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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 20:40 Uhr

Schweriner Landgericht : Die Drogenrocker

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Prozess gegen Männer aus verbotener „Schwarzer Schar“ begann

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2014 | 20:55 Uhr

Drogenprozesse gibt es häufiger am Schweriner Landgericht. Doch dieser, der gestern begann, ist kein gewöhnlicher. Vier Männer, muskulös und fast alle bis zum Hals tätowiert, sitzen mit Fußfesseln auf der Anklagebank. „Fluchtgefahr“, hieß es zur Begründung. Alle vier Männer sind gebürtige Mecklenburger und leben in Wismar – wenn sie nicht im Gefängnis sitzen. Bandenmäßiger Hanfanbau und Rauschgifthandel im großen Stil wirft ihnen die Anklage vor.

Das Außergewöhnliche liegt vor allem im „Dunstkreis“ des Quartetts. Die Staatsanwaltschaft rechnet alle vier fest der inzwischen verbotenen Rockergruppe „Schwarze Schar“ zu, die bis Ende 2013 vor allem im Umfeld von Wismar für Aufsehen sorgte. Deren ehemaliger „Präsident“, Philip S., machte in zurückliegenden Jahren als Inhaber des „Werwolfshops“ der Hansestadt und Kopf der rechtsextremen Szene von sich reden.

Von der hat er sich offiziell losgesagt und mit Gleichgesinnten den Motorradclub mit dem düsteren Namen gegründet. Nach Ansicht des Landeskriminalamtes eine „Bande“ aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität.

Dass S. gestern nicht mit auf der Anklagebank saß, sondern im Gefängnis blieb, hat organisatorische Gründe. Von Terminschwierig-keiten seines Verteidigers war die Rede. Das Verfahren gegen den 36-jährigen Ex-Anführer wurde jedenfalls abgetrennt. Er sitzt seit Anfang Juli in Untersuchungshaft. Zwei der Angeklagten wurden bereits Ende März festgenommen, nachdem sie an der A20 bei Wismar von der Polizei mit Kokain im Wagen erwischt wurden.

Nach einem halben Jahr in Haft müssen Angeklagte im Regelfall freigelassen werden, wenn bis dahin nicht der Prozess beginnt. So war es aus Sicht der Staatsanwaltschaft allerhöchste Zeit, dass die Hauptverhandlung gestern begann.

Acht Straftaten werden den vier Männern zwischen 27 und 28 Jahren zur Last gelegt. Laut Staatsanwaltschaft hat der 36-jährige Ex-Anführer mit einem ehemaligen Gruppenmitglied der „Schwarzen Schar“ über einen Strohmann für 25 000 Euro ein abseits gelegenes Haus in der Nähe von Wismar gekauft, um eine professionelle Cannabiszucht zu betreiben. Zwischen Herbst 2013 und Februar 2014 sollen dort rund 24 Kilogramm Marihuana erzeugt worden sein. Die Drogen seien für 120 000 Euro verkauft worden, hieß es. Außerdem sollen die Männer von einem Abnehmer bei Bremen Marihuana und Kokain erworben und im Raum Wismar verkauft haben. Ende 2013 soll es zum Streit zwischen dem damaligen Präsidenten und einem der Angeklagten gekommen und die Cannabisanlage abgebaut worden sein.

Doch der Drogenhandel mit dem Mann aus Bremen, der inzwischen auch aus dem Verkehr gezogen wurde, blühte laut Anklage weiter. S. soll weitere Lieferungen bestellt haben. Als zwei der nun Angeklagten die heiße Ware Ende März abholten, waren die Ermittler ihnen schon auf der Spur.

Von „eine polizeilich überwachten Beschaffungsfahrt“, sprach Staatsanwalt Thomas Bardenhagen gestern beim Verlesen der Anklage. Die Polizei hatte im Auto eine Tüte mit 253 Gramm Kokain sichergestellt.

Ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern werden, wurde noch nicht bekannt. Gestern legte das Gericht vier neue Verhandlungstermine bis Ende November fest. Nach nicht einmal einer Stunde war der erste Prozesstag Geschichte.


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