Hinter die Kulissen geschaut : Der schwarze Mann im Büro

Jörg Bolewski verbringt viel Zeit am Schreibtisch.
Jörg Bolewski verbringt viel Zeit am Schreibtisch.

Jörg Bolewski ist Schornsteinfegermeister: Heutzutage gehört dazu mehr als Kamine kehren

svz.de von
15. März 2016, 12:00 Uhr

Der Zylinder liegt im Büro und wartet auf besondere Tage. Den setzt Jörg Bolewski nur zu feierlichen Anlässen auf, wenn er – im schwarzen Wildleder-Anzug mit goldenen Knöpfen – als Glücksbringer auftaucht.

Normale Arbeitstage beginnen für den 42-Jährigen morgens um sieben. Dann sitzt er das erste Mal am Rechner, koordiniert Termine. Der Schornsteinfegermeister hat den Kehrbezirk NWM 01 inne. Ein großes Gebiet, ein typischer Land-Kehrbezirk.

Die Kollegen in der Stadt haben kürzere Wege und weniger „schwarze Arbeit“, also reine Kehrtätigkeit. „Kaminschornsteine gibt es eben auf dem Land deutlich mehr“, sagt Bolewski. Alle Feuerstellen und Heizungen müssen regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden – in ganz unterschiedlichen Abständen. Oft hängt es davon ab, wie oft sie benutzt werden. „Wer einen Kamin als einzige Heizung hat, muss natürlich öfter kehren lassen als jemand, der ihn nur gelegentlich anheizt. Das muss ich entscheiden, denn ein nicht gereinigter Schornstein bedeutet Brandgefahr.“ Dieser Kehrpflicht darf nur ein Schornsteinfeger-Fachbetrieb nachkommen.

Gegen acht fährt er zum ersten Termin und erledigt danach einen Auftrag nach dem anderen. „Da mache ich mir noch manchmal die Hände dreckig, das macht auch Spaß.“

Am Nachmittag geht es im Büro weiter. Er holt eine umfangreiche Liste auf den Monitor: das Kehrbezirks-Verwaltungsprogramm. Darin sind seine etwa 2800 Kunden verzeichnet, die technischen Details ihrer Anlagen, alle ausgeführten Arbeiten. „Früher gab es für jeden Kunden eine Karteikarte. Heute übertrage ich die neuen Daten digital ins Programm. Und mein Kollege schickt mir seine per Internet.“ Inzwischen arbeitet er mehr am Schreibtisch als draußen beim Kunden.

„Wir müssen Feuerstättenbescheide erstellen, Messprotokolle ausdrucken, Rechnungen schreiben und alles verschicken. Da sitze ich manchmal sogar abends noch am Rechner. Aber das gehört eben heutzutage dazu.“  Das liegt daran, dass nach der Wende viele Gasheizungen eingebaut wurden, die regelmäßig kontrolliert werden müssen.

Seit 2013 kann ein Hausbesitzer sich aussuchen, welcher Schornsteinfeger zu ihm kommen soll – zumindest für sogenannte nicht-hoheitliche Aufgaben wie das Kehren. Die meisten Kunden sind jedoch bei ihrem angestammten Meister geblieben. Und bestimmte Aufgaben darf nach wie vor nur derjenige ausführen, der den Kehrbezirk innehat, zum Beispiel Feuerstättenschauen oder Bauabnahmen.

Bolewski lernte seinen Beruf bei Meister Stahlberg in Rehna. Als Geselle war er in Goldberg, später in Schwerin. Nun   arbeitet er schon 20 Jahre lang in Grevesmühlen – seit 2009 als Meister. Am meisten gefällt ihm der Kontakt zu den Leuten. „Ich kenne die meisten – man trinkt auch mal einen Kaffee zusammen, die Zeit nehme ich mir. Und am Ende kann ich dem Kunden bescheinigen, dass seine Anlage technisch in Ordnung ist.“

Dazu kommt die Beratung, insbesondere, wenn Häuser neu gebaut werden. Die Höhe des Schornsteins und der Abstand zum Nachbarn zum Beispiel müssen eingehalten werden. Dunstabzugshaube in der Küche und Kaminofen dürfen nicht verbunden sein. „Der Dunstabzug saugt die Luft aus dem Haus ab, der Kamin braucht sie aber“, erklärt Bolewski. „Es würde qualmen und giftiges Kohlenmonoxid austreten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das zu verhindern.“

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