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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 16:16 Uhr

Karlsburg : Diabetes-Zentrum in Betrieb

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Forschung und Therapie in Karlsburg unter einem Dach

Am Diabetes-Traditionsstandort Karlsburg (Kreis Vorpommern-Greifswald) ist gestern ein neues Zentrum zur Behandlung und Erforschung der Volkskrankheit Diabetes eröffnet worden. Neben einem OP-Saal für Patienten mit multiresistenten Keimen und 16 Zimmern für Patienten mit chronischen Wunden beherbergt das rund 9,5 Millionen Euro teure Zentrum auch Forschungslabore zur Entwicklung neuer Therapieansätze.

Im Mittelpunkt steht dabei der Einsatz der Plasmamedizin. Diese könne eine langerwartete Innovation in der Behandlung von Diabetespatienten mit chronischen Wunden werden, erklärte der Ärztliche Direktor des Klinikums Karlsburg, Wolfgang Motz. Offene und chronisch entzündete Wunden gehören neben Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- oder Augenproblemen zu den Komplikationen von Diabetes.

Das Zentrum zeige, wie medizinischer und medizin-technischer Fortschritt für eine zukunftsweisende Diabetes-Behandlung genutzt werden könnten, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Deutschlandweit leiden nach seinen Angaben knapp sieben Millionen Menschen an der sogenannten Zuckerkrankheit. „Damit gehört Diabetes zu den großen Volkskrankheiten.“ Forscher gehen von einer hohen Dunkelziffer an nicht erkannten Diabetes-Kranken aus.

Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft werden jährlich bis zu 50 000 Füße als Folge einer Diabeteserkrankung amputiert – aus Sicht der Gesellschaft zu viele. Sie forderte erst vor wenigen Tagen ein obligatorisches Zweitmeinungsverfahren vor dieser Operation. Das diabetologische Fußsyndrom ist der Gesellschaft zufolge eine der häufigen Folgen einer Diabetes-Erkrankung – jedes Jahr erkranken etwa 250 000 Patienten daran. Erste Studien zeigten, dass Plasmen (kalte ionisierte Gase) die Heilung von offenen Wunden befördern und Keime bekämpfen können, sagte Klaus-Dieter Weltmann, Direktor des Greifswalder Leibniz-Instituts für Technologie und Plasmaforschung.

Nach der Bewilligung durch die Ethikkommissionen soll in den Diabetes-Kliniken Karlsburg und Bad Oeynhausen eine zweite klinische Studie zum Nutzen und der Verträglichkeit der Plasmamedizin bei der Behandlung von offenen Wunden starten. Ziel sei es, die Akzeptanz plasmamedizinischer Anwendungen zu erhöhen.

Diabetes vom Typ II gilt als lebensstilbedingte Krankheit, befördert von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung. Mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung wird eine Zunahme der Erkrankungszahlen erwartet. Deshalb komme der Prävention eine zentrale Bedeutung zu, sagte Gröhe. Mit dem Präventionsgesetz soll die Gesundheitsförderung im Bereich der lebensstilbedingten Erkrankungen wie Diabetes gefördert werden, betonte er.

Karlsburg ist ein Traditionsstandort der Diabetesforschung. Der Greifswalder Internist Gerhardt Katsch – Mitbegründer der modernen Diabetologie – gründete 1930 in Garz auf Rügen und 1947 in Karlsburg erste Behandlungszentren für Diabetes-Kranke.

Martina Rathke

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