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"Goldener Ochse" für Otto Sander beim Filmkunstfest MV 2012 : Der Unverwechselbare

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Im Juni ist Otto Sander 70 Jahre alt geworden. Jetzt bekommt er einen Preis für sein Lebenswerk: Der Theater- und Filmschauspieler mit der unverwechselbaren Stimme ist der Ehrenpreisträger 2012 des Filmkunstfestes MV.

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erstellt am 22.Nov.2011 | 08:04 Uhr

Schwerin/Berlin | Im Juni ist er 70 Jahre alt geworden, und auch wenn Otto Sander gerade wieder einen Film abgedreht hat - jetzt kann man schon mal einen Preis für das Lebenswerk annehmen: Der Theater- und Filmschauspieler mit der unverwechselbaren Stimme ist der Ehrenpreisträger 2012 des Filmkunstfestes MV in Schwerin. Sander bekommt am 5. Mai auf der Bühne des Capitol den "Gol denen Ochsen" für sein bisheriges Schaffen vor der Kamera. "Eine Ehre" sei das, so quittierte er die Nachricht - und er freue sich schon auf das Filmkunstfest. "Mit Otto Sander ehren wir einen herausragenden Künstler der nationalen Filmkultur", sagte Filmkunstfest-Sprecherin Michaela Skott unserer Zeitung. Welche der mehr als 100 Kino- und Fernseh-Filme mit Otto Sander dann in der "Hommage"-Reihe laufen, werde noch in Absprache mit dem designierten Preisträger festgelegt.

Die Auswahl ist groß: Sander, 1941 in Hannover geboren, aber längst Überzeugungsberliner, hat in zahllosen Rollen Eindruck hinterlassen. Der Unverwechselbare braucht dabei gar nicht die Hauptpartie, um den Zuschauer zu fesseln: Wer "Das Boot" gesehen hat, Wolfgang Petersens U-Boot-Kriegsdrama von 1981, erinnert sich mindestens ebenso sehr an Otto Sanders minutenkurze Auftritte als hochdekorierter, aber von Angst und Alkohol zerstörter Kapitänleutnant Thomsen, wie an die eigentlichen Hauptdarsteller Herbert Grönemeyer, Klaus Wennemann und Jürgen Prochnow.

Sander hat unter Volker Schlöndorff im oscarprämierten Film "Die Blechtrommel" den ewig betrunkenen Trompeter Meyn gespielt, er drehte unter anderem mit den Regisseuren Eric Rohmer ("Die Marquise von O.", 1976), Margarethe von Trotta, mehrfach mit Wolfgang Petersen ("Einer von uns beiden", "Vier gegen die Bank", "Das Boot"), mit Wolfgang Staudte ("Lehmanns Erzählungen", 1975), Michael Verhoeven und Werner Schroeter, mit Bernd Böhlich, Matti Geschonneck, Armin Mueller-Stahl und Wim Wenders ("Der Himmel über Berlin", "In weiter Ferne so nah").

Sicher nicht fehlen wird in der Film-Auswahl für das Schweriner Festival auch eine gesamtdeutsche Arbeit: Noch vor dem Mauerfall übernahm Sander 1989 eine Hauptrolle in Frank Beyers Krimikomödie "Der Bruch". Zu einem Publikumshit wurden die "Polizeiruf 110"-Folgen, für die Sander als Streckenwärter Lansky gemeinsam mit seiner Ehefrau Monika Hansen und Stiefsohn Ben Becker vor der Kamera stand. Auch die Jüngsten wachsen schon mit Sander auf: Im Kinder-Zeichentrickfilm "Der Grüffelo" leiht Sander seine Stimme der Eule.

Strahlende Helden hat Otto Sander, der Theaterwissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte studiert und gleichzeitig Schauspielunterricht an der Otto-Falckenberg-Schule genommen hatte, selten gespielt. Von ihm klingt immer etwas Trauriges nach, auch tragikomische Rollen sind seine Stärke. Und auch durch seine Lesungen von Ringelnatz, Kleist, Shakespeare und Beckett zieht sich oft eine Spur von Melancholie.

Überhaupt, Lesungen: "The Voice" nennt man den Schauspieler auch, wegen seiner tiefen, sanften, leicht brüchigen, unverwechselbaren Stimme. Als Synchronsprecher und vor allem mit Lesungen und Hörbüchern feierte Otto Sander Erfolge. Ein dunkles Kino und dazu nur Sanders Stimme? Niemand würde sich langweilen. "Wir sind noch in der Planung, wie wir diesen Aspekt in das Filmkunstfest-Programm einbauen", sagt Festivalsprecherin Skott. Auf jeden Fall werde es am 6. Mai eine "Werkstattlesung" im Capitol abhalten. Außerdem arbeitet das Filmkunstfest-Team derzeit daran, Sanders aktuellen Film "Bis zum Horizont, dann links", eine Tragikomödie von Bernd Böhlich, nach Schwerin zu holen. "Der Film hat im Frühjahr 2012 Kinostart und wird dann hoffentlich auch beim Filmkunstfest zu sehen sein", sagt Michaela Skott.

Fest stehen neben der Sander-Lesung aber schon diese Höhepunkte des Filmkunstfestes: Die "Puhdys" kommen und mit ihnen der Film "Die Legende von Paul und Paula" am 2. Mai, zum Gastland Russland gibt es die Lesung "Venushaar" von Michael Schischkin am 3. Mai. Der Vorverkauf für die Veranstaltungen beginnt am 3. Dezember in der Schweriner Touristinformation. Und: Für die Eröffnungsveranstaltung hat das Filmkunstfest einen besonderen Gast gewonnen: Autor und "Russendisko"-Erfinder Wladimir Kaminer.

Die Ehrenpreisträger

Den „Goldenen Ochsen“ erhielten bisher:
Frank Beyer,
Mario Adorf,
Götz George,
Senta Berger und
Michael Verhoeven,
Bruno Ganz,
Hannelore Elsner,
Klaus Maria Brandauer,
Michael Ballhaus,
Manfred Krug,
Katrin Sass

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