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Breitbandausbau in MV : „Die Datenrate ist zu gering“

vom
Aus der Onlineredaktion

Breitbandausbau im Land gesichert. Wirtschaft hätte lieber schnellere Leitungen gehabt

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Sie mussten etwas länger auf die Fördermillionen für den Breitbandausbau warten als in anderen Regionen des Landes – aber seit Dienstag können nun auch die Einwohner in einem Gebiet an der südlichen Küste Rügens auf schnelles Internet hoffen.

Die Küstenregion war das letzte von 93 Projektgebieten in Mecklenburg-Vorpommern für das die Förderung zum Breitbandausbau bewilligt wurde. Und Energieminister Christian Pegel (SPD) jubelte vor Freude: „Diese Nachricht ist ein Riesenerfolg.“ Im Nordosten sei somit die vollständige Finanzierung aller Vorhaben durch Bundes- und Landesmittel erreicht. „Das hat bisher kein anderes Bundesland geschafft“, sagte Pegel weiter. Für den flächendeckenden Breitbandausbau in MV macht der Bund insgesamt 832 Millionen Euro locker – das Land gewährt noch einmal Zuschüsse in Höhe von 500 Millionen Euro. Bis Ende 2018 sollen dann landesweit Internet-Anschlüsse mit Datenraten von mindestens 50 Mbit pro Sekunde zur Verfügung stehen.

„Ein Schritt in die richtige Richtung“, findet auch der Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates in MV, Frank Roller.

Ein Blick auf den Breitbandatlas der Bundesregierung macht deutlich, dass gerade im Nordosten abseits größerer Ortschaften schnelles Internet kaum verfügbar ist.

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Gerade für Industrie und Wirtschaft ist der zügige Breitbandausbau im Land von enormer Bedeutung. Die digitale Wettbewerbsfähigkeit sei zum entscheidenden Standortfaktor geworden, erklärt Roller. Ob Logistik und Hafenwirtschaft, Tourismus, Mobilität, Forschung und Entwicklung, Gesundheitswesen – kaum eine Branche kann heute noch auf das Internet verzichten. „Internetbasierte und vernetzte Arbeitsweisen spielen in fast allen Wirtschaftszweigen eine immer stärkere Rolle“ sagt der Landesgeschäftsführer.

Die angepeilten Datenraten von 50 Mbit/s sind aus Sicht des Wirtschaftsrates aber mittelfristig „deutlich zu wenig“. Das könne nur eine Zwischenlösung sein, findet Roller. „Für Unternehmen mit vielen Büroarbeits-plätzen und die mit großen Datenmengen arbeiten, könnte es jetzt schon eng werden“, erklärt der Wirtschaftsexperte.

Schuld daran ist der Bund.

Das Bundesverkehrsministerium hatte bei seiner Entscheidung für die Förderung des Breitbandausbaus nämlich darauf verzichtet, die Verlegung von Glasfaserkabeln vorzuschreiben. Erlaubt wurden auch kostengünstigere Mischlösungen wie das sogenannte VDSL eine Verbindung aus Glasfasernetz und Kupferanschlüssen. „Das ist der Flaschenhals“, weiß Roller. Die Kupferdrahtleitungen hätten nicht das Potential der Glasfaser, dass bezogen auf die Bandbreite nach oben völlig offen sei. Industrie 4.0 sei ohne Breitband Glasfasertechnologie nicht denkbar, warnt daher auch der Wirtschaftsrat. Beim flächendeckenden, hochleistungsfähigen Internetausbau müsse der Schwerpunkt deshalb auf dieser Technologie liegen.

Viele Gemeinden in MV dürften aber zunächst einmal glücklich sein, dass sie mit den Fördermillionen den Breitbandausbau überhaupt in Angriff nehmen können und auch an der Küste Rügens mit 50 Mbit/s gesurft werden kann.


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