zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 08:22 Uhr

Der Tag der Abrechnung

vom

svz.de von
erstellt am 23.Sep.2013 | 06:50 Uhr

Schwerin | "Ein enttäuschendes Ergebnis", resümierte Grünen-Landeschef Andreas Katz. "Wir sind sehr zufrieden", lobte hingegen die Vorsitzende der Linken, Heidrun Bluhm gestern Morgen vor der Landespressekonferenz. "Ich rechne mit personellen Konsequenzen an der Bundesspitze", orakelte FDP-Generalsekretär Thomas Heldberg - und behielt recht. "Ich finde eine solche Wahlbeteiligung katastrophal", übte sich der Chef der SPD-Landtagsfraktion Norbert Nieszery gestern in Wählerschelte. Mit 65,4 Prozent Wählern war jeder Dritte am Wahlsonntag zuhause geblieben.

Gestern war der Tag der Abrechnung. In Schwerin schielte alles zu den Parteigremien nach Berlin. Was sich für Mecklenburg-Vorpommern bilanzieren ließ, war schnell auf den Punkt gebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel verbuchte mit 56, 2 Prozent und einen Vorsprung von 57 295 Stimmen vor Mitbewerberin Kerstin Kassner (Linke) und 65 455 Stimmen vor Sonja Steffen (SPD) den deutlichsten Sieg im ganzen Land. "Großes Wasser zieht kleines Wasser", sagte CDU-Fraktionschef Vincent Kokert und resümierte zufrieden, dass erstmals alle sechs Direktmandate im Land an seine Partei gingen. Fast zehn Prozent gewann die CDU gegenüber den Bundestagswahlen 2009 - und war damit die einzig wirkliche Gewinnerin des Wahlsonntags. Geht es nach Kokert, so ist die große Koalition beschlossene Sache: "Ich weiß nicht, warum sich die SPD jetzt so zickig hat."

Ansonsten sah man am Tag nach der Wahl nur Wahlverlierer in Schwerin. Zwar lobte die Linke-Landeschefin Heidrun Bluhm das eigene Resultat, was auch sonst, aber die Linke verlor ein Bundestagsmandat und fuhr ein Minus von 7,5 Prozent gegenüber 2009 ein. Von Platz zwei im Bundesvergleich damals rutschte die MV-Linke jetzt auf Platz vier.

Die Grünen verloren 1,2 Prozent gegenüber 2009 und landete hart unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die FDP verlor ganze 7,6 Prozent und schiebt die Verantwortung nach Berlin. "Wir haben die Bundestagswahl nicht in Schwerin verloren, sondern in Berlin", sagt Thomas Heldberg, verkennt aber dabei, dass die Alternative für Deutschland in MV aus dem Stand 5,6 Prozent schaffte. Das ist mehr als respektabel, nützt der Partei von Leif-Erik Holm nur leider nichts.

Die SPD gewann zwar 1,2 Prozent Wählerstimmen hinzu, kommt aber bei weitem nicht an die Linkspartei heran. Im Bundesvergleich haben die MV-Sozialdemokraten sogar das drittschlechteste Resultat eingefahren. Dennoch gewannen sie ein Mandat hinzu. Anlass genug für Landtagsfraktionschef Norbert Nieszery die Bundesspitze aufzufordern, die Entscheidung für Koalition oder Opposition nicht im stillen Kämmerlein zu treffen, sondern in der Partei zu diskutieren. "Die große Koalition ist kein Automatismus."

Abgeordnete aus MV im Bundestag


Direktkandidaten (Erststimmen):
Dietrich Monstadt, CDU, 39 Prozent,Wahlkreis 12
Karin Strenz, CDU, 43 Prozent, Wahlkreis 13
Peter Stein, CDU, 35 Prozent, Wahlkreis 14
Angela Merkel, CDU, 56,2 Prozent, Wahlkreis 15
Matthias Lietz, CDU, 45,9 Prozent, Wahlkreis 16
Eckhardt Rehberg, CDU, 47 Prozent, Wahlkreis 17

Über die Liste ihrer Parteien (Zweitstimmen):
Dietmar Bartsch, Die Linke, Listenergebnis 21,5 Prozent
Heidrun Bluhm, Die Linke, Liste 21,5 Prozent
Kerstin Kassner, Die Linke, Liste 21,5 Prozent
Sonja Steffen, SPD, Liste 17,8 Prozent
Frank Junge, SPD, Liste 17,8 Prozent
Jeannine Pflugradt, SPD, Liste 17,8 Prozent
Harald Terpe, Grüne, Listenergebnis 4,3 Prozent

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen