Der Sommer wird ein Gemischtwarenladen

<strong>Der Sommer kommt</strong> - wenn auch nicht mit Dauersonnenschein.<foto>dpa</foto>
Der Sommer kommt - wenn auch nicht mit Dauersonnenschein.dpa

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29. Juni 2012, 10:06 Uhr

Hiddensee | Zuerst die gute Nachricht: Ein derart nasser Sommer wie 2011 mit Rekordregenmengen vor allem an der Küste ist im Nordosten diesmal nicht zu erwarten, wie Meteorologe Thomas Globig vom meteo media-Wetterstudio Hiddensee sagt. Das Gegenteil allerdings auch nicht: "Für ein Sommermärchen wie 2006 gibt es ebenfalls keine Anzeichen", so der Experte. Vielmehr müsse mit einem "typischen mitteleuropäischen Sommer" gerechnet werden. Schöne, windige, kühle und nasse Tage - und heftige Gewitter mit Unwettergefahr beim Wechsel von kürzeren heißen und kälteren Phasen. "Da wird ein Gemischtwarenladen eröffnet", bringt Globig die wechselhaften Aussichten auf den Punkt.

Siebenschläferregel: Legende und Wahrheit

Anhaltspunkte für die Prog nose liefert die so genannte Siebenschläfer-Bauernregel, die laut Globig "natürlich nicht zu 100 Prozent, aber relativ gut" zutrifft. Allerdings nicht ganz so, wie es der Volksglaube besagt. Demnach müssten sieben Wochen Schauerwetter folgen, wenn es am 27. Juni geregnet hat. Die entsprechende Bauernregel heißt jedoch: "Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag." Es geht also genau genommen gar nicht um Regen, sondern um die Gesamtwetterlage. Dabei ist der Stichtag 27. Juni nur durch die gregorianische Kalenderreform im Jahr 1582 zustande gekommen, wie der Deutsche Wetterdienst erläutert. Bis dahin hatte sich der Zeitunterschied zwischen Julianischem Kalender und astronomischem Jahr auf elf Tage summiert. Der eigentliche Siebenschläfertag ist somit der 8. Juli.

Entscheidend für die Wetterregel ist aber erfahrungsgemäß ohnehin kein einzelnener Tag, sondern der gesamte Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Juli, wie Globig bestätigt. Ausschlaggebend sei die Gesamtgroßwetterlage über Europa und über dem Atlantik in dieser und in der kommenden Woche. "Die Frage, wo sich die steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete platzieren, ist entscheidend für die nächsten Wochen - sprich für die Urlaubszeit", weiß der Meteorologe.


Wie in der Sauna: Anheizen nach Aufguss

Und der Monatswechsel verläuft bereits gemischt: Die ersten Julitage werden laut Prognose verhältnismäßig schön mit gemäßigten Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Richtung Monatsmitte soll es dann aber unter Tiefdruck einfluss wieder wechselhafter werden.

Wetterempfindliche Zeitgenossen mit Kreislaufproblemen dürften es bereits am heutigen Tag schwer haben. Vorhergesagt wurde sehr warme und schwüle Luft. Der Tag beginnt voraussichtlich schon mit Schauern und Gewittern, bevor sich die Sonne zeigt. "Das ist dann wie in der Sauna. Erst wird der Aufguss gemacht und dann wird angeheizt", sagt Globig. Am Nachmittag und zum Abend soll dann wieder das Risiko von heftigen Gewittern mit lokaler Unwettergefahr steigen. Starkregen, Hagel, vollgelaufene Keller, überflutete Straßen - damit muss gerechnet werden.

Zum Sonnabend und Sonntag soll sich die Situation ein wenig bessern. Die Schwüle nimmt dann allmählich ab, die Schauer- und Gewitterneigung bleibt aber voraussichtlich in abgeschwächter Form erhalten.

Verrückt spielt das Wetter deshalb allerdings nicht. Wechselhafte Sommer, die aus dem Kampf zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten entstehen, sind für Mitteleuropa eher die Regel, wie Experten betonen. Das Sommermärchen von 2006 während der Fußball-Weltmeisterschaft bildete dagegen die Ausnahme. Am Strand vor Hiddensee konnte man damals Ende Juli bei einer Wassertemperatur von 25 Grad baden gehen, wie sich Globig erinnert. "Bademeister, Urlauber und Zeltplatzbetreiber werden sicherlich gern an diesen Sommermonat zurückdenken, Landwirte und Kleingärtner dagegen weniger." Das Wetter - irgendwas ist immer.

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