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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 03:13 Uhr

Ostsee-Fischfangquoten : Der Quoten-Hering

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Dorschfangquote bleibt auf niedrigem Niveau, die Fangquote für den Hering wird drastisch gesenkt . Die Ostseefischer in Mecklenburg-Vorpommern sehen die Politik gefordert

Die Neuregelung der Fischfangquoten in der Ostsee ist von Fischern und Wissenschaftlern unterschiedlich bewertet worden. Während sich die Fischer im Nordosten vor allem enttäuscht über die Absenkung der Heringsquote um 39 Prozent in der westlichen Ostsee zeigten, war der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, zufrieden. „Das ist ja wie erwartet ausgegangen“, sagte er.

Die zuständigen Minister hatten sich darauf geeinigt, die Fangquoten für den Dorsch in der westlichen Ostsee unverändert zu lassen. Auf ein Fangverbot für den Aal konