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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 07:43 Uhr

Die einzig wahren Fettverbrenner

vom

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2013 | 11:30 Uhr

Es klingt verlockend: Wer Ananas isst, ein bisschen L-Carnitin schluckt oder viel Kaffee trinkt, zündet in seinem Körper den Fettverbrennungsturbo. Doch ist es so einfach, die über lange Zeit angefutterten Pfunde loszuwerden, wie es in Ratgeberbüchern und im Internet über Fatburner heißt? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat vermeintliche Fettverbrenner unter die Lupe genommen. Gemeint sind damit Substanzen, die angeblich die körpereigene Fettverbrennung fördern beziehungsweise die Stoffwechselprozesse beschleunigen sollen.

Hormone
Fakt ist, dass bei Stress die Hormone Adrenalin und Noradrenalin verstärkt produziert werden. "Und es stimmt auch, dass diese Hormone den Abbau von Fettsäuren im Fettgewebe steigern", sagt Sina Heinrichs und schränkt zugleich ein: "Als Mittel gegen Übergewicht ist Stress trotzdem völlig ungeeignet, weil gerade Übergewichtige auf Stress häufig mit vermehrtem Essen reagieren." Weil dann auch noch vor allem Fettreiches, Schokolade und andere Süßigkeiten bevorzugt werden, schlägt sich Stress dann doch auf den Hüften nieder.

Auch das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin taugt laut DGE nicht als Fatburner. Es erhöhe zwar den Energieumsatz des Körpers, trage jedoch nicht zu einem wesentlichen Abbau von Fett bei, sondern zur Verminderung der fettfreien Körpermasse wie Muskeln, Wasser, Bindegewebe oder Knochen.

L-Carnitin
L-Carnitin ist eine natürlich vorkommende Aminosäuren-Verbindung, die bei der Fettverbrennung tatsächlich eine wesentliche Rolle spielt. Sie transportiert die aktivierten Fettsäuren. Allerdings kann der Körper einen Teil des benötigten L-Carnitin selbst bilden, und den Rest nehmen wir über rotes Fleisch auf. "Der Körper sichert sich seinen Bedarf selbst", bringt es Sina Heinrichs auf den Punkt. Mehr L-Carnitin führt - anders, als häufig vermittelt - nicht dazu, dass mehr Körperfett dahinschmilzt. Das muss erst einmal in Fettsäuren aufgespalten werden und dafür ist nicht L-Carnitin, sondern ein fettspaltendes Enzym erforderlich. Bislang gibt es keine belastbaren wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass die Einnahme von L-Carnitin zu einem verstärkten Fettstoffwechsel geführt hat.

Ananas & Co.
Papaya, Ananas, Mango oder Kiwi enthalten eiweißspaltende Enzyme und werden deshalb in diversen Ratgebern als Fettverbrenner empfohlen. "Enzyme sind jedoch Eiweiße, die bereits im Magen gespalten werden", sagt Sina Heinrichs. "Sie kommen also in den seltensten Fällen intakt im Körper an und können deshalb nicht in der beschriebenen Form wirken."

Koffein
"Die Inhaltsstoffe von Kaffee und Tee, besonders das Koffein, sollen das sympathische Nervensystem aktivieren und durch einen verstärkten Fettstoffwechsel Speicherfett mobilisieren", erklärt DGE-Ernährungsberaterin Sina Heinrichs den vorgegebenen Effekt. Die DGE hat Zweifel: "Um eine Wirkung auf das Körpergewicht erzielen zu können, müsste man so viel Koffein aufnehmen, dass Nebenwirkungen wie Schwitzen, Unruhe und ein beschleunigter Puls zu befürchten sind."

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis: "Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, dass solche Fatburner zur Gewichtssenkung geeignet sind", so Sina Heinrichs. "Der einzige Weg zu einer verbesserten Fettverbrennung, der wissenschaftlich nachgewiesen ist, ist und bleibt körperliches Training."

Fatburner Muskeln
Wer sich bewegt, verbraucht Energie. Wie viel genau, hängt unter anderem vom Alter, vom Geschlecht, von Trainingszustand, Körpergewicht und Trainingsintensität ab. In einer Stunde Gymnastik sind es 300 bis 600 kcal. Beim Joggen kann man folgende Faustformel anwenden: Energieumsatz ist gleich Körpergewicht (in kg) mal Anzahl der Kilometer. Ein 70 Kilogramm schwerer Mann, der zehn Kilometer läuft, verbrennt also ungefähr 700 kcal.

Doch das ist längst nicht der einzige positive Effekt der sportlichen Betätigung. "Regelmäßige Bewegung hilft, die Muskelmasse stabil zu halten oder zu vergrößern", erklärt Sina Heinrichs. "Und je mehr Muskeln ein Mensch hat, umso höher ist sein Grundumsatz, also der Energieverbrauch in Ruhe." Denn Muskeln verbrauchen deutlich mehr Energie als Fett, wenn auch nicht so viele Kalorien wie das Gehirn. Aber das kann man nicht durch gezieltes Training zum Wachsen bringen, die Muskeln schon. Das bedeutet: Wer regelmäßig Sport treibt, verbraucht auch auf der Couch mehr Kalorien als ein Bewegungsmuffel.

Gerade Menschen, die abnehmen wollen, müssen sich viel bewegen. "Bei verminderter Nahrungszufuhr baut der Körper nicht nur Fett, sondern auch Muskeln ab", so die DGE-Beraterin. "Studien haben ergeben, dass der Muskelabbau nur halb so stark ist, wenn mit der Gewichtsabnahme ein körperliches Training von dreimal 30 Minuten pro Woche einhergeht." Der Sport verbessere zudem den Fettstoffwechsel, weil der Körper schneller Fette zur Energiegewinnung heranzieht. Ideal ist eine Kombination aus Ausdauer- und Kraftsport.

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