Schwerin : Der Vater des Fernsehturms

In Schwerin öffnete das zweite Fernsehturm-Café in der  DDR. 1991 wurde es geschlossen und 1999 feierlich wieder eröffnet.
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In Schwerin öffnete das zweite Fernsehturm-Café in der DDR. 1991 wurde es geschlossen und 1999 feierlich wieder eröffnet.

Sohn lüftet Familiengeheimnis: Nach halbem Jahrhundert schafft es Architekt Günther Kollmann in die Stadtchronik

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01. Juli 2014, 07:31 Uhr

„Der Turm hat Geburtstag und keiner feiert“ meldete die Schweriner Volkszeitung vor 20 Jahren. Im Jahr 1994 behandelten die Schweriner ihr Wahrzeichen recht stiefmütterlich, das zu DDR-Zeiten das „ideologische Symbol des Fortschritts“ war und den Westturm des Doms als höchste Kirche Ostdeutschlands überragte. Im Turmkopf hatten die Café-Betreiber drei Jahre zuvor das Handtuch geworfen – der Name des Architekten des 136 Meter hohen Bauwerks war vergessen.

Erst Ende der 90er-Jahre zog wieder Leben in den Beton-Zylinder ein. Der Fernsehturm wurde saniert. Während kurz vor der Wiedereröffnung des Cafés 1999 die Beleuchtung verbessert und weitere Sicherheitslücken geschlossen wurden, blieb die Identität des Erbauers weiter im Dunkeln.

Erst Jahre später erreichte eine E-Mail die Stadtverwaltung. Absender: Carsten Kollmann aus Berlin. Er wolle die Stadtgeschichte richtigstellen, in der der Architekt des Fernsehturms bislang fälschlich als unbekannt bezeichnet wurde. „Das ist mein Vater.“ Diese kurze Botschaft sollte die Geschichte des Fernsehturms ein halbes Jahrhundert nach seiner Errichtung neu beleuchten.

„Mein Vater war ein eingewanderter Wessi“, erzählt Carsten Kollmann. Fragmentarisch setzte er das Leben seines Vaters Günther Kollmann aus dessen Nachlass zusammen. Carsten Kollmans Großeltern lebten in der Tangstedter Landstraße in Hamburg-Langenhorn und schenkten dort ihrem Sohn Günther am 14. Juni 1923 das Leben. Nach der Volksschule begann er mit 15 Jahren eine Tischlerlehre, die er 1942 beendete. Günther Kollmann arbeitete als Geselle, bis er zwei Jahre später zum Krieg an die Westfront eingezogen wurde und in französische Gefangenschaft geriet. 1947 studierte Kollmann an der Landeskunstschule in Hamburg und hielt sich mit Tischlerarbeiten über Wasser.

Bis 1953 arbeitete er als selbstständiger Architekt und zog dann der Liebe zu Carstens Mutter wegen nach Ost-Berlin. Er bekam eine Stelle beim VEB Industrieprojektierung in Berlin und heiratete drei Jahre später Susi Limpert. „Vier Jahre danach wurde ich geboren“, erzählt Carsten Kollmann. Er und seine Mutter waren es, die Günther Kollmann in Ost-Berlin hielten. „Der Mauerbau hatte ihn überrascht“, sagt Carsten Kollmann. „Sonst wäre er bestimmt mit uns nach Hamburg zurückgegangen.“

So blieben Kollmanns in Berlin. Günther Kollmann wurde Mitglied im Bund Deutscher Architekten und sammelte Anfang der 60er-Jahre erste Erfahrungen in der Gleitbauweise, die zunächst bei Kühltürmen für Kraftwerke genutzt wurde und später auch beim Schweriner Fernsehturm Verwendung fand. Im Auftrag der VEB IPRO baute Günther Kollmann mit anderen Architekten an Fernsehtürmen in Dequede, im Kyffhäuser Raum und in Berlin mit. Das Schweriner Wahrzeichen entwarf der Architekt im Alleingang. Später arbeitete Günther Kollmann am „Palast der Republik“ mit.

1993 starb Günther Kollmann. Heute steht der Architekt des Schweriner Fernsehturms auch in der Stadtchronik.

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