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Verwirrung der Autofahrer : Dicke Luft zum Start der Kohlendioxid-Farbskala

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Was Kunden aus dem Elektromarkt kennen, soll auch im Autohaus helfen: Und zwar muss ein DIN-A-4-Blatt mit einer farbigen Skala anzeigen, wie die Energiebilanz von Neuwagen ist.

svz.de von
erstellt am 29.Nov.2011 | 10:06 Uhr

Was Kunden aus dem Elektromarkt kennen, soll ihnen künftig auch im Autohaus helfen: Von morgen an muss ein DIN-A-4-Blatt mit einer farbigen Skala anzeigen, wie gut die Energiebilanz von Neuwagen ist. Die Bundesregierung verspricht sich davon mehr Transparenz und bessere Vergleichbarkeit. Doch zum Start herrscht dicke Luft. Umwelt- und Verkehrsverbände protestieren gegen eine "Mogelpackung" beim klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2).

Was ist neu?
Angaben zum Kraftstoffverbrauch und zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) in Gramm je Kilometer müssen Autoverkäufer schon seit 2004 machen. Doch das bisher übliche Informationsblatt galt als nicht sehr anschaulich. Deshalb die Neuregelung. Wie bei Kühlschränken oder Waschmaschinen sollen Käufer auf einen Blick erkennen können, wie "energieeffizient" ein Auto ist.
Dafür wird der CO2-Ausstoß in Bezug zum Gewicht des Wagens berechnet und das Ergebnis in Klassen eingeordnet - von der grün markierten Stufe A+ für besonders gut über mittlere Gelbtöne bis zur schlechtesten Klasse G, der ein roter Balken zugeordnet ist. Doch nach Auffassung von Verkehrsclubs und Umweltschützern hilft das Ökolabel den Käufern nicht wirklich.

Warum gibt es Kritik?
Schon vor der Einführung liefen Verkehrs- und Umweltverbände Sturm gegen die Skala. Sie sei eine Täuschung der Verbraucher, schimpfen Bund für Umwelt und Naturschutz und Naturschutzbund Deutschland. Und auch der ADAC beklagt eine Verwirrung der Autofahrer. Stein des Anstoßes: die Kopplung des CO2-Wertes an das Fahrzeuggewicht. "Autos mit hohem Verbrauch bekommen ein grünes Label, wenn sie nur schwer genug sind", kritisiert der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Als Beispiel führt er den 2345 Kilogramm schweren Audi Q7 3.0 TDI und den Kleinwagen Toyota Aygo 1.0 mit 930 Kilogramm an: Das SUV von Audi schaffe es mit einem CO2-Ausstoß von 189 g/km in die Klasse B, der Toyota mit einem niedrigeren CO2-Ausstoß von 105 g/km aber nur in Klasse C. Damit stehe der Japaner augenscheinlich schlechter da, obwohl er umweltverträglicher sei. Die völlige Absurdität der Formel zeigt, dass der Kampfpanzer Leopard 2 das gleiche ,Label E’ bekäme wie ein VW Golf 1.4." Sinnvoller wäre eine Kopplung an die Fahrzeugfläche.

Was sagen die Hersteller?
Die deutschen Autobauer verteidigen die Neuregelung vehement, weil sie "echten Mehrwert" bringe. Zu den Angaben über den Spritverbrauch und den CO2-Ausstoß in Gramm je Kilometer kommt nun eine Einordnung nach der Fahrzeugkategorie dazu, also für Kleinwagen, Mittel- oder Oberklasse. "Dadurch ist sichergestellt, dass nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden", sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Dies schaffe zudem Anreize, dass sich jeder Hersteller in seinem Segment für mehr Umweltfreundlichkeit anstrenge. Auch im Elektromarkt sei Kunden ja klar, dass ein großer Familienkühlschrank mehr Energie verbrauche als ein kleiner für einen Singlehaushalt.

Umweltfreundliche Pkw
In punkto Umweltfreundlichkeit fahren japanische Pkw weiter an der Spitze - auch dank eines Vorsprungs bei kombinierten Elektro-Benzin-Antrieben (Hybrid), wie eine jährliche Übersicht des VCD ergab. In der Gesamtwertung war zuletzt nur ein Fabrikat aus Deutschland unter den besten Zehn. Als Kriterien gelten neben dem CO2-Ausstoß auch Lärm und Schadstoffbelastungen - etwa mit Rußpartikeln und Stickoxiden. Die deutsche Branche betont, der CO2-Ausstoß neuer Modelle sei weiter gesunken, besonders in der Oberklasse. Der VCD moniert dagegen: "Schwere Luxuslimousinen sind und bleiben Klimakiller."

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