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11. September : Der Tag, der alles veränderte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Warum Theologiestudenten aus MV ganz anders mit den Hinterbliebenen vom 11. September 2001 mitfühlen als an den Jahrestagen zuvor

Wenn heute in den USA an die Opfer der Terroranschläge am 11. September 2001 gedacht wird, werden drei Theologiestudenten aus Mecklenburg-Vorpommern ganz anders mit den Hinterbliebenen mitfühlen als an den Jahrestagen zuvor. Vor wenigen Tagen haben sie noch während einer Studienfahrt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland am „Ground Zero“ in New York gestanden, wo vor 13 Jahren die beiden Türme des World Trade Centers (WTC) in sich zusammenstürzten, nachdem Terroristen zwei Flugzeuge in sie hinein gesteuert hatten.

Tief beeindruckt war der Ducherower Christian Pieritz von der Ausstellung, die ihn an die Opfer der Anschläge erinnert. „Tausende Fotos mit kurzen Lebensläufen oder Erinnerungen der Familienangehörigen. Dadurch bekommt man einen Einblick in die Leben der Opfer. Sie verschwinden nicht hinter dieser großen Gesamtzahl der knapp 3000 Getöteten“, sagte Pieritz gestern nach ihrer Rückkehr aus den USA in Schwerin.

Auch der Rostockerin Paula Koch gingen die angsterfüllten Telefonate sehr nahe, die viele Passagiere, kurz bevor die Jets in den oberen Stockwerken des WTC einschlugen, ihren Angehörigen auf die Mailbox sprachen. Im New Yorker „9/11 Memorial Museum“ sind die Bandaufnahmen zu hören.

Jan Harten wiederum berichtete von einem großen Museumsraum, in dem allein ein Motorrad ausgestellt war. Ein Feuerwehrmann hatte die Honda-Maschine in seiner Freizeit restaurieren wollen. Nachdem er in den Trümmern des WTC umkam, bauten seine überlebenden Kameraden weiter (siehe Hintergrund).

Die neue emotionale Nähe zu den Ereignissen des 11. September 2001, so Harten, vermittelte ihnen zudem das Treffen mit der Lehrerin Elke Bergholz, die 1977 aus Neukloster in die USA gekommen war. Sie kümmerte sich ein Jahr lang jeden Nachmittag um die Arbeiter, die die Trümmer des WTC wegräumten. „Die Anschläge haben New York verändert“, sagte der Theologiestudent. „Das ist von hieraus nur schwer nachzuvollziehen.“

Begleitet von Bischof Andreas von Maltzahn besuchten insgesamt sieben Theologiestudenten auf ihrer zehntägigen Reise mehrere Kirchengemeinden an der Ostküste der USA. Aufgefallen ist ihnen dabei, wie die Gemeinden ihre Mitglieder für ehrenamtliche Arbeiten einsetzen. In Cincinnati zum Beispiel vergebe eine Kirchgemeinde „Hope Houses“ (Hoffnungs-Häuser) an Bedürftige. Aber es sind Gemeindemitglieder, die einen Nachmittag in der Woche damit verbringen, die Häuser in Schuss zu halten. Eine andere Gemeinde hatte extra jemanden abgestellt, um Ehrenamtliche ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Paula Koch: „Die haben dann genau eine Aufgabe und sie bekommen dafür die Dankbarkeit der anderen direkt zu spüren.“

Die Theologiestudenten sind allerdings nicht sicher, ob das US-Modell der Ehrenamts-Arbeit übertragbar ist. Harten: „In Deutschland kommen die Gläubigen ja eher ,beobachtend’ in den Gottesdienst und zahlen Kirchensteuern, mit denen die Kirche Angestellte entlohnt.“


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