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Stavenhagener Verein half Hans-Peter Meitzner : Der rettende Weihnachtsbaum

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Ohne Baum wäre Weihnachten nur halb so schön. Für Hans-Peter Meitzner aus Stavenhagen gilt das sogar im doppelten Sinne: Denn ohne Weihnachtsbäume hätte er in diesem Jahr keine Arbeit mehr gehabt. Doch der Reihe nach:

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erstellt am 24.Dez.2012 | 09:58 Uhr

Stavenhagen | Jahrzehntelang hatte Hans-Peter Meitzner körperlich schwer gearbeitet - auf dem Bau, als Stahlbaumonteur und später in der Forst. Zuletzt war er zehn Jahre lang als Baumpfleger im Forstbetrieb Heydenholz in Behrenhoff bei Greifswald tätig. Doch die Arbeit mit der schweren Kettensäge, mit ständig gekrümmtem Rücken und starken Vibrationen ausgesetzt hinterließ ihre Spuren - der Mittfünfziger war körperlich am Ende. Doch was sollte er tun, für die Erwerbsunfähigkeit war er zu gesund, für die Altersrente zu jung.

Seine Rettung war, dass ihn seineKrankenkasse, die IKK Nord, an den Verein Betriebliches Eingliederungsmanagement im Handwerk (BEM) in Stavenhagen verwies. Getragen von den Kreishandwerkerschaften im Land und der Innungskrankenkasse erarbeitet dieser Verein für und mit Handwerks- und Kleinbetrieben Lösungen zum gesetzlich vorgeschriebenen Eingliederungsmanagement langzeitkranker Mitarbeiter. " Arbeitgeber sind seit 2004 gesetzlich dazu verpflichtet - je kleiner ein Betrieb ist, umso schwerer fällt ihm das aber", weiß Simone Hoppert- Arndt, eine von zwei Eingliederungsberatern des Vereins. Gerade kleine Betriebe wüssten aber auch den Erfahrungsschatz langjähriger Arbeitnehmer zu schätzen, weiß sie. Oft bedarf es deshalb nur einer zündenden Idee, um einen Arbeitsplatz so umzugestalten, dass ein köperlich nicht mehr ganz leistungsfähiger Beschäftigter dort dennoch gut zurechtkommt.

Im Fall von Hans-Peter Meitzner wurde sogar im alten Betrieb ein gänzlich neuer Arbeitsplatz geschaffen: "Sein Chef Robert Köpnick hatte signalisiert, dass er keinen seiner 15 Leute hängenlassen würde", erinnert sie sich. "Und er erzählte von Plänen, das Weihnachtsbaumgeschäft so auszubauen, dass es in naher Zukunft ein Drittel des Gesamtumsatzes für den Betrieb erbringt." Dafür, so Hoppert-Arndt, werden ständig zwei Fachkräfte benötigt. Hans-Peter Meitzner sollte dazugehören. Sein Arbeitgeber eröffnete ihm mit der Umschulung zur Weihnachtsbaum-Fachkraft eine echte Perspektive. "Im wahrsten Wortsinn erfährt er nun sein Glück auf einem nagelneuen, spezialgefertigten Portaltraktor", erzählt Hoppert-Arndt. Das für Hans-Peter Meitzner umgebaute Forstfahrzeug mit beheizbarer Kabine ersetzt komplett die schwere körperliche Arbeit, kann auf Knopfdruck mähen, düngen, sägen. "Die Zuschüsse für den Umbau kamen zu einem Drittel vom Integrationsamt", hebt die Eingliederungsberaterin hervor. "Den Hauptteil der weiteren finanziellen Zuwendungen übernahm der Rentenversicherungsträger."

Quellen zu erschließen, aus denen die notwendige Arbeitsplatzumgestaltung oder Umschulung bezahlt werden kann, ist neben der Ideenfindung eine weitere wichtige Aufgabe der Eingliederungsberater. Über das Modellprojekt "esa MV - eingliedern statt ausgliedern" gibt es beispielsweise bis Ende 2013 vom Landesamt für Gesundheit und Soziales Förderung: "Die Ausgleichsabgabe, die Unternehmen bezahlen müssen, die nicht die gesetzlich vorgeschriebene Zahl Schwerbehinderter beschäftigen, hilft so anderen Menschen mit Handicap, ihren Platz im Arbeitsleben zu sichern", betont die Eingliederungsberaterin. Weitere Quellen seien Berufsgenossenschaften, Krankenkassen und Rentenversicherungsträger. In diesem Jahr hat der Stavenhagener Verein in etwa 200 Fällen Arbeitnehmer beraten und unterstützt, so Hoppert-Arndt. Die Hälfte davon war älter als 50 Jahre. Nur bei jedem Fünften war eine Wiedereingliederung nicht möglich. Fast die Hälfte der Betroffenen konnte - wenn auch mitunter auf einem anderen Arbeitsplatz - im alten Unternehmen weiterarbeiten. So wie Hans-Peter Meitzner. "Sein Arbeitsplatz dürfte jetzt bis zur Rente gesichert sein - und das ist angesichts der Rente mit 67 für Mittfünfziger wichtiger denn je", meint Hoppert-Arndt.

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