Der Schienen-Planer

Meistens nachts kommt die Schnellumbaumaschine zum Einsatz. Hennes/Seifert/ Bahn AG
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Meistens nachts kommt die Schnellumbaumaschine zum Einsatz. Hennes/Seifert/ Bahn AG

Sein Arbeitsplatz ist eine leerstehende Wohnung im Bahnhofsgebäude Hagenow, sein Wohnort ein Ludwigsluster Hotelzimmer. Drei Monate bleibt der Rüganer Harald Milow in der Kreisstadt und koordiniert den Bau auf der ICE-Strecke Hamburg-Berlin. Bei ihm laufen die Fäden aller 57 Baustellen zusammen.

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16. März 2009, 07:29 Uhr

Hagenow/Brahlstorf | Er sitzt an einem ausrangierten Schreibtisch. Darauf ein Laptop und das Faxgerät. Hinter ihm stapeln sich dicke Aktenordner. An den Wänden um ihn herum hängen Dutzende Bauablaufpläne. Harald Milow hat sich eingerichtet. Vor zwei Wochen ist er in sein provisorisches Büro in eine leerstehende Wohnung auf dem Ludwigsluster Bahnhof gezogen. "Die Stadt ist strategisch der beste Standort, weil sie fast genau in der Hälfte unserer Baustelle liegt", sagt er. Milow ist Projektleiter der Deutschen Gleis- und Tiefbau GmbH und verantwortlich für den reibungslosen Bauablauf auf der ICE-Strecke Hamburg-Berlin.

Auf 57 Baustellen wird im Moment gleichzeitig gearbeitet. Wenn in Brahlstorf eine Stopfmaschine ausfällt oder die Schwellen in Berlin Spandau nicht rechtzeitig geliefert werden, dann erfährt er es als Erster. "Wir kennen hier keine Arbeitszeiten", sagt er. "Gearbeitet wird rund um die Uhr." In Brahlstorf zum Beispiel wird gerade der Schotter im Gleisbett verdichtet, zwischen Wittenberge und Bad Wilsnack sind die letzten Schweißarbeiten im Gange, und auf Höhe Jasnitz bereiten die Bauarbeiter die Demontage der beschädigten alten Schwellen vor. "Die Arbeiten sind an jeder Stelle auf der Strecke eigentlich die gleichen", sagt er. "Die große Herausforderung besteht in der Koordination aller Baustellen auf einer Länge von 260 Kilometern." Der Bauablauf ist auf die Stunde genau abgestimmt. "Jede noch so kleine Verzögerung hätte Konsequenzen für die folgende Baustelle", sagt Milow. "Das wirkt wie ein Gummiband."

Noch läuft alles nach Plan. Die Baustelle in Brahlstorf ist so gut wie abgeschlossen, am 17. März beginnen die Gleisarbeiten zwischen Jasnitz und Ludwigslust. Hier werden auf acht Kilometern 2400 Schwellen gewechselt. Auf dem Bahnhof in Hagenow wird Anfang Mai die Schnellumbaumaschine (SUM) erwartet.

Drei SUM und sechs Stopfmaschinen sind auf der gesamten Strecke im Einsatz. Die Großbaustelle führt durch fünf Bundesländer und streift unzählige Natur- und Wasserschutzgebiete. Zwischen Pritzier und Hagenow-Land zum Beispiel prangt auf den Plänen von Harald Milow ein dicker grüner Streifen. "Hier müssen wir uns aus naturschutzrechtlichen Gründen an strenge Vorgaben halten", sagt er. An einigen Stellen ist wegen der Lärmbelästigung Nachtarbeit nicht erlaubt, an anderen Stellen ist das Befahren der Waldwege oder das Betanken der Maschinen untersagt."

Doch Harald Milow, der sich seit September intensiv mit der Bauablaufplanung befasst, bleibt gelassen. "Unsere Maschinen arbeiten mit biologisch abbaubarem Öl. Und für die Zulieferung nutzen wir fast ausschließlich das Schienennetz."

Sein Handy klingelt. Er zieht sich die signalfarbene Weste über, greift einen Stapel Baupläne und macht sich auf den Weg zur Bauberatung. Es ist die dritte in dieser Woche.

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