Debatte um Glyphosat-Verbot : Die Ackerchemie bleibt im Giftschrank

„Monster aus dem Labor“:  Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bleibt ein Politikum – obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung Entwarnung gegeben hat.
„Monster aus dem Labor“: Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bleibt ein Politikum – obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung Entwarnung gegeben hat.

Städte verschärfen Einsatzverbot für Glyphosat. Linke stehen Kommunen bei. Bauern kritisieren Entscheidung als ideologisch begründet

svz.de von
21. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Bedenken werden größer: Rostock hat es getan, Neustrelitz auch, Schwerin ohnehin schon als erste Stadt in MV. Jetzt stehen in der Landeshauptstadt als auch in Greifswald eine Verschärfung des Verbots des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat auf allen städtischen Flächen an. In Schwerin würden seit 2014 auf städtischen Grünflächen keine Pestizide mehr eingesetzt, erklärte Stadtsprecherin Michaela Christen gestern.

In mehreren Anträgen für die Stadtvertretersitzung im März werde nun auch ein Glyphosat-Verbot auf an Agrarbetriebe verpachtete Stadtflächen erwogen. In Greifswald werde im April in der Bürgerschaft über die „Verwendung von Glyphosat, Fipronil, Neonicotinoiden und anderen, die Biodiversität gefährdenden Giften auf stadteigenen Flächen“ beraten. Die Hansestadt setzte schon lange auf den von ihr bewirtschafteten Flächen keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr ein, erklärte Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) gestern.

Einzige Ausnahme: eine stadteigene Gleisanlage zum Hafen Ladebow. Auf Pachtflächen der Stadt, die konventionell bewirtschaftet würden, werde langfristig eine „umweltschonende Bewirtschaftung der Böden“ angestrebt. Fassbinder: „Bei Abschluss von Pachtverträgen soll zukünftig auch der Einsatz von Herbiziden geregelt werden. Der Verzicht auf Glyphosat ist eine angestrebte Regelung.“

In den Kommunen wächst der Widerstand gegen die als krebserregend geltene Ackerchemie. Ein Glyphosat-Verbot sei Thema in einigen Kommunen, erklärte Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag. Wenn für den privaten Einsatz ein Verbot diskutiert werde, sei es nachvollziehbar, dass Kommunen vorangingen und kein Glyphosat mehr einsetzten. Ein Verbot rückt näher: Union und SPD sehen im Entwurf ihres Koalitionsvertrages vor, den Einsatz von Glyphosat so bald wie möglich zu beenden. Die Opposition im Schweriner Landtag fordert schnell Konsequenzen: „Niemand will dieses Zeug in der Milch, im Honig, im Bier, im Grundwasser oder in der Ostsee. Deshalb muss die Anwendung von Glyphosat stark einschränkt oder am besten gleich verboten werden“, bekräftigte der agrarpolitische Sprecher der Linksfraktion, Wolfgang Weiß, einen im Herbst im Landtag gestellten Verbotsantrag. Die Linken in MV und im Bund forderten, den Einsatz von Glyphosat bei der Vorerntebehandlung sowie auf allen öffentlichen Flächen zu verbieten und Alternativen zur Anwendung von Glyphosat zu entwickeln, fügte die Linken-Umweltexpertin Mignon Schwenke hinzu.

Die Bauern-Lobby in MV beeindruckt der Widerstand wenig: Erst Anfang Februar hatte Bauernpräsident Detlef Kurreck das Glyphosat-Verbot in Neustrelitz als eine Entscheidung kritisiert, die nicht von fachlicher Kompetenz getragen werde, sondern ideologisch begründet sei. Das Argument der Bauern: Glyphosat ermögliche eine wirtschaftliche, pfluglose Ackerbewirtschaftung und den Anbau von Zwischenfrüchten, die auch Nahrung für Bienen böten. Ohne die Ackerchemie müsse mehr gepflügt werden, so Kurreck.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen