Der Weg ist das Ziel

Der  Doktorhut  steht  als Symbol  für die erfolgreiche Promotion.
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Der Doktorhut steht als Symbol für die erfolgreiche Promotion.

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21. Mai 2013, 09:31 Uhr

Rostock | "Nicht der Doktortitel ist das Spannende, sondern der Weg dorthin." Der das sagt, muss es wissen, denn er hat den ersten Teil dieses Weges schon zurückgelegt: Der Rostocker Diplom-Ingenieur Sascha Prehn arbeitet seit dem letzten Sommer an einem erdgasgetriebenen Motor für Landmaschinen. Einen Teilerfolg hat er schon erzielt: Der mittlerweile in einen Prüfstand der Uni-Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik integrierte Motor ist angesprungen. Trotzdem möchte Prehn sich noch nicht festlegen, ob seine Arbeit tatsächlich einmal so erfolgreich sein wird, dass sie in eine Promotion münden kann - dazu seien noch zu viele Hürden zu nehmen, gibt sich der 28-Jährige bescheiden.

Pkw sowie erste Lkw und Busse, die mit Erdgasmotoren fahren, gibt es schon länger, erläutert er. Schwere Landmaschinen dagegen würden noch immer mit Diesel betankt. Einer der großen Hersteller solcher Motoren, die Deutz AG, sei Entwicklungspartner seines Projektes, das zudem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wird, so Prehn. Ziel ist es, ausgehend von einem serienmäßig gebauten Dieselmotor einen Motor mit Erdgasantrieb zu entwickeln. Denn ein bedeutender Teil der mobilen Zukunft, vor allem auch in der Landwirtschaft, wird neuen Antriebsformen unter Einsatz alternativer und erneuerbarer Energieträgern gehören.

Alternativen Antrieben gehört die Zukunft

"Erdgas und Flüssiggas werden gegenüber Erdöl an Bedeutung gewinnen", ist Professor Horst Harndorf, Inhaber des Lehrstuhls für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren an der Universität Rostock, überzeugt. Er betreut die Arbeit von Sascha Prehn. "Neben Wirtschaftlichkeit sind es Umweltfreundlichkeit und die bei Erdgas und regenerativ erzeugtem Biomethan längerfristige Verfügbarkeit, die Gasantriebe so attraktiv machen", sagt der Wissenschaftler.

Doch die Aufgabe dahinter klingt einfacher, als ihre Umsetzung ist. "Dieselinjektor raus, Erdgasventil rein - so einfach war es natürlich nicht", erklärt Sascha Prehn. "Da die thermischen Belastungen der Bauteile im Motorraum beim Erdgasbetrieb sehr viel höher als beim Betrieb mit herkömmlichem Kraftstoff sind, mussten verschiedene Motorkomponenten verändert und den neuen Belastungen angepasst werden." Um messen zu können, wie sie das aushalten und wie effizient der Motor überhaupt arbeitet, musste ein neuer Prüfstand genau nach den Anforderungen des Projektes aufgebaut werden - auch darum musste Sascha Prehn sich in den letzten Monaten kümmern. "Vor allem in den drei Wochen, bevor wir den Motor zum ersten Mal in Betrieb genommen haben, war das ein Job fast rund um die Uhr", erzählt er. "Aber es hat sich ja letztlich gelohnt."

Dass sich der in Rostock geborene und in Bad Doberan aufgewachsene junge Mann für dieses Projekt begeistert, kommt nicht von ungefähr. Schon auf dem Gymnasium interessierten ihn vor allem die mathematisch-technischen Fächer, insbesondere die Physik. "Trotzdem wollte ich nicht reine Physik studieren, da hätte mir der Praxisbezug gefehlt. Ich wollte immer etwas Greifbares machen - und so kam ich auf Maschinenbau."

Im Praktikum den Grundstein gelegt

Sascha Prehn gehörte in dieser Fachrichtung zum vorletzten Diplomstudiengang in Rostock - "was den Vorteil hatte, dass wir ein fünfmonatiges Praktikum hatten, jetzt, bei den Bachelor-/Masterstudenten sind es nur noch acht Wochen." Er selbst habe damals sogar noch einen Monat seiner Semesterferien an das Praktikum drangehängt. "Das ist dann schon ein ausreichender Zeitraum, um einen potenziellen Arbeitgeber kennenzulernen - und sich als potenziellen Arbeitnehmer zu empfehlen."

Um selbst auch vergleichen zu können, schrieb Sascha Prehn die Diplomarbeit dann aber in einer weiteren Firma: der Deutz AG. " Mein Betreuer dort hatte hier in Rostock extern promoviert - da schloss sich dann der Kreis wieder."

