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Landwirtschaft und TTIP : Die Bauern werden verlieren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bärbel Höhn, stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, über die Landwirtschaft der Zukunft

von
erstellt am 19.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Tausende haben in Berlin anlässlich der gerade eröffneten Grünen Woche für eine Agrarwende demon-striert. Darüber sprach Andreas Herholz mit Bärbel Höhn, stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Wie sollte die Landwirtschaft der Zukunft aussehen?

Höhn: Ziel der Bundesregierung ist eine möglichst hohe Fleischproduktion. Das führt zur Massentierhaltung und massivem Medikamenteneinsatz wie Antibiotika in der Mast. Wir Grünen dagegen wollen bäuerliche Betriebe stärken, die eine nachhaltige Landwirtschaft betreiben und Boden Wasser und Luft nicht verschmutzen.

Haben es die Verbraucher nicht selbst mit ihrem Kaufverhalten in der Hand, etwas zu ändern?
Der Trend bei den Verbrauchern geht bereits zu Nachhaltigkeit und Bio-Produkten, auch zu weniger Fleisch. Die Kennzeichnung der Lebensmittel suggeriert aber nach wie vor, dass alles gleich gut ist. Das einzige Kriterium ist dann der Preis. Wir brauchen eine andere Kennzeichnung. Die Schere geht weiter auseinander: Auf der einen Seite entscheiden sich immer mehr für hochwertige Bioprodukte, auf der anderen Seite wählen immer mehr nach dem günstigsten Preis.
Lieber einmal ein hochwertiges und darum etwas teureres Steak in der Woche als jeden Tag Billigfleisch.

Allein Appelle und andere Kennzeichen werden wohl nicht ausreichen, oder?
Bei den Verbrauchern wird langsam eine Veränderung sichtbar. Dennoch: Die Politik muss eingreifen. Massentierhaltung ist Industrieproduktion.
Dafür darf es keine Subventionen mehr geben. Diese Form der Landwirtschaft richtet massive Schäden an: Wasserverschmutzung, Bodenbelastung, Zerstörung der Artenvielfalt und wegen des Medikamenten-einsatzes und der Entwicklung multiresistenter Keime enorme Folgekosten im Gesundheitswesen. Dafür muss die Gesellschaft aufkommen.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sieht beim Einsatz von Antibiotika Handlungsbedarf. Was muss geschehen?
Beim Thema Antibiotika müssen wir dringend handeln. Landwirtschaftsminister Schmidt muss den Einsatz von Reserve-Antibiotika in der Tiermast verbieten. Wir verlieren unseren Antibiotika-Schutz völlig. Wir werden den Minister beim Wort nehmen.

Wenn die Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada vereinbart werden, kommen bayerische Weißwurst und Harzer Roller dann künftig aus Übersee?
Das Freihandelsabkommen wird gerade der Qualität der Lebensmittel und dem Verbraucherschutz hierzulande schaden.

Ein noch größeres Problem wird die Gen-Technik. Wenn der Landwirtschaftsminister bereits über eine App spricht, mit der man im Handel prüfen könne, ob es sich um Gen-Lebensmittel handelt oder nicht, hat er bereits akzeptiert, dass Gentechnik-Produkte künftig bei uns in die Läden kommen. Das ist entlarvend. Hier wird das Gentechnik-Verbot aufgegeben.

Beim Schutz regionaler Produkte brauchen wir eigentlich eine Verschärfung der Kennzeichnung. Die regionale Vielfalt der landwirtschaftlichen Produkte ist unsere große Stärke. Wir dürfen sie nicht aufgeben. Die Freihandelsabkommen werden unsere bäuerlichen Betriebe zum Aufgeben zwingen und damit zum Verlust von Arbeitsplätzen führen. Die Bauern und Verbraucher werden hierzulande die Verlierer sein. Wenn die Bundesregierung sagt, dass die Qualitätsstandards durch die Freihandelsabkommen nicht gesenkt werden, spielt sie ein falsches Spiel. Das stimmt nicht.

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