Handy am Steuer : Der Tod tippt mit

Schon das Ein- oder Ausschalten des Handys am Steuer ist verboten.
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Schon das Ein- oder Ausschalten des Handys am Steuer ist verboten.

Die Zahl der erwischten Handysünder in MV hat sich in sechs Jahren verdoppelt

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18. September 2017, 20:55 Uhr

Die Strafe scheint nicht abzuschrecken: Trotz 60 Euro Bußgeld plus einem Punkt in Flensburg – immer mehr Autofahrer werden in Mecklenburg-Vorpommern mit Mobiltelefonen am Steuer von der Polizei erwischt. Innerhalb von nur sechs Jahren hat sich die Zahl der ertappten Handysünder mehr als verdoppelt. Wurden im gesamten Jahr 2011 noch 4970 Fahrer beim Telefonieren gestoppt und 13 Verstöße pro Tag gemeldet, so waren es allein in der ersten Hälfte dieses Jahres bereits 5150 Handysünder und täglich fast 30 Verstöße.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) übt scharfe Kritik: „Die Ablenkung vor allem durch Smartphones ist zu einer regelrechten Seuche geworden.“ Keine Mail, kein Chat, kein Anruf sei ein Menschenleben wert, so der Minister. Polizeiliche Leitlinie sei ein „konsequentes Vorgehen gegenüber verkehrsgefährdendem Verhalten, insbesondere bei der Nutzung von Smartphone und Tablets während der Fahrt“.

Der Anstieg wird im Zusammenhang mit den zunehmenden technischen Möglichkeiten moderner Smartphones gesehen. Viele Autofahrer wollen auch unterwegs nicht mehr auf Facebook, WhatsApp oder die klassische SMS verzichten. Mobile Geräte sind zu ständigen Begleitern geworden.

Die Folgen für die Verkehrssicherheit sind dramatisch. Denn wer bei Tempo 50 den Blick nur für zwei Sekunden von der Straße abwendet, fährt 28 Meter im Blindflug, bei Tempo 100 sind es bereits 56 Meter. ADAC-Unfallexperte Thomas Unger sieht in der steigenden Zahl der bei Auffahrunfällen Verletzten und Getöteten ein Alarmsignal. Der ADAC schätzt, dass jeder zehnte Unfall, bei dem ein Mensch zu Schaden kommt, durch Ablenkung ausgelöst wird.

Nach einer Umfrage der Allianz nutzt fast jeder zweite Pkw-Fahrer in Deutschland (46 Prozent) sein Mobiltelefon während der Fahrt. Jeder vierte Smartphone-Nutzer (24 Prozent) liest am Steuer Textnachrichten, etwa 15 Prozent schreiben sogar selbst Nachrichten.

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