“Schwarze Schar“-Anführer vor Gericht : Der Rockerboss und die Drogen

'Schwarze Schar'-Anführer - Der Angeklagte Philip Carl Sch. im Drogenprozess
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Der Angeklagte Philip Carl Sch. gestern im Landgericht Schwerin

Drogenhandel im Milieu: Ex-Anführer des verbotenen Clubs „Schwarze Schar“ in Schwerin vor Gericht

svz.de von
17. Dezember 2014, 07:55 Uhr

Verschärfte Sicherheitskontrollen gestern vor dem Gerichtssaal und ein Polizeiaufgebot, das die Anzahl der Prozessbeobachter um ein Vielfaches übersteigt. Drogengeschäfte, Rockermilieu – klar, dieser Prozess, der gestern am Schweriner Landgericht begann, ist ein besonderer. Mit einem bekannten Hauptakteur. Philip S. stand schon mehrfach vor Gericht und hat schon vielfach für Schlagzeilen gesorgt. Zuerst in der rechtsextremen Szene in Wismar, zuletzt als Anführer des inzwischen verbotenen Rockerclubs „Schwarze Schar“ der Hansestadt. Bereits seit September verhandelt die Strafkammer in gleicher Sache gegen vier ehemalige Club-Mitglieder, von denen zwei im März bei einer Drogenfahrt von Bremen nach Wismar auf frischer Tat gestellt worden waren.

Philip S., der in Untersuchungshaft sitzt, stritt gestern gleich zu Beginn jegliche Beteiligung an illegalen Drogengeschäften ab. Er verlas eine vorbereitete Erklärung. Bei einer Weihnachtsfeier Ende Dezember 2013 im Klubhaus der Schwarzen Schar in Gägelow bei Wismar sei es zu einem Streit zwischen ihm und einem Mitglied der Rockerbande gekommen. Seitdem habe er keinen Kontakt mehr zu den Jungs gehabt. „Ich wollte nichts mehr zu tun haben mit der Szene“, sagte er gestern. Und zu keiner Zeit habe er eine Bande gegründet oder einer angehört.

Bandenmäßiger Drogenhandel wiegt schwer, dafür drohen mindestens fünf Jahre Haft. Wer nicht in einer Bande dealt, kann mit milderen Strafen rechnen. Bandenstrukturen seien in diesem Fall schwer nachzuweisen, sagte der Vorsitzende Richter, Otmar Fandel, unter Verweis auf das Parallelverfahren, das er ebenfalls führt.

Er sagt es, bevor S. seine Erklärung vorliest. Woraufhin dessen Verteidiger rasch noch, wie sagt, „redaktionelle Änderungen“ an der Aussage vornimmt. Ein Verteidiger, der ebenfalls bekannt ist. Wolfram Nahrath mit Kanzlei in Berlin vertrat nicht nur bundesweit Mitglieder der rechtsextremen Szene. Er soll selbst bis zu ihrem Verbot Vorsitzender der neonazistischen Wiking-Jugend gewesen und für die Heimattreue Deutsche Jugend tätig sein sowie der NPD angehören.

Philip S. räumt allerdings ein, teilweise von den Drogengeschäften gewusst zu haben. So habe er einem der anderen Angeklagten ein Darlehen über 30  000 Euro gegeben. Mit Hilfe dieses Geldes habe der Mann über einen Strohmann ein Haus in der Nähe Wismars gekauft, um dort eine professionelle Cannabiszucht zu betreiben.

Die Anklage geht allerdings davon aus, dass der 36-jährige gebürtige Lübecker am Hanf-Anbau und auch am Handel mit Marihuana und Kokain in großem Stil als Bandenmitglied beteiligt war. Angeklagte im Parallelverfahren, das noch im Dezember zu Ende gehen soll, haben dem Vernehmen nach Teilgeständnisse abgelegt, aber offenbar nicht den Namen von Philip S. genannt. Einer dieser Angeklagten sollte gestern als Zeuge aussagen. Dazu kam es nicht. Die Haftanstalt teilte kurzfristig mit, dass der Mann „aus gesundheitlichen Gründen“ nicht nach Schwerin komme.

Andere Zeugen zeigten sich gesprächig. Ein 36-Jähriger beispielsweise. Der verwies auf eigene Rockerclub-Erfahrung, unter anderem bei den Bandidos. Er berichtete nicht nur über das Innenleben eines Rockerclubs und von der Allmacht eines Präsidenten im Allgemeinen, sondern im Besonderen auch von ganz offensichtlichen Kokaingeschäften im Vereinshaus der "Schwarzen Schar", das er öfter besucht haben will. Allerdings liegen seine Beobachtungen länger zurück als die angeklagten Tatvorwürfe. Philip S. ließ kaum ein Auge von dem Zeugen. Das Aufeinandertreffen der beiden war es offenbar, was die Polizei im Vorfeld in Aufregung versetzt hatte. Mit dem Zeugen jedenfalls verschwand auch das Großaufgebot an Uniformierten.

Das Gericht kann auch auf Bänder und Protokolle umfangreicher Überwachung zurückgreifen. Die wurde angeordnet, nachdem ein V-Mann im Dezember 2013 mit detaillierten Informationen auf angebliche Drogengeschäfte von S. aufmerksam machte. Das sagte gestern ein Polizist. Zuvor waren Mitschnitte von der Fahrt im März vorgespielt worden, bei der zwei Angeklagte mit Kokain im Auto der Polizei ins Netz gingen. Einer der Männer hatte u. a. detailliert die Plantage in dem abseits gelegenen Haus beschrieben. „Jetzt sind wir dran. Ach, scheiße“, endet der Mitschnitt. Der Prozess geht heute weiter.

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