Anita Lasker-Wallfisch erzählt ihre Geschichte in Rostock : Die Cellistin von Auschwitz

 <strong>Anita Lasker-Wallfisch</strong> veröffentlichte  bereits zwei Bücher über ihr Leben.<foto>zvs</foto>
Anita Lasker-Wallfisch veröffentlichte bereits zwei Bücher über ihr Leben.zvs

Sie ist eine der letzten Überlebenden aus dem Frauenorchester von Auschwitz. Anita Lasker-Wallfisch wird auch mit ihren 88 Jahren müde, an deutschen Schulen von ihrem Leben und vom Überleben in Auschwitz zu berichten.

svz.de von
25. Januar 2013, 08:15 Uhr

Rostock | Sie ist eine der letzten Überlebenden aus dem Frauenorchester von Auschwitz. Anita Lasker-Wallfisch ist mit ihren 88 Jahren eine Zeitzeugin, die nicht müde wird, an deutschen Schulen und bei Veranstaltungen von ihrem Leben und vom Überleben in Auschwitz zu berichten. "Es ist ein so wichtiges Thema. Besonders jetzt, wo in Deutschland Antisemitismus wieder akzeptiert wird", erzählt Lasker-Wallfisch. "Ich bin jüdisch und habe überlebt. Wenn ich vor den Schülern stehe und meine Geschichte erzähle, hat das viel mehr Wirkung, als wenn die Kinder nur in einem Schulbuch lesen würden."

Anita Lasker-Wallfisch wurde 1925 in Breslau geboren. Ihr Vater war Rechtsanwalt und Notar am Oberlandesgericht, ihre Mutter war Geigerin. Sie waren drei Töchter. "Mein Vater war ein sehr begeisterter Deutscher. Wir dachten eigentlich, dass die Menschen nicht so verrückt wären, Hitler zu wählen. Am 9. November wurde uns dann klar, wie ernst die Lage wirklich war. Dann war es aber zu spät. Zu der Zeit war es nicht leicht, einfach aus Deutschland auszuwandern", berichtet die Zeitzeugin. "Wir sind steckengeblieben in Deutschland." 1943 kam Anita Lasker-Wallfisch in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, wo sie im Frauenorchester Cellistin wurde. Ende 1944 wurde sie im Viehwagen nach Bergen-Belsen transportiert und 1945 von den Engländern befreit. Ein Jahr später zog sie nach England und wurde dort Mitbegründerin des English Chamber Orchesters.

1994 kehrte Lasker-Wallfisch erstmals wieder nach Deutschland zurück. Seitdem ist sie viel unterwegs, auf Vortragsreisen und in Schulen. "Ich verbringe schon fast das gesamte Leben damit, eingeladen zu werden", erzählt die 88-Jährige. "Aber ich werde auch in meiner Arbeit bestätigt, wenn ich beispielsweise schöne Briefe von Schülern nach Hause geschickt bekomme." Zur Zeit reist die Zeitzeugin durch Mecklenburg-Vorpommern und besucht einige Schulen im Land. Am morgigen Sonntag wird sie als Gastrednerin in Rostock sein. Der Landtag gedenkt den NS-Opfern in der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Das künstlerische Programm gestalten Studenten der Hochschule unter der Leitung von Volker Ahmels, dem Leiter des HMT-Zentrums für Verfemte Musik. "Ich bin nun ja nicht mehr die Jüngste, aber ich werde noch so lange reisen und meine Geschichte erzählen, wie ich es kann", erzählt Lasker-Wallfisch.

Der 27. Januar wurde 1996 vom früheren Bundespräsidenten Roman Herzog zum nationalen Gedenktag in Deutschland für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Der Tag im Januar, an dem das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im Jahr 1945 durch die Rote Armee befreit wurde.

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