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Planten Rocker Anschlag in Berlin? : Der Rockerkrieg eskaliert

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Die mit einem Kilo Sprengstoff im Rostocker Hafen festgenommenen Mitglieder der Rockervereinigung Bandidos sollen einen Anschlag auf ehemalige Clubmitglieder in Berlin geplant haben.

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2012 | 06:30 Uhr

Rostock/Berlin | Spektakulärer Fund im Rostocker Überseehafen: Beamte der Bundespolizei stellten bei einer Routinekontrolle am späten Abend des 5. Juli auf einer Fähre aus Dänemark drei Stangen hochbrisanten Sprengstoffs mit einem Gesamtgewicht von einem Kilogramm sowie einen einsatzbereiten Zünder sicher. Gestern wurden der Zweck der Reise bekannt - die Mitglieder Bandidos planten offensichtlich einen Sprengstoff-Anschlag auf Überläufer in Berlin. Schon bei ihrer Festnahme hatten sie die Haupstadt als Zielort angegeben.

"Wir haben Erkenntnisse aus den Ermittlungen, dass ein Anschlag in Berlin geplant gewesen sein soll", sagte ein Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Die drei Verdächtige sitzen in Waldeck bei Rostock in Untersuchungshaft. Laut "Tagesspiegel" sollten Überläufer zu den Hells Angels aus Rache mit einer Bombe getötet werden. "Wir führen die Ermittlungen", so ein LKA-Sprecher gegenüber unserer Zeitung, der allerdings keine näheren Angaben zu den laufenden Ermittlungen machen wollte. Bei der Rostocker Staatsanwaltschaft wollte man sich ebenfalls zu dem "sensiblen Verfahren" nicht näher äußern.

Der Sprengstoff befand sich in einer Sporttasche in einem Miet-Pkw mit schwedischer Zulassung. Bei den Verdächtigen handelt es sich um einen Mazedonier und einen Iraner mit dänischen Aufenthalts titeln sowie um einen schwedischen Staatsangehörigen. Bei zwei von ihnen sei bekannt, dass sie Mitglieder der Rockergruppierung "Bandidos MC" sind.

Die drei Stangen Sprengstoff enthielten Eurodyn 2000, das für Sprengungen im Bergbau und für Tunnelbauten entwickelt wurde und über eine hohe Sprengkraft verfügt.

Zwei der Männer sind nach Polizeiangaben Rocker der Bandidos. Sie gehörten zur schwedischen Gruppe "BMC Helsingborg" beziehungsweise zur Fraktion ohne Clubhaus, den "BMC Nomads". Der dritte sei kein Bandidos-Mitglied, seine Verbindungen zu der kriminellen Rockergruppe seien aber polizeibekannt. Die Order für den Sprengstoffanschlag soll von der Europa-Führungsebene der Bandidos erteilt worden sein, schreibt der "Tagesspiegel".

Auch in Berlin eskaliert der Rockerkrieg. Vor kurzem wurden zwei Bandidos angeschossen, zuvor ein Anführer der verfeindeten Hells Angels. Nach Schätzungen agieren in Berlin 400 bis 500 Hells Angels und etwas weniger Bandidos. Die Eskalation deutet nach Einschätzung von Ermittlern auf ein neues Abstecken von Machtpositionen.

Ebenfalls gestern wurden in drei Bundesländern elf Wohnungen ehemaliger Hells Angels durchsucht, wie Polizeisprecher Volker-Alexander Tönnies in Berlin sagte. Ziel war, das Verbot der Hells Angels Berlin City durchzusetzen und Strukturen zu erhellen. Festgenommen wurde niemand. Rund 100 Beamte waren in Bautzen, Dresden und Chemnitz, in Eberswalde, Cottbus und Britz (Brandenburg) sowie in Karlsruhe im Einsatz.

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