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Bundesgartenschau : Die Buga gab Schwerin ein neues Gesicht

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor fünf Jahren wurde die Bundesgartenschau 2009 eröffnet. In einer Ausstellung werden Erinnerungen wach. Besucher können tolle Preise gewinnen

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 20:41 Uhr

Sie war das größte Volksfest, das Schwerin je erlebt hat. Sie war das umfangreichste Stadterneuerungsprogramm der vergangenen 100 Jahre. Sie hat das Gesicht der Landeshauptstadt deutlich verändert. Vor fünf Jahren begann die Bundesgartenschau - höchstoffiziell eröffnet vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

Die Vorbereitungen hatten schon mehr als zehn Jahren vorher begonnen. Da wurde im Bauamt der Schweriner Stadtverwaltung nach einer Initiative des Vereins Pro Schwerin die Idee diskutiert, dass sich die Landeshauptstadt um die Bundesgartenschau 2005 bewirbt. In der Stadtverwaltung wurde fleißig an dem Thema gearbeitet. Doch aus 2005 wurde 2009. Zur Bewerbung wurde dann ein bis dahin einmaliges Buga-Konzept vorgestellt. Zwei große Flächen – eine am Jägerweg, eine auf dem Güterbahnhofsgelände – sollten mit einem Grünen Band miteinander verbunden werden. Dazu kamen einige dezentrale Orte wie der Zoo oder der Stadtteil Zippendorf.

Doch nach und nach stellten sich immer mehr teils unlösbare Probleme mit diesem Konzept ein. Und als dann der erfahrene Buga-Macher Jochen Sandner gemeinsam mit Stadtwerke-Chef Josef Wolf die Geschäftsführung übernahm, wurde alles noch einmal umgekrempelt. Aus „Eine ganze Stadt wird Buga“ wurden „Sieben Gärten mittendrin“. Rund um das Schloss entstand eine Bundesgartenschau auf einer Fläche von 55 Hektar.

Während in der Stadt und im Schlossgarten gebaut und gestaltet wurde, gab es viel Ärger. Wurde ein Baum gefällt erhob sich heftiger Protest. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) machte es sich quasi zum Ziel, die Schweriner Gartenschau ganz zu verhindern. Es ging bis vors Gericht. Die Buga fand zwar statt, aber mit Auflagen. Und immer wieder wurde diskutiert, ob eine solche Großveranstaltung überhaupt stattfinden soll. Das Geld sei doch besser für Schulen, Kitas und andere Vorhaben eingesetzt.

Doch mit einem geschickten Schachzug der Buga-Geschäftsführung kippte die Stimmung. Weil die Freilichtbühne als Ort der Eröffnungsveranstaltung nur eine sehr begrenzte Zuschauerkapazität hatte, konnten die sieben Gärten am Nachmittag des 23. April 2009 durch alle kostenlos besichtigt werden. Die Zahlen des Eröffnungstages sprechen für sich. Über 20 000 Gäste wurden begrüßt, 8000 Bratwürste gegessen, 11 000 Tassen Kaffee getrunken und 3000 Souvenirs des Buga-Maskottchens „Fiete“ verkauft. Der strahlende Sonnenschein an dem Tag tat ein Übriges. Die Schweriner waren nun begeistert von „ihrer“ Bundesgartenschau.

Begleitet wurde die Gartenschau von einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm und einer Kunstausstellung. Auf mehreren Bühnen zeigten Musikschulen ihr Können, die französische Sängerin Patricia Kaas trat auf. Der Circus Roncalli begeisterte das Publikum ebenso wie die „Colors of Nature – Klangfarben der Natur“.

Die Bundesgartenschau 2009 hatte ein Gesamtbudget von 74,5 Millionen Euro zur Verfügung. Eine gewaltige Summe und ein Kraftakt für die Stadt, den sie nur mit Hilfe des Landes schaffen konnte. Doch immerhin 43 Millionen Euro waren Investitionen. Bleibende Werte, die das Areal rund um das Schloss dauerhaft verändert haben.

Die Werderstraße wurde saniert, ebenso die Graf-Schack-Allee. Die Schlosspromenade wurde gebaut. Der Bertha-Klingberg-Platz und der Platz am Beutel entstanden neu. Der Schlossgarten bekam sein historisches Aussehen zurück, auch sein südlicher Teil. Der Burggarten erstrahlte in neuem, alten Glanz. Die Schlossfassade war 2009 erstmals seit vielen Jahren wieder ohne Gerüste zu erleben. Und in neue Domizile von Sportvereinen flossen Millionen. Dabei kam das Geld für all diese Investitionsvorhaben gar nicht komplett aus dem Buga-Topf.

Eine Bundesgartenschau ist der Ausnahmezustand für Gärtner und Garten- und Landschaftsbauer. Früh morgens um halb fünf begann die Pflege der Millionen Pflanzen. Bis zur täglichen Öffnung um 9 Uhr musste alles fertig sein. Und gefordert war ein Pflegezustand, wie er im normalen Alltag gar nicht durchzuhalten, weil nicht zu finanzieren ist. Die Folge: Nach der Buga wurde vieles „zurückgebaut“. Der Küchengarten – eine leere Fläche, die Schwimmende Brücke – verschwunden, die Mandarinen auf der Schwimmenden Wiese – nur noch rudimentär vorhanden. Doch die Investitionen bleiben und werden gut angenommen. Promenieren am Burgsee, ein Kaffee auf der Terrasse des Ruderhauses, Boule auf dem Platz am Beutel – die Schweriner zieht es ans Wasser.

Die Buga besuchten 1,9 Millionen Gäste. Mehr, als ursprünglich erwartet. Mehr als 14 000 Busse steuerten während der Veranstaltung die Landeshauptstadt an. Die Besucher kamen aus allen Teilen Deutschland und aus dem benachbarten Ausland. Doch nach der Gartenschau stürzten die Gästezahlen für Schwerin wieder auf das Niveau von 2008. Ein normaler Vorgang.

Und Geld ist auch noch „übrig“ geblieben. Etwa vier Millionen Euro hat die Buga-Gesellschaft für die Landeshauptstadt erwirtschaftet. Ein Ergebnis, daß bisher nur ganz wenige Gartenschauen vorweisen konnten.

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