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Verkehrsregelung : Der „Sheriff“ von Gadebusch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Schilder-Streit zieht der Baumkletterer Marco Kern die Reißleine. Er will sich auf eine Kreuzung stellen, um Kinder vor Unfällen zu schützen.

Unfassbar aber wahr: Weil Behörden trotz tagelanger Kritik von Kommunalpolitikern, Fahrschullehrern, pensionierten Verkehrsexperten und Anwohnern offenbar versagen, zieht ein professioneller Baumkletterer nun die Reißleine: Marco Kern. Er wird sich notgedrungen zum „Sheriff“ von Gadebusch aufschwingen. Denn der Vater von zwei Kindern will sich mit Warnweste auf eine Kreuzung im Gadebuscher Bahnhofsbereich stellen, um Kinder und Jugendliche vor Unfallgefahren zu schützen. „Das ist kein PR-Gag. Das ist kein Witz, sondern es ist vielen Gadebuschern und mir bitterer Ernst. Zum Lachen ist uns angesichts dieser abstrusen Verkehrsregelung nämlich nicht mehr zumute“, sagt Marco Kern gegenüber unserer Zeitung.

Der Gadebuscher fürchtet, dass die neue Verkehrsregelung im für rund 300 000 Euro neu gestalteten Gadebuscher Bahnhofsbereich mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Er sieht u.a. radfahrende Kinder in Gefahr und drängt auf eine Entschärfung der umstrittenen Verkehrsregelung.

Kommunalpolitiker, Anwohner und Fahrschullehrer pflichten Kern bei – während Behördenmitarbeiter von einer Erleichterung für Kraftfahrer sprechen und das große Ganze bei einem Empfang mit Blick auf den Burgsee feierten.

Experten, die Kritik üb(t)en und auf Gesetzestexte verweisen, werden von Behördenseite derweil als Nörgler diskreditiert und sollen offenbar mundtot gemacht werden. Sie sind aber nicht die Einzigen, die Kritik anmelden. Auch Projekt-Beteiligte meinen gegenüber der SVZ: „Auch wir hätten uns eine andere Ausschilderung gewünscht. Aber lasst um Himmels Willen unsere Namen da raus.“

Noch deutlicher wird ein Einheimischer, der nahezu täglich etwas mit der Straßenverkehrsordnung, mit Paragrafen und mit Verkehrssündern zu tun hat: „Das hier scheint jemand aus der Irrenanstalt fabriziert zu haben. Anders ist das hier nicht mehr zu erklären. Hier gehört jemand schnellstmöglich aus dem Verkehr gezogen.“

Der Gadebuscher Fahrschullehrer Günter Gottschalk warnt: „Durch die jetzige Regelung ist es in etwa so, als wenn an einer Ampelkreuzung gleichzeitig alles auf Grün gestellt wird.“ Fehler könne man machen, aber man müsse diese dann schleunigst korrigieren und nicht auf seiner Machtposition beharren.

Angesichts des Schilder-Streits scheint fast in den Hintergrund zu geraten, was Gadebuscher eigentlich geschaffen haben und worauf sie stolz sein können: Sie machten aus einem ausrangierten Güterbahnhof ein Areal mit Busbahnhof, Parkplätzen und neuen Gehwegen. „Hier kann nunmehr eine Verknüpfung des öffentlichen Personenverkehrs mit den Verkehrsmitteln Bahn und Bus gewährleistet werden“, so Bürgermeister Ulrich Howest.

 

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