Sascha Prehn bewarb sich nach dem Studium zwar auch in mehreren Unternehmen - "aber das war eigentlich nur zur Absicherung, falls es mit dem Job hier nicht geklappt hätte. Und es hat natürlich auch sein Gutes, wenn man schon mal Bewerbungsverfahren in Betrieben mitgemacht hat." Von Anfang an liebäugelte er mit dem Erdgasprojekt, bis es bewilligt wurde, arbeitete er rund ein Jahr am Forschungszentrum für Verbrennungsmotoren und Thermodynamik Rostock (FVTR GmbH), einer Ausgründung der Rostocker Universität. Vor einem dreiviertel Jahr wurde er dann genau da angestellt, wo von vornherein am liebsten hinwollte: an den Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren.

Zeit, um nach rechts und links zu schauen

"Ich wollte nicht nur komplett in die Technik abtauchen. Hier haben wir auch mal Zeit, nach rechts und nach links zu gucken - das ist anders als in der Industrie" erklärt Sascha Prehn, weshalb der Job dort für ihn der ideale ist. Jetzt arbeitet er unter anderem mit Dr. Christian Fink zusammen - der wissenschaftliche Mitarbeiter am Rostocker Lehrstuhl hat selbst mehrere Jahre lang als Entwicklungsingenieur bei der Deutz AG in Köln gearbeitet und kann ihm schon deshalb manchen wertvollen Tipp geben.

Die Projektverantwortung für den Erdgas-Motor allerdings liegt bei Sascha Prehn. Das heißt, dass er nicht nur für die technischen Aspekte seines Entwicklungsauftrags zuständig ist. Auch konzeptionelle Arbeiten und Dokumentationen werden von ihm erwartet - "das komplette Projektmanagement eben". Wenn er später einmal in die Wirtschaft geht, wird ihm das zugute kommen, ist der junge Mann überzeugt.

Auf die Emissionswerte wird es ankommen

Profitieren wird Sascha Prehn auch davon, dass er an der Uni jetzt selbst Seminare leitet. "Als Student hat man schon mal über die Seminarführung gemeckert - jetzt merkt man, dass es gar nicht so einfach ist, es besser zu machen." Dass er "seinen Studenten" gleich im ersten Seminar das Du angeboten hat, mache die Zusammenarbeit aber einfacher - das sei zumindest seine Erfahrung, andere junge Kollegen hielten das anders.

Wichtig sei auf jeden Fall, dass es ihm durch die Seminare leichter fällt, vor Publikum zu sprechen - "das übt: In der Wirtschaft muss man später schließlich auch vor Leuten sprechen. "

Wann dieses "Später " sein wird, darüber macht sich Sascha Prehn momentan noch keine Gedanken. Erst einmal kreist alles um den Erdgasmotor. "Der schafft es jetzt, aus eigener Kraft zu laufen. Aber noch haben wir keinen optimalen Wirkungsgrad erreicht, und an den Emissionswerten haben wir noch gar nichts gemacht - aber gerade auf die wird es ankommen." Denn auch im landwirtschaftlichen Bereich müssen immer strengere Abgasnormen eingehalten werden. "Unser Ziel ist es, diese Normen sogar noch zu unterschreiten, denn nur so bleiben wir zukunftsfähig."

Nächste Frage: Wohin mit den größeren Tanks?

Lehrstuhlinhaber Prof. Harndorf dazu: "In der Landwirtschaft ist die Motivation groß, Kraftstoff aus Biomasse zu gewinnen und einzusetzen". Immerhin biete die motorische Verbrennung von Erdgas bzw. Biomethan ein erhebliches Potenzial zur signifikanten Reduktion von Treibhausgasen. Wegen des günstigen Verhältnisses von Kohlenstoff zu Wasserstoff bei Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas und Biomethan, könne durch den Einsatz dieses zukunftsweisenden Kraftstoffes gegenüber Diesel und Benzin bis zu ein Viertel der CO 2 -Emission eingespart werden. Offen sei allerdings noch, wie der Kraftstoff mit hinreichender Energiedichte gespeichert werden kann - und wo im Traktor man die erforderlichen größeren Tanks unterbringt, um eine akzeptable Reichweite des alternativ betriebenen Fahrzeugs zu erreichen.

Sascha Prehn wird die nächsten Wochen und Monate überwiegend im Motorenprüfstand zubringen und das Potential des Motors hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Effizienz im Erdgasbetrieb analysieren. Die Forschungsvereinbarung läuft bis zum Sommer 2014, dann soll der Motor unter Einhaltung der strengen Emissionsnormen laufen. Und erst dann wird Sascha Prehn auch die Zeit finden, die Ergebnisse seiner Arbeit nicht nur für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und der Deutz AG, sondern auch in seiner Doktorarbeit zu Papier zubringen. Wer allerdings sieht, wie er sich schon jetzt in seine Arbeit hineinkniet, hat keinen Zweifel daran, dass ihm das gelingen wird.

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