie es auch nicht verdient, dabei zu sein“, sagt der Camper.

Nur ein paar Meter von seinem Stellplatz entfernt, steht ein altes Gebäude. Dort lädt der niederländische Campingplatz-Betreiber Marc Elshout immer zum Fußballschauen ein. Holländische Siege von damals, die zeigt er nicht, aber die Deutschland-Spiele. Jan van Stavellden hat sich dort Deutschland gegen die Slowakei angeschaut. „Deutschland und Belgien“, sagt er, „so könnte das Finale lauten.“

„Deutschland gegen Portugal“, das ist der Tipp von Lars Hoffmann. Hoffmann kommt aus einem Land, das auch schon zu den Verlierern gehörte, bevor die EM überhaupt angepfiffen wurde: Dänemark. „Wir sind ein kleines Land, aber ein großes Fußball-Land“, sagt der 67-Jährige und schwärmt dann von den Laudrup-Brüdern oder Flemming Povlsen. 1984 hat er sein Land als Fan bei der EM in Frankreich unterstützt. 5:6-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Spanien. „War trotzdem eine schöne Tour“, sagt Lars Hoffmann, der auf der Ostseeinsel Als lebt.

Zurück zur Familie Evers. Die sieht der Zukunft des niederländischen Teams gelassen entgegen. In der WM-Qualifikation geht es gegen Schweden, Frankreich, Bulgarien, Luxemburg und Weißrussland. „Das klappt“, sind sie sicher. Und dann können sie endlich auch mal wieder ihrem eigenen Land die Daumen drücken.

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