Die acht häufigsten Nepp-Fallen

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02. Mai 2012, 10:56 Uhr

1. Der Handwerker: "Immer im Blick behalten"
In Schwerin gab sich ein Trickbetrüger als Monteur aus, der nach dem Winter die Heizung entlüften wolle. Er betrat alle Zimmer und verlangte nach der – angeblich erledigten – Arbeit die Bezahlung. Mit dem Geld verließ er die Wohnung, um Wechselgeld aus dem Auto zu holen. Er kam nie wieder. Und nicht nur das. Er hatte auch die Handtasche mit Kreditkarten gestohlen.

Tipps der Polizei:
- Niemals unangemeldete Personen ins Haus lassen. Ob Polizei, Staatsanwaltschaft oder Stadtwerke –
jede Institution und seriöse Firma meldet ihr Kommen an.
- Wenn sich jemand anmeldet, bei der betreffenden
Firma nachfragen und
Angehörige informieren.
- Besucher niemals unbeaufsichtigt lassen.


2. Schlüsseldienst: "Versteckte Kosten"
Der Schlüssel steckt von innen, man selbst ist draußen. Über die Auskunft bekommt man schnell eine Nummer – aber nicht von einer örtlichen Firma. „Zurzeit hören wir es immer wieder, dass der herbeigerufene Schlüsseldienst zuerst einen Vertrag zur Unterschrift präsentiert“, sagt Matthias Wins von der Verbraucherzentrale MV. Darin würden versteckt ungeheure Kosten, bis zu 500 Euro, vereinbart. Er rät: „Vor der Unterschrift in Ruhe lesen. Sonst hat man später keine Handhabe gegen unberechtigte Forderungen.“


3. Bei Anruf Gewinn: "Erst Gebühren, dann das Auto"
„Herzlichen Glückwunsch. Sie haben 1 Million Euro gewonnen.“ Diese Worte bekam ein Mann aus dem Landkreis-Ludwigslust Parchim am Telefon zu hören. An die angebliche Lottogesellschaft müsse er jedoch zunächst 1000 Euro zahlen – Transfer- und Verwaltungsgebühren. Der Mann zahlte das Geld auf ein Konto ein. Von der Lottogesellschaft hörte er nie wieder etwas. Mit Gewinnversprechen – ob für Bargeld oder ein Auto – haben Kriminelle in der Region mehrere Tausend Euro ergaunert. In einem Fall hatte ein Ehepaar nach und nach 14 000 Euro gezahlt, ehe es stutzig wurde.

Tipps der Polizei:

- Angebote und Aufforderungen immer kritisch hinterfragen.
- Lotterien verlangen im Gewinnfall vorab nie Geld.



4. Kaffeefahrten & Reisegewinne: "Gratisreise mit Nebenkosten"
Eine Mikrowelle, ein Tafelservice für zwölf Personen oder eine Gratisreise im Wert von mindestens 999 Euro – die versprochenen Preise können sich, zumindest den Worten nach, sehen lassen. Müssen sie auch, weil sonst kaum noch einer auf Kaffeefahrt gehen würde. Doch so starten viele Senioren weiter zu diesen Touren und lassen weiter Verkaufsveranstaltungen über sich ergehen. Und so hat auch die Verbraucherzentrale immer wieder mit diesem Klassiker zu tun. Zu Hause wird manchem Kaffeefahrt-Ausflügler klar, wie überteuert oder nutzlos die erworbenen Produkte – von Nahrungsergänzungsmitteln bis Federbetten – sind. „Aus den Verträgen kommt man wieder heraus – über das Widerrufsrecht oder die Anfechtung wegen falscher Zusicherungen“, sagt Jurist Matthias Wins. „Geld, das man vor Ort bereits gezahlt hat, ist allerdings schwer zurückzuholen.“ Extrem häufig gibt es derzeit Beschwerden über angebliche Gratis-Reisen. „Häufig müssen die Gewinner vor Ort Leistungen bezahlen und Werbeverkaufsverantaltungen besuchen“, so Wins. Oder es werde gleich eine Verwaltungspauschale fällig.

Tipp:
Kleingedrucktes lesen und Finger weg von Reisen, für die kein Reisepreissicherungsschein ausgehändigt wird – egal mit welcher Begründung.



