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Er schrieb DDR-Filmgeschichte : Die Defa war Kurt Maetzigs Leben

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Erst DDR-Vorzeigeregisseur, dann von der SED abgestraft. Kurt Maetzig, der gestern im Alter von 101 Jahren gestorben ist, hat deutsche Filmgeschichte geschrieben - im Guten wie im Schlechten.

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erstellt am 09.Aug.2012 | 12:10 Uhr

Berlin | Erst DDR-Vorzeigeregisseur, dann von der SED abgestraft. Kurt Maetzig, der gestern im Alter von 101 Jahren gestorben ist, hat deutsche Filmgeschichte geschrieben - im Guten wie im Schlechten. Maetzig drehte die monumentalen Thälmann-Propagandafilme. Zu seinen Werken zählen aber auch das verbotene Drama "Das Kaninchen bin ich" und der bis heute bewegende, wohl zu den besten Defa-Produktionen zählende Film "Ehe im Schatten". Er habe sich mit seinem Schaffen immer der Wahrheit nähern wollen, sagte der Defa-Mitbegründer einmal.

Obwohl er schon lange keine eigenen Filme mehr drehte, verfolgte Maetzig bis zuletzt, was die heutige Regisseur-Generation so auf die Leinwand bringt. Daheim in seinem Haus in Wildkuhl in Mecklenburg-Vorpommern sah er sich die Filme zusammen mit seiner vierten Frau Bärbel auf DVD an. Er genoss die Natur, doch das Laufen fiel ihm schwer. Zu seinem 100. Geburtstag war er noch zu einer großen Feier zu seinen Ehren nach Berlin gereist. Um seinen 101. am 25. Januar dieses Jahres machte er kein großes Aufheben.

Maetzigs erster Spielfilm "Ehe im Schatten" (1947) erzählt die wahre Geschichte des Schauspielers Joachim Gottschalk und dessen jüdischer Ehefrau während der Nazi-Zeit. Die Tragödie war für Maetzig auch ein Stück Aufarbeitung eigener Geschichte. Die Nazis erteilten dem jungen Berliner Regie-Assistenten wegen seiner jüdischen Mutter Berufsverbot. Seine Deportation als "Halbjude" verhinderten einflussreiche Freunde. Maetzigs Mutter beging aus Angst vor der Gestapo Selbstmord. "Fast alles, was ich im Film ,Ehe im Schatten erzähle, erlebte ich im Umkreis meiner Familie und meiner Freunde", so Maetzig. "Ich wollte den Opfern jener Epoche ein Denkmal setzen."

Maetzig trat 1944 in die Kommunistische Partei ein. Nach Kriegsende zog er in den sowjetischen Sektor Berlins. Dort war er einer der Gründer der Defa. Im Glauben an "die sozialistische Sache" drehte Maetzig linientreue Filme über Ernst Thälmann (1954/55) oder mit "Schlösser und Katen" (1956) über die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. "Septemberliebe" (1960) erzählt von einem Mädchen, das seinen Verlobten an die Volkspolizei verrät, als dieser nach West-Berlin fliehen will. Maetzig galt als Paraderegisseur der DDR. Doch dann wurde auch er abgestraft. Sein Liebesdrama "Das Kaninchen bin ich" wurde 1965 auf dem berüchtigten 11. ZK-Plenum zusammen mit fast einem ganzen Jahrgang von Defa-Filmen verboten. Maetzig und andere Regisseure wie Frank Beyer wurden als "konterrevolutionär" und "staatsfeindlich" beschimpft. Nach dem Filmverbot übte Maetzig heftige "Selbstkritik", die er später bedauerte. "Das Kaninchen bin ich" kam erst 25 Jahre später in die Kinos. Maetzig leitete auch zehn Jahre die Babelsberger Filmhochschule.

Als Regisseur probierte er viele Genres aus: Er drehte die Komödie "Vergesst mir meine Traudel nicht" (1957) und den ersten Defa-Science-Fiction-Film "Der schweigende Stern" (1960). 23 Filme hat der Vater dreier Kinder gedreht, als er sich genau mit dem Erreichen des Rentenalters in den Ruhestand schicken ließ. Nach der Wende stellte sich Maetzig den Debatten zum DDR-Film. Ihm gehe es nicht darum, "Vergangenheit nachträglich zu retuschieren", wie er damals sagte. "Die Dinge sind, wie sie gewesen sind. Dazu stehe ich."


Filmographie

1947: Ehe im Schatten
1949: Die Buntkarierten
1950: Der Rat der Götter
1950: Familie Benthin
1952: Roman einer jungen Ehe
1954: Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse
1955: Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse
1956: Schlösser und Katen – Der krumme Anton
1956: Schlösser und Katen – Annegrets Heimkehr
1957: Vergeßt mir meine Traudel nicht
1958: Das Lied der Matrosen
1960: Der schweigende Stern
1960: Septemberliebe
1961: Der Traum des Hauptmann Loy
1961: Der Schatten
1962: An französischen Kaminen
1965: Das Kaninchen bin ich


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