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Auf Wildschweinjagd in Rostock : Der Weg der Schweine

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Sie durchwühlen Rostocker Wiesen, Parks, Vorgärten und Kleingärten. Richten Schäden im Wert von über 100 000 Euro an. Doch statt mit der Flinte geht der Wildbiologe Hinrich Zoller mit GPS-Sendern und Empfängern auf Jagd.

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erstellt am 12.Apr.2013 | 06:42 Uhr

Rostock | Die Tiere haben in den Rostocker Randgebieten mit ihren Schnauzen Vorgärten und Kleingärten durchwühlt. Auf städtischen Wiesen und in den Parks richteten sie Schäden im Wert von über 100 000 Euro an. Dennoch geht Hinrich Zoller nicht mit der Flinte auf Wildschweinjagd. Stattdessen versucht er nachts mit einem Empfänger die Signale kleiner Sender aufzuspüren, die er Wildschweinen ans Ohr geheftet hat. Unterstützt von drei Mitarbeitern wird dann der Aufenthaltsort der Bache oder des Frischlings in eine Karte eingetragen. Der Wildbiologe will herausfinden, welche Schwarzkittel sich wo und wie in den von Menschen bewohnten Gebieten verhalten. Das Forschungsprojekt hat bereits bundesweit Interesse erregt, denn nicht nur in Rostock dringen die Schwarzkittel auf der Suche nach Fressbarem immer häufiger in die Vororte ein oder wagen sich sogar bis in die Innenstädte vor.

"Wenn wir etwas gegen die Wildschweine in unseren Städten unternehmen wollen, müssen wir wissen, woher sie kommen und wohin sie wandern", sagt Zoller. In den nächsten drei Jahren will er erforschen, ob es immer dieselben Rotten sind, die in die Städte kommen, oder ob sich immer neue Schwarzkittel vortrauen. "Wir wissen noch nicht, wie weit die Wege sind, die die Tiere zurücklegen", sagt Zoller. Möglicherweise finden sie auch tagsüber Verstecke in den Städten. "Einige Gemeinden haben Brombeerhecken und Schilfgebiete innerhalb der befriedeten Bereiche entfernt, weil sich darin die Wildschweine tagsüber aufhielten", berichtet der Wildbiologe.

21 Bachen und Frischlinge hat sein Team im vergangenen Winter mit Mais in eine Falle gelockt, betäubt und mit Sendern ausgestattet, für 19 weitere hat Zoller noch Technik vorrätig. Drei Bachen bekamen sogar einen GPS-Sender um den Hals, mit dem Zoller sie ständig von der Universität aus am Computer orten kann. Die kleineren Ohrmarken hingegen haben nur eine Reichweite von maximal zwei Kilometer und müssen nachts aufgespürt werden. Zusätzlich hat Zoller in unzugänglichen Bereichen Fotofallen aufgebaut um Einblick in die verschiedenen Wildschweinverbände zu bekommen.

Zum Forschungsprojekt gehört auch die Auswertung von Statistiken über den Wildschweinbestand und ihr Verbreitungsgebiet. Zoller will auch analysieren, wie sich neue Wohngebiete, die in den vergangenen 20 Jahren an Rostocks Stadtrand angelegt wurden und Veränderungen in der Landwirtschaft auf die Verbreitungsgebiete der Wildschweine ausgewirkt haben. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass der Anbau von Mais zunimmt, und Wildschweine sich in diesen Feldern ausgesprochen wohl fühlen.

"Die Wildschweine haben sich immer weiter in Deutschland ausgebreitet", sagt Volker Böhning, Präsident des Landesjagdverbandes in Mecklenburg-Vorpommern. Die Tiere haben keine natürlichen Feinde, sie sind Allesfresser und sie sind sehr anpassungsfähig. Gerade in den Dörfern und Städten dürfen die Jäger den Schwarzkitteln nur mit Sondergenehmigungen mit der Jagdflinte zu Leibe rücken. Umso wichtiger sei es, so Böhning, die Tiere aus den Ortschaften fern zu halten. Grundsätzlich aber komme man nicht umhin, möglichst viele Wildschweine zu erlegen.

"Wildschweine haben eine Reproduktionsrate von 260 Prozent", sagt Böhning. Das heißt, fünf von sieben Wildschweinen müssten pro Jahr geschossen werden, damit der Gesamtbestand nicht wächst. Im vergangenen Jahr erlegten allein in Mecklenburg-Vorpommern die Jäger rund 50000 Keiler, Bachen und Frischlinge. Das Gros der Strecke landet übrigens im Bratofen oder in der Wurst.

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