DGB fordert 6,5 Prozent - bietet selbst aber weniger

svz.de von
04. März 2013, 08:22 Uhr

Schwerin | Wenn morgen in Mecklenburg-Vorpommern landesweit die Lehrer für ein Lohnplus von 6,5 Prozent streiken, können sich Angestellte beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) nur verwundert die Augen reiben. Denn obwohl der Gewerkschaftsbund in diesem Jahr in nahezu allen Branchen kräftige Lohnerhöhungen fordert, will er den bundesweit 730 Angestellten in seinem eigenen Tochterunternehmen DGB-Rechtsschutz GmbH lediglich 0,9 Prozent mehr Gehalt zahlen.

"Das ist für uns eine Provokation und kein verhandlungsfähiges Angebot, damit wäre nicht einmal die Inflationsrate ausgeglichen", sagte gestern Siegfried Krüger, Vertrauensmann im Verband der Gewerkschaftsbeschäftigten (VGB) für Mecklenburg-Vorpommern gegenüber unserer Redaktion. Im Land hat die DGB-Rechtsschutz GmbH vier Büros mit 20 Beschäftigten in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg und Stralsund. Die Tochtergesellschaft vertritt Gewerkschaftsmitglieder bei Arbeits- und Sozialstreitigkeiten vor Gericht und hat 2012 nach eigenen Angaben über 257 Millionen Euro für ihre Klienten erstritten. Sie war in den neunziger Jahren als Abteilung des DGB ausgegründet worden.

Am vergangenen Dienstag kam es erstmals seit 14 Jahren wieder zu Warnstreiks innerhalb des Gewerkschaftsbundes. Neben dem VGB hatte auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die selbst im Gewerkschaftsbund organisiert ist, zu Protesten vor dem DGB-Haupgebäude in Berlin aufgerufen. Bislang ist eine Einigung nicht in Sicht. "Wir warten auf ein akzeptables Angebot, dann werden wir einen Termin vereinbaren", so Vertrauensmann Siegfried Krüger. "Mit 0,9 Prozent Lohnerhöhung wollen wir uns auf keinen Fall abspeisen lassen."

Die Geschäftsführung der DGB-Rechtsschutz GmbH weist die Forderung der Arbeitnehmer zurück. Seit 2010 seien die Gehälter bereits um insgesamt 6,8 Prozent angehoben worden. "Die Forderungen von 6,5 Prozent mehr Gehalt sind auch im Vergleich zum öffentlichen Dienst überzeichnet, zumal dieser Forderung keine entsprechenden Mehreinnahmen der DGB-Rechtsschutz gegenüber stehen", heißt es in einer Mitteilung.

Mehr Geld fordern auch die anderen Beschäftigten des DGB, die nicht zur Rechtsschutz-Tochter gehören. Doch nur 1,5 Prozent will die Gewerkschaft rückwirkend vom 1. Januar zahlen und noch einmal so viel im kommenden Jahr drauflegen.

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