Badedrama in Schwerin : Die Angst bleibt – der Strand ist leer

Bedrückende Stimmung: Nur wenige Badegäste waren gestern am beliebtesten Strand der Landeshauptstadt.
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Bedrückende Stimmung: Nur wenige Badegäste waren gestern am beliebtesten Strand der Landeshauptstadt.

Fast wäre an Marie-Celines Unglücksort ein weiterer Badegast ertrunken / Situation der Rettungsschwimmer nicht entspannt

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25. Juli 2015, 07:30 Uhr

Blauer Himmel. Die Sonne lacht. Sonst toben hier Kinder. Bauen Sandburgen. Holen mit kleinen Eimern Wasser aus dem Schweriner See. Planschen im kühlen Nass. Juchzen vor Freude. Aber nicht gestern. Gestern war der beliebteste Strand der Landeshauptstadt so gut wie verlassen. Nur wenige Badegäste waren da. „Geht nicht so weit rein“, rufen die Eltern und beobachten ihre Sprösslinge genau.

Auch das Sommerwetter konnte nicht über das bedrückende Gefühl hinwegtäuschen. Drei Tage ist es nun her, dass die kleine Marie-Celine ihr Leben verlor. Sie ertrank am südlichen Ufer des Schweriner Sees. „Wir haben damit sehr zu kämpfen“, sagt Oliver Markwardt von der DRK-Wasserwacht mit zittriger Stimme. Er klingt erschöpft. Schläft nur wenig. Ihm machen die Ereignisse sichtlich zu schaffen.

„Den Rettungsschwimmern ist nichts vorzuwerfen“, sagt der ehemalige DLRG-Landespräsident Armin Jäger. Aber er sagt auch: „Zwei Rettungsschwimmer an einem Sommertag für ganz Schwerin sind eindeutig zu wenig.“ Genau so viele waren am Tag des Badeunglücks im Einsatz – und sie waren nicht am Zippendorfer Strand, sondern mussten erst vom Freibad Kalkwerder mit dem Einsatzboot anrücken. Auch gestern war es nicht viel besser: Drei ausgebildete Rettungsschwimmer waren im Einsatz. Das Freibad Kalkwerder geschlossen. Immerhin haben sich bei der Wasserwacht in den vergangenen Tagen bereits 20 Interessenten an einer Rettungsschwimmer-Ausbildung gemeldet. Bereits am Donnerstag wird es einen Kurs geben. Noch können Teilnehmer aufgenommen werden, Anmeldungen sind unter 0172 38 99 575 möglich.

Fast hätte es an jenem Mittwoch noch ein zweites Unglück gegeben, berichtet der Schweriner Erik Streuding. „Wir haben Volleyball am Strand gespielt. Plötzlich haben wir zwei Männer im Wasser gesehen, die kräftig mit den Armen um sich schlugen. Sie hatten Angst um ihr Leben. “ Und das nur etwa zwei Stunden nachdem die kleine Marie ertrank. Zunächst hätten er und seine Freunde das Geschehen nicht ernst genommen. „Man wusste nicht, ob es nur ein dummer Spaß war.“ Am Ufer des Sees standen weitere Männer. „Die Gruppe muss allem Anschein nach zusammen gehört haben – vielleicht eine Urlaubergruppe, denn keiner von ihnen konnte Deutsch sprechen oder verstehen“, erinnert sich Streuding. Einer der Männer konnte sich schließlich retten. „Der andere nicht. Er ging immer wieder unter“, beschreibt Erik Streuding mit ruhiger Stimme. Als klar war, dass die Lage doch ernst ist, wurde nicht mehr gezögert. „Einer meiner Freunde sprang ins Wasser. Ein weiterer Badegast kam auch zu Hilfe“, sagt Streuding.

Der Mann konnte aus dem Wasser gezogen werden. „Er war erschöpft und außer Atem – aber es ging ihm gut“, berichtet Erik Streuding. In seiner Stimme klingt Erleichterung. Eine Erfahrung die sich nicht wiederholen müsse, sagt er. Gerade in den Ferien sollte der Strand gut bewacht werden.

„Bei einem Sommertag mit 500 bis 600 Strandgästen und 80 bis 100 Badenden ein unzumutbarer Zustand“, prangert Uwe Schwarz an. Er selbst ist staatlich geprüfter Schwimmmeister. Schwarz war in den 1960er Jahren im Schweriner Waldbad und am Zippendorfer Strand als Rettungsschwimmer tätig. „Wie oft habe ich zu meiner Frau gesagt, wenn hier was passiert, kommt jede Rettung zu spät.“ Genau dies ist eingetreten. Für die vierjährige Marie kam jede Hilfe zu spät.

„Wir haben die gleichen Probleme, wie die Kollegen von der DRK-Wasserwacht“, sagt Armin Jäger von der DLRG. Auch sie hätte mit Personalmangel zu kämpfen. „Es ist ein Ehrenamt. Wir alle helfen gerne. Machen es freiwillig. Anders geht es auch nicht. Aber: Jeder Badegast sollte ein Auge auf seine Umwelt haben und wenn nötig helfen“, appelliert Jäger.

Am Wochenende werden viele Familien am Strand erwartet. Laut Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow soll dann der Strand ausreichend bewacht sein.


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