Wahrzeichen G8-Gipfel in Heiligendamm : Der Strandkorb ist zurück

Erinnerung an ein historisches Ereignis – Handwerker stellen den Strandkorb auf dem Gelände des Grand Hotels auf
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Erinnerung an ein historisches Ereignis – Handwerker stellen den Strandkorb auf dem Gelände des Grand Hotels auf

Zehn Jahre nach dem G8-Gipfel in Heiligendamm wird eine „Orginalkopie“ des XXL-Wahrzeichens vor dem Grand Hotel aufgestellt

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30. Mai 2017, 12:00 Uhr

Ein Bild geht um die Welt. Die acht Regierungschefs der mächtigsten Industriestaaten und ein EU-Kommissar sitzen im Juni 2007 gut gelaunt in einem Strandkorb an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern. Seit gestern – fast genau zehn Jahre nach dem Treffen – ist der Strandkorb zurück in Heiligendamm.

„Das Grand Hotel wird noch heute häufig mit dem G8-Gipfel in Verbindung gebracht“, sagt der geschäftsführende Direktor, Thomas Peruzzo. Kommen Gäste an, höre man häufig die Frage nach der „Merkel-Suite“ oder dem „Putin-Apartment“. Die Bezeichnungen gibt es offiziell zwar nicht im Hotel, doch Heiligendamm ist zu einem Ort der jüngsten Weltgeschichte geworden. Darum die Idee mit der Rückkehr des Korbes.

Gebaut wurde der G8-Strandkorb von der Korbwerk Heringsdorf GmbH & Co. KG, Deutschlands ältestem Strandkorb-Hersteller. Die Idee kam von einer Projektgruppe des Landesmarketing Mecklenburg-Vorpommern. Im April 2007 legten die 23 Mitarbeiter des Heringsdorfer Unternehmens los. In nur drei Wochen verbauten sie für den Riesen-Strandkorb zwei Kilometer Flechtband, 35 Quadratmeter Stoff und einen Kubikmeter Holz. „Nach dem Gipfel in Heiligendamm trat der Strandkorb eine Reise quer durch das politische Deutschland an“, erzählt Dorit Wehmeyer, Sprecherin des Grand Hotels. Erst war er im Bundesrat, anschließend im Kanzleramt, dann vor dem Brandenburger Tor und zum Tag der Deutschen Einheit stand er im Oktober 2007 wieder in Mecklenburg-Vorpommern – zum großen Fest in Schwerin.

Einen Monat später wurde der berühmteste Strandkorb der Welt versteigert. Reinfried Pohl, Chef der Deutschen Vermögensberatungs AG (DVAG) in Frankfurt ersteigerte ihn für eine Million Euro. Der Erlös ging an die Aktion „Ein Herz für Kinder“. Der Korb war anschließend auf diversen Wohltätigkeitsveranstaltungen zu sehen bis er schließlich im betriebseigenen Museum der DVAG landete. Dort steht er noch heute.

Der Strandkorb, den die Handwerker des Grand Hotels zusammenbauen, ist eine „Orginalkopie“, wie die Hotelsprecherin verrät. Die Vermögensberatung hat dem Hotel den orginalgetreuen Nachbau ausgeliehen.

Glück hatte der echte Korb dem Grand Hotel Heiligendamm damals zunächst nicht gebracht. Der erhoffte Boom durch die weltweite Gratis-Werbung blieb nach 2007 aus. Die jährliche Auslastung von 40 Prozent war zu wenig. Der Durchschnittspreis pro Zimmer in der Luxusherberge wurde deshalb auf 190 Euro pro Nacht gesenkt, was die Reichen und Schönen vergrätzte und heftige Kontroversen bei den Verantwortlichen auslöste.

Die Betreibergesellschaft Kempinski und Investor Anno August Jagdfeld gingen ab 2009 getrennte Wege. Drei Jahre später kam, was kommen musste – die Insolvenz. 2013 übernahm der Wirtschaftsberater und Schokoladenfabrikant Paul Morzynski die Geschäfte in Heiligendamm. Der 67-Jährige hatte schon die in der DDR legendären Halloren-Kugeln in die Markwirtschaft gerettet.

„Das Grand-Hotel Heiligendamm schreibt inzwischen keine roten Zahlen mehr“, erklärt Direktor Thomas Peruzzo. Das operative Geschäft sei ausgeglichen. Der Durchschnittspreis pro Zimmer und Nacht lag im vergangenen Jahr bei 270 Euro. Es müsse allerdings noch Einiges investiert werden, um den von den Gästen erwarteten Standard anbieten zu können, sagt Peruzzo. Derzeit werden Fassaden und Bodenbelege erneuert.

Die Ausleihe des XXL-Strandkorbes für zehn Wochen fällt finanziell dagegen weniger in Gewicht. Eine Spende von 1000 Euro für wohltätige Zwecke hat die DVAG dafür aus Heiligendamm bekommen.

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