zur Navigation springen

Serie “Finanz-Wissen“ : Deutschlands Liebling: Bausparen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teil 5: 6000 Bausparverträge werden pro Tag abgeschlossen – dabei ist kaum eine Sparform so schwer zu durchschauen wie diese

Betongold ist bei der Geldanlage momentan der Renner. Doch warum floriert in einem Land von meist notorisch misstrauischen Anlegern ausgerechnet ein Produkt, bei dem Anbieter bis heute weder für Spar- noch für Darlehenszinsen effektive Zinssätze ausweisen müssen? Für die Popularität des Bausparens gibt es vor allem drei Gründe:

1.

Durch die Masse an Verträgen drängt sich der Eindruck auf: Was so viele andere auch abgeschlossen haben, wird schon nicht verkehrt sein.

2.

Derzeit gibt es etliche verunsicherte und von Verlustängsten geplagte Anleger. Viele ziehen aus Aktien, Fonds, Anleihen und Sparbriefen Gelder ab. Zuflüsse gibt es fast nur noch bei unverzinsten Bar- und Sichteinlagen. Bausparen scheint da der kleinste gemeinsame Nenner zu sein.

3.

Bausparverträge sind inzwischen der einfachste Ausweg für von Regulierung und Vertriebsdruck geplagte Anlageberater.

Doch wie funktioniert eigentlich Bausparen? Bausparen stammt – man mag es kaum glauben – aus China, wo bereits 200 v. C. das kollektive Sparen in Form einer Spargesellschaft auf gemeinnütziger Gegenseitigkeit entwickelt wurde. Erst 1885 kam das Bausparen nach Deutschland und wurde zum Renner. Der Bausparvertrag ist ein recht komplexes Kombinationsprodukt: Der Bausparer erwirbt mit dem Bausparvertrag nach einer anfänglichen Spar- und Wartezeit einen zukünftigen Darlehensanspruch. Sowohl die Spar- und Darlehensrate als auch der Zinssatz für die Spar- und Darlehensphase stehen von Anfang an fest. Der Anleger verzichtet anfänglich auf eine gute Verzinsung seines Guthabens und erhält dann einen niedrigen Kreditzins. Sind Mindestguthaben, -vertragsdauer, -bewertungszahl und Mindestsparzeit erreicht, kann das Darlehen bei ausreichender Bonität und Besicherung ausgezahlt werden. Klingt zunächst einfach – oder?

Tatsächlich ist das Ganze jedoch schwer zu durchschauen. Beispiel: Bei einem Bausparvertrag von 50 000 Euro Bausparsumme (BSS), 0,25 Prozent Guthaben und 1,5 Prozent Kreditzins und einer Anspardauer von zehn Jahren zahlt der Bausparer in einem Angebot eines Marktführers 25 272 Euro in den Vertrag, 216 Euro jeden Monat. Nach zehn Jahren hat er ein Guthaben von 25 088 Euro erreicht, 187 Euro weniger als eingezahlt. Wie das? 1 Prozent Abschlusskosten auf die BSS (also 500 Euro) fließen an den Berater/Bank. Ein Negativzins auf das eigene Geld? Bei guten Direktbanken bekommen Sie heute noch 1 Prozent oder mehr ohne Abschlusskosten.

Rechnet man also die Abschlussprovision und die entgangenen Zinsen hinzu, sinkt der Guthabenszins von 0,25 auf – 0,15 Prozent pro Jahr und der Effektivzins des Darlehens steigt auf über 3,5 Prozent. Sind die Provisionen noch höher, fallen Kontoführungsgebühren und Abgeltungssteuern an oder steigen während der Ansparzeit sogar die Anlagezinsen für die Alternativanlage, sieht die Sache noch schlechter aus. Kommen dann noch vermögenswirksame Leistungen, Arbeitnehmersparzulagen oder gar Riesterförderungen hinzu, wird der Vertrag so komplex, dass ihn kaum ein Kunde noch versteht.

Fazit:

Geeignet sind Bausparverträge derzeit zum einen für Geringverdiener, die vom Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen erhalten, Anspruch auf Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie haben und das Darlehen bei Zuteilung nicht annehmen. Leidvolles Glück, dass genau die gefördert werden, die sich aufgrund ihres Einkommens in der Regel kein Wohneigentum leisten können. Zum anderen eignet sich die Anlageform für Gutverdiener, die sich in fünf bis zehn Jahren Wohneigentum anschaffen und dafür Eigenkapital ansparen wollen und eine dezidierte Zinsmeinung haben. Doch Vorsicht! Wählen Sie die Bausparsumme nicht zu hoch. Die Kreditrate ist in der Regel höher als die Sparrate und die Tilgungszeit kürzer als die Anspardauer.

Tipp:

Bausparer mit gutverzinsten Altverträgen sind gut beraten, die Darlehenszuteilung nicht anzunehmen und den Vertrag weiterhin zu besparen, bis die vereinbarte Bausparsumme erreicht ist. Die Kreditzinsen und die Sparzinsen am Markt sind meist geringer als die im Vertrag verbrieften Zinsen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen