Plakate gegen Smartphone-Sucht in MV : Der „Smombie“ hat Nachwuchs

dpa (Illustration)
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Erfolgreiche Plakat-Kampagne geht in die zweite Runde

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22. April 2017, 07:00 Uhr

Haben Sie schon mal einen „Smombie“ gesehen? Garantiert, Sie wissen es nur nicht. Zu beobachten sind „Smombies“ meist auf Gehwegen, Straßen und öffentlichen Plätzen. Wenn sie zu Fuß unterwegs sind, trotten „Smombies“ äußerst langsam vor sich hin, den Blick gesenkt. Wenn sie Fahrrad fahren, rollen sie meist im Schlingerkurs und die Augen zucken nervös hoch und runter. Und selbst „Smombies“ mit Kinderwagen gehören zur Normalität in den Innenstädten. Sie ahnen es. „Smombie“ ist das Kürzel für „Smartphone-Zombie“ und war das Jugendwort des Jahres 2015. Doch die jungen Erwachsenen haben selbst Nachwuchs und auch ältere Semester sind von übertriebenem Smartphone-Konsum betroffen. Birgit Grämke, von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV (Lakost), verteilte im Herbst 2016 ungefähr 3000 Plakate, die Eltern anregen sollte, über ihre Handy-Nutzung nachzudenken. Darauf zu sehen war etwa eine Mutter, die lieber mit dem Smartphone spielte als mit ihrem Kind auf dem Spielplatz. „Wir haben in ein Wespennest gestochen. Die Plakate erzeugten ein riesiges Medienecho und viele positive Reaktionen“, erzählt Birgit Grämke. Ärzte, Erzieher, Logopäden und Eltern aus allen Bundesländern wollten die Plakate haben. Wegen der großen Nachfrage geht die Kampagne nun in die zweite Runde. Heute präsentieren Mitarbeiter der Lakost die neuen Motive erstmals beim Kindergartentag an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow. Auf dem neuen Plakat ist diesmal ein Mann zu sehen. „Wir haben die Anregung bekommen, auf dem neuen Plakat einen Papa mit Smartphone in der Hand zu zeigen, damit sich auch Männer angesprochen fühlen“, so Grämke.

Einige Eltern-„Smombies“ fühlten sich jedoch durch die Kampagne ertappt und gifteten im Internet zurück: „Ihr Ziel in allen Ehren, aber es ist eine Frechheit, dass mir der Staat vorschreiben will, wie ich mein Telefon zu benutzen habe“, schrieb jemand anonym an die Suchtberater.

Keine Sorge, die Polizei stellt sicherlich niemandem einen Strafzettel für übertriebene Handy-Nutzung aus. Es sei denn, Sie sind ein „Smombie“ im Auto. Aber tatsächlich bietet die Koordinierungsstelle bei der Neuauflage einige Tipps für eine smartphonefreie Kindererziehung. Die Hinweise sind keine große Überraschung. Kurz zusammengefasst: Legen Sie das Handy weg! Mehr nicht. Beim Abendbrot wird gegessen, bei der Busfahrt aus dem Fenster geguckt und im Wartezimmer liegen genügend Spielzeuge und Zeitschriften für alle Altersgruppen herum. Und auf dem Heimweg von der Schule dürfen sich Eltern und Kinder über den Tag austauschen. Eigentlich selbstverständlich. Nimmt die Zahl der Eltern-„Smombies“ trotz der neuen Plakatkampagne weiterhin zu, sollte der Staat über die Eröffnung von Handy-Gärten an den Kitas nachdenken. Telefon abgeben, Kind abholen und schon steht der gemeinsamen Freizeit nichts im Weg. Zumindest kein Bildschirm.

Mehr Auszeit vom Smartphone

  • Legen Sie Ihr Smartphone beiseite und stellen Sie es bei gemeinsamen Aktivitäten mit Ihrem Kind auf stumm, auch beim Hinbringen oder Abholen von Kita, Schule, Hort etc.
  • Schalten Sie auf Ihrem Smartphone alle Push-Funktionen aus und rufen Sie z.B. E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten nur manuell – also selbstbestimmt ab.
  • Essen: Bei gemeinsamen Mahlzeiten sollten digitale Medien tabu sein.
  • Ihr Kind muss zum Arzt? Lassen Sie doch das Smartphone zu Hause oder in der Tasche und nutzen Sie die Spielsachen und Kinderbücher beim Kinderarzt.
  • Unterwegs mit Kinderwagen, Buggy, Tragetuch, Laufrad und Co.? Genießen Sie das Tagträumen und Spaziergänge in der Stadt oder Natur – ohne Smartphone dafür aber gemeinsam mit Ihrem Kind.
  • Nutzen Sie die Zeit bei gemeinsamen Fahrten in Bus, Straßenbahn oder Zug für Blickkontakt und Gespräche mit Ihren kleinen oder großen Kindern.
  • Denken Sie an Ihre Vorbildfunktion und lassen Sie das Smartphone manchmal einfach zu Hause, in der Tasche oder ausgeschaltet.

Quelle: Lakost MV

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