5. Der Bank-Mitarbeiter: "EC-Karte und PIN nie weitergeben"
Immer häufiger geben sich Kriminelle als Bankmitarbeiter aus. Unter verschiedensten Vorwänden versuchen sie, an das Geld oder die EC-Karte des Opfers mitsamt PIN zu kommen.
Story 1: Ein seriös auftretender Mann klingelte bei einer 79-jährigen Schwerinerin, gab sich als Mitarbeiter eines ortsansässigen Geldinstituts aus und bot den Wechsel der EC-Karte an. Die alte Dame ließ sich darauf ein, steckte die Karte in einen Briefumschlag und klebte ihn zu. Im Verlauf des Gesprächs fragte der ungebetene Besucher noch ganz nebenbei nach der PIN – und bekam sie. In der folgenden Nacht wurden mehrere Tausend Euro abgehoben. Ihre Karte sah die Schwerinerin nie wieder.
Story 2: Ein Anrufer gab sich gegenüber einer 91-jährigen Schwerinerin als Mitarbeiter ihrer Bank aus. Ihr Konto sei stark überzogen. Die Frau legte zwar auf, doch kurze Zeit später stand dennoch ein Unbekannter vor ihrer Tür. Er gab vor, der Bank-Mitarbeiter zu sein, der das Geld abholen möchte, um das Konto auszugleichen. Der Mann hatte zum Glück keinen Erfolg.
Story 3: Eine 76-Jährige – ebenfalls in Schwerin – wurde von einem Anrufer aufgefordert, ihr Bargeld in einen Briefumschlag zu legen und zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Bank zu bringen. Es sei gefälscht.

Tipps der Polizei:
- Nie Bankdaten, insbesondere die PIN-Nummer, an Dritte weitergeben. Auch die Bank kennt diese Nummer nicht und darf sie auch nicht kennen. Amtspersonen von Polizei oder anderen Institutionen werden niemals danach fragen.
- PIN-Nummer am besten einprägen und möglichst nicht aufschreiben, schon gar nicht auf der EC-Karte selbst.


6. Der Hilfesuchende: "Ein Glas Wasser oder ein Stift"
Das Ehepaar hatte den Unbekannten in die Wohnung gelassen. Er hatte behauptet, ein Bekannter zu sein und bot drei angeblich hochwertige Jacken zum Kauf an. Die Senioren ließen sich darauf ein und bezahlten 600 Euro. Dann bat der Unbekannte um eine Tasse Kaffee und stahl in einem unbeobachteten Moment hunderte Euro. In anderen Fällen ist es die Schwangere, die ein Glas Wasser braucht. Oder ein Freund des Nachbars, der Stift und Zettel benötigt, um eine Nachricht zu hinterlassen. Das Ziel ist gleich: Sich selbst oder einem Komplizen einen unbeobachteten Moment in der Wohnung verschaffen.

Tipps:
- Niemals Fremde in die Wohnung lassen.
- Tür nur bei vorgelegtem Sperrriegel öffnen.


7. Job als Finanzagent: "Leichter Job – schwere Folgen"
Per E-Mail wird der Internetnutzer für eine lukrative und leichte Arbeit geworben. Als Finanzagent solle er sein Girokonto für einen oder mehrere Geldeingänge zu Gunsten des Anbieters bereitstellen. Einen Teil des Geldes darf er als Provision für sich behalten. Den Rest muss er möglichst umgehend per Bargeldversand an eine im Ausland befindliche Person überweisen. Die Gelder stammen von Opfern krimineller Handlungen und sollen so schnell zu den Tätern kommen, ohne dass die Transferwege nachvollzogen werden können. Der Haken an der Sache: Wer sich an so einem Geldwäsche-Transfer beteiligt – ob wissentlich oder unwissentlich – macht sich strafbar. Die Zahl der Verdachtsanzeigen in Bezug auf diese Masche steigt sprunghaft, von 971 Fällen im Jahr 2008 auf 3086 Anzeigen 2010.



8. Der geplatzte Scheck: "Überweisung an Unbekannt"
Die Anzeige im Internet hatte schnell Erfolg. Schon nach kurzer Zeit meldete sich ein Interessent, der das Auto kaufen wollte. Schnell wurde man sich einig. Der vermeintliche Käufer schickte daraufhin einen Scheck, dessen Wert die vereinbarte Verkaufssumme allerdings deutlich überstieg. Den Differenzbetrag sollte der Verkäufer einfach zurücküberweisen. Er tat es. Doch dann der Schock: Wenige Tage später stellen die beteiligten Banken fest, dass der vom angeblichen Kaufinteressenten geschickte Scheck nicht gedeckt oder gefälscht ist. Der Verkäufer ist einem Betrüger in die Falle getappt. Der zurücküberwiesene Geldbetrag ist verloren. Deshalb gilt: Finger weg von solchen „Geschäften“.

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