Praktikant aus Syrien : Deutsche Sprache, schwere Sprache

Während seines Praktikums bei der Zeitung will Elyas Nofal über sein Leben als Flüchtling in Deutschland berichten.
Während seines Praktikums bei der Zeitung will Elyas Nofal über sein Leben als Flüchtling in Deutschland berichten.

Der Syrer Elyas Nofal absolviert bei unserer Zeitung ein vierwöchiges Praktikum. Hier erzählt er von seinem Leben in Deutschland

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19. April 2018, 12:00 Uhr

Artikel schreiben, recherchieren, Menschen interviewen. Elyas Nofal stehen aufregende Tage bevor. Bei unserer Zeitung absolviert der 20-jährige Syrer ein vierwöchiges Praktikum. Während dieser Zeit will er sein Deutsch verbessern und regelmäßig über seine Erfahrung in MV erzählen. Sein Bericht:

Ich mache diesen Artikel und dieses Praktikum bei der Zeitung, um eine Stimme für die Flüchtlinge zu sein. Geschwindigkeitsbegrenzung, Streichholzschächtelchen, Steueridentifikationsnummer... Warum sind die Wörter so lang?

Viele Deutsche denken über die Flüchtlinge, dass sie keine Sprache sprechen möchten. Aber das ist natürlich falsch. Wenn jemand keine Möglichkeit hat, kann er nicht sprechen. In Schwerin gibt es viele Flüchtlinge und sie wollen die Sprache lernen. Viele Deutsche, die hier wohnen, helfen uns nicht beim Lernen, aber sie sagen, dass wir Deutsch sprechen müssen. Die Flüchtlinge reden nur in der Schule, besonders im Unterricht und das funktioniert nicht.

Wenn die Deutschen die arabische Sprache lernen, haben sie genauso viele Schwierigkeiten wie wir. Natürlich gibt es viele Lösungen, wenn man ein bisschen darüber nachdenkt. Wie ich, als ich Deutsch begonnen habe. Eigentlich war es für mich sehr schwer wie für die anderen Flüchtlinge, weil ich das erste Mal eine Sprache lerne und ich habe nie in meiner Heimat Deutsch gelernt, weil es keine internationale Sprache ist. Aber später wurde ich besser.

Diese Sprache ist schwer. Zum Beispiel die Artikel „der“, „die“, „das“ oder die Aussprache. Die Deutschen fühlen das nicht, weil sie es als Muttersprache sprechen. Aber jetzt stellen Sie sich vor, wie ich die Sprache schreibe und spreche. Ich war zuerst in München. Dort habe ich als ersten Satz gelernt: „Bitte eine Banane.“ Und das war richtig schön.

Danach bin ich nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen und musste von Neubrandenburg nach Wismar und dann nach Schwerin umziehen. In anderen Bundesländern muss man noch mehr umziehen. Und hier füge ich zwei Punkte hinzu. Der erste: Wenn die Flüchtlinge viel umziehen müssen, wie sollen sie die Sprache lernen? Und der zweite: Wenn sie lange im Dorf wohnen, können sie keine Sprache reden, weil keine Leute dort sind. Wie ich. Also, ich war im kleinen Dorf und es gab wenig Leute – zwischen fünf und 13 – und fast alle sind alt. Dann habe ich eine Schule in Wismar besucht und der Sprachkurs hat nur drei Monate gedauert. Hier habe ich ein bisschen Deutsch geredet. Nachher bin ich nach Schwerin umgezogen und hier gab es ein Problem mit meinem Sprachkurs. Hier gibt es Unterschiede zwischen Schwerin und Wismar. In Wismar macht man einen Kurs ohne einen Aufenthaltstitel, aber in Schwerin muss man einen Aufenthaltstitel haben und das war ein Problem. Nicht nur für mich, sondern für alle. Dann habe ich sechs Monate gewartet. Nachher habe ich eine Deutsche kennen gelernt und sie hat mir viel geholfen. 2017 habe ich einen Sprachkurs begonnen und das war sehr schön, weil meine Lehrerin sehr gut war. Ein wichtiger Punkt: Wenn der Lehrer oder die Lehrerin nicht gut ist, ist das ein großes Problem.

Die Flüchtlinge haben Angst, weil sie denken, wenn sie etwas sagen wollen, lachen die Deutschen über sie und die anderen sind schüchtern, wenn sie etwas auf Deutsch sagen sollen. Sie sind nicht alle gleich. Ich wünsche mir, die Deutschen helfen mehr.

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