Verständnis lässt nach : Deutschland streikt

„Nicht mit uns!“ Mit Tröten und Rasseln gingen Postmitarbeiter heute in Rostock auf die Straße.
„Nicht mit uns!“ Mit Tröten und Rasseln gingen Postmitarbeiter heute in Rostock auf die Straße.

400 Postarbeiter gehen in Rostock auf die Straße, Schlichtung beim Kita-Streit abgelehnt

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25. Juni 2015, 21:00 Uhr

Kitas, Post, Kliniken, Bahn, Lufthansa, Brauerei oder Call-Center – kein Tag vergeht ohne Streiks. Von den Folgen der Arbeitskämpfe wird inzwischen niemand mehr verschont. Längst ist von der Streik-Republik Deutschland die Rede.

Im zähen Kita-Tarifkonflikt haben sich Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber nicht auf eine Übernahme des Schlichterspruchs verständigen können. Nach einer Mitgliederbefragung bei Verdi sollen die Verhandlungen am 13. August wieder aufgenommen werden, teilte die Gewerkschaft gestern mit. Zumindest soll bis Mitte August nicht mehr gestreikt werden. 17 Kitas in der Landeshauptstadt waren bislang betroffen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat Verständnis für den Arbeitskampf der Erzieherinnen: „Wir vertrauen ihnen unsere Kinder an, deshalb müssen sie für ihre Leistungen auch entsprechend bezahlt werden.“

Auch bei der Bahn ist die Kuh noch nicht vom Eis. In der Nacht endet die Frist, in der die Schlichter Bodo Ramelow und Matthias Platzeck einen Kompromissvorschlag unterbreiten sollen. Dann gehen die zähen Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) und der Bahn in die nächste Runde. Streiks nicht ausgeschlossen.

Ein Streik-Ende bei der Post ist noch nicht abzusehen. 400 streikende Mitarbeiter aus Mecklenburg-Vorpommern sind am Donnerstag in Rostock auf die Straße gegangen, um gegen die Ausgliederung von Beschäftigten in Regionalgesellschaften zu protestieren. Die Post hat im Land 3200 Mitarbeiter. Etwa ein Drittel von ihnen beteiligt sich am Arbeitskampf. Unternehmenssprecher haben wiederholt erklärt, dass die Zustell-Quote von 80 Prozent aller Sendungen erreicht werde. Allerdings nicht überall.

„Streiks sind für uns nie eine leichte Entscheidung“, sagte heute DGB-Vize Nord, Ingo Schlüter. Sie seien aber notwendig, wenn Arbeitnehmerinteressen nicht anders geschützt werden können. Neben kritischen Stimmen würden die Gewerkschaften in diesen Tagen vor allem Verständnis für die Streiks aus der Bevölkerung hören.

200 Mitarbeiter des Sky Service Centers in Schwerin hatten am Mittwoch mit einem Warnstreik einen Tarifvertrag gefordert. Einen Tag zuvor hatten die Arbeiter der Lübzer Brauerei die Arbeit niedergelegt. Sie fordern eine Tarifbindung für alle Bereiche des Carlsberg-Konzerns. Auch bei der Lufthansa sind die Arbeitskämpfe nicht beendet. Die Gewerkschaft der Flugbegleiter Ufo will ab dem 1. Juli streiken, falls die Lufthansa Pläne für die Kürzung der bisherigen Betriebsrente und den Konzernumbau unverändert weiterverfolgt.

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