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Unfall am Autobahnkreuz Schwerin : Die armen Schweine von der A 14

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Schon wieder ist ein Viehtransporter im Autobahnkreuz Schwerin verunglückt: 100 Tiere verenden auf dem Weg zum Schlachthof

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 10:12 Uhr

Die Stunden der 181 Mastschweine waren bereits gezählt, denn sie waren auf dem Weg von Schleswig-Holstein zu einem Schlachthof in Sachsen-Anhalt. Aber der Tod kam am Dienstag für mehr als die Hälfte der Tiere bereits auf dem Autobahnkreuz Schwerin. Gegen 9 Uhr verunglückte ein Viehtransporter in der Auffahrt zur A 14 in Richtung Ludwigslust und viele der Schweine verendeten qualvoll oder mussten per Spritze getötet werden.

Für Dr. Swantje Kuchenbuch steht schnell fest: Um diese Tiere wird sie sich nicht alleine kümmern können. Nicht bei dieser Masse. Nicht bei diesem Gewicht. 181 Schweine, alle zwischen 100 und 120 Kilogramm schwer, die jetzt noch eingeschlossen in einem umgekippten Transporter kreuz und quer übereinander liegen. Die Kreisveterinäroberrätin vom Fachdienst Veterinär- und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Ludwigslust-Parchim hat ihr Handy am Ohr. Wann kommt der Ersatz-Transporter, der die Tiere aufnimmt, die noch transportfähig sind? Wann kommen die Kolleginnen vom Veterinäramt, um den Gesundheitszustand der Tiere zu überprüfen? Wann sind die kräftigen Männer von einem Schlachtbetrieb aus der Umgebung da, die die Masttiere aus dem Anhänger befreien können?

Viel Arbeit wartet auf Dr. Swantje Kuchenbuch (2.v.l.) vom Kreisveterinäramt.

Viel Arbeit wartet auf Dr. Swantje Kuchenbuch (2.v.l.) vom Kreisveterinäramt.

Foto: Hans Taken
 

Nach gut zweieinhalb Stunden sind alle da, die gebraucht werden. Eine Fahrbahn der A 14 ist gesperrt, Feuerwehrmänner aus Neustadt-Glewe und Goldenstädt haben mit Leitern und Säcken eine Gasse für die Schweine gebildet, damit kein Vieh ausreißen kann. Die Tür wird aufgezogen, ein Schwein stolpert benommen über die Leiber seiner Artgenossen ins Freie. Das Quieken ist ohrenbetäubend. Der Fahrer des verunglückten Transporters packt mit an. 21 Jahre alt ist er, seit einem Jahr im Job und jetzt für den Betrieb aus der Nähe von Bad Segeberg unterwegs. Seine linke Hand blutet. Ansonsten hat er den Unfall schadlos überstanden. „Zum Teufel, ich weiß nicht, warum der Anhänger hin und her schaukelte und dann umkippte“, sagt er. Mit dieser Frage wird sich die Polizei beschäftigen, die die Unfallstelle gesichert und die Auffahrt von der A 24 auf die A 14 für mehrere Stunden gesperrt hat.

Die ersten toten Tiere liegen auf dem Seitenstreifen. 100 werden es am Ende eines langen Nachmittags s sein. Dr. Swantje Kuchenbuch und ihre Kolleginnen begutachten jedes Schwein, müssen entscheiden, welches Tier noch transportfähig ist. Für die 46-Jährige ist es der erste Einsatz dieser Art. „Seelisch habe ich mich schon darauf eingestellt, dass ich einmal zu solch einem Unglück gerufen werde“, sagt die Veterinäroberrätin. 90 Tiere werden tot geborgen. Zehn Tiere, so beurteilt die Expertin, müssen vor Ort getötet werden. Das macht ein Tierarzt per Spritze.

Die toten Schweine werden abtransportiert. Das Ziel ihrer letzten Reise ist die Tierkörperbeseitigungsanstalt in Malchin. Die anderen Schweine werden nach Teterow gebracht. Dort ist für sie Endstation, im Schlachthof.

Knapp vier Monate ist es her, dass nur ein paar Meter entfernt ein Viehtransporter mit 700 Ferkeln verunglückte. 600 Tiere starben damals bei dem Unfall.

600 Ferkel sterben auf der A14 (Juni 2017)

 

Dr. Swantje Kuchenbuch ist fertig. Nicht nur körperlich sei der Tag enorm anstrengend gewesen. „Das Leid der Tiere ging mir sehr nahe“, sagt sie. Duschen und etwas trinken, das hat sie sich für den Abend vorgenommen. Appetit, den hat sie nicht mehr.

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