In Parchim werden Wetterfrösche knapp : Der „Wetterfrosch“ vom Gänsekamp

In Parchim werden Wetterfrösche knapp. Foto: dpa
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In Parchim werden Wetterfrösche knapp. Foto: dpa

Mit Hilfe von ca. 2000 Messstellen betreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) Deutschland ein flächendeckendes Mess- und Beobachtungsnetz. Jetzt sucht er „Nachwuchs-Wetterfrösche“.

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19. Mai 2011, 09:03 Uhr

Parchim | Hans-Jürgen Zierke schwört auf die "Bibel". Genauer auf die "Bibel" des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam (DWD). Zierke ist ehrenamtlicher Wetterbeobachter. Seit zwölf Jahren.

Als Vater Zierke nach 40 Jahren Bahn und zuletzt Bahndirektion Schwerin in den Ruhestand ging, war es sein Sohn, der meinte: "Papa, für die Rente bist du doch noch viel zu jung. Du musst dich irgendwie nützlich machen." Zierke fand das auch, schließlich war er damals gerade 56. Als es bald darauf der Zufall wollte, dass der Schleusenwärter von Parchim sein Amt als Wetterbeobachter niederlegte, ergriff sein Sohn die Initiative. "Jörg setzte meine Bewerbung auf und schickte sie zum Wetterdienst Potsdam", erzählt Zierke. Der Rest war reine Formsache. "Die vom Wetteramt kamen nur wenig später zu mir nach Hause und prüften, ob unser Grundstück die Bedingungen an eine Niederschlagsstation erfüllt." Das muss zum einen ausreichend groß sein, zum anderen durften die Bäume darauf und in unmittelbarer Nähe ein e bestimmte Höhe nicht überschreiten. Bei Zierke passte alles.

"Und so wurde ich Wetterbeobachter", lacht Zierke, der bis heute die Aufgaben, die an diesem Ehrenamt hängen, gern erledigt. "An 365 Tagen im Jahr schaue ich täglich fünf mal nach dem Wetter, im Sommer um 7.50 Uhr zum ersten Mal, dann vormittags, mittags, nachmittags und wieder abends. Im Winter ist der Parchimer 6.50 Uhr das erste Mal für den DWD auf den Beinen. "Für mich ist das überhaupt kein Problem. Ich bin Frühaufsteher, habe Spaß daran und bin eh sehr gern viel draußen." Und wenn er mal keine Zeit hat, macht Sohn Jörg , der die Woche über als Dipl.-Ing. für Elektrotechnik in London arbeitet, mit Hilfe eines Nachbarn die offizielle Vertretung.

Komplette Daten gehen nach Potsdam und Offenbach

Wetterbeobachter sind keine Wetterfrösche, stellt Hans-Jürgen Zierke klar. "Wir machen keine Voraussagen. Wir schauen obs regnet, wenn ja wieviel, ob die Sonne scheint und wie lange. Wir registrieren die aktuellen Temperaturen, Tau, Reif und Glatteis genauso wie Nebel, Schnee oder Hagel, wir notieren Windstärken und -richtungen, vermerken auffällige Wolkenformationen, informieren den Wetterdienst über außergewöhnliche Ereignisse, wie zuletzt etwa den ausgedehnten Waldbrand in den Ruhner Bergen…" Jede Beobachtung ist wichtig und wird akribisch ins Wettertagebuch der Station eingetragen. "Ende des Monats fasse ich alle Daten in einer Liste zusammen und schicke sie zur Regionalen Messnetzgruppe Potsdam und in die Zentrale des DWD nach Offenbach ."

Wie Zierke tun das derzeit etwa 1800 ehrenamtliche Wetterbeobachter deutschlandweit auch. Die vor Ort gemessenen Daten und Beobachtungen werden vom nationalen Wetterdienst dann für Wetterauskünfte und Gutachten bei Wetterschäden genutzt. Sie helfen aber auch, die Klimaveränderungen in Deutschland genau zu erfassen und deren Folgen besser einschätzen zu können.

Das flächendeckende Mess- und Beobachtungsnetz stabil zu halten, ist nicht leicht. Denn eigentlich müssen die Regionalen Messnetzgruppen stetig Wetterbeobachter suchen. "Aus Altersgründen oder weil sie es zeitlich nicht mit ihrer Arbeit vereinbaren können, scheiden immer wieder Beobachter aus", erklärt Maria Funk, Mitarbeiterin in Potsdam. "So suchen wir seit Wochen schon für Groß Niendorf dringend jemanden." Der dürfe gern auch jünger sein. "Seit einiger Zeit sind wir nämlich dabei, unsere Messstellen auf Computer umzustellen, damit die Daten online übertragen werden können. Für viele Ältere sei das ein Problem, weiß Funk, weshalb der DWD die Umstellung auch schrittweise mache: "Bei unseren älteren Beobachtern müssen wir ganz einfach mit Übergangszeiten arbeiten. Andernfalls würden wir sie verlieren, was uns in der Wetterbeobachtung vor gewaltige Probleme stellen würde. Hans-Jürgen Zierke sieht die Online-Entwicklung beim DWD indes locker. "Ich bin zwar kein Computerfreak, aber das mache ich auf alle Fälle mit."

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Voraussetzungen für diese verantwortungsvolle Tätigkeit ist neben Einsatzbereitschaft und Zeit ein geeignetes Grundstück, auf dem die Messgeräte des DWD in ausreichendem Abstand zu Gebäuden und Bewuchs aufgestellt werden können. Kosten entstehen den Beobachtern weder durch den Aufbau noch den Betrieb der Station.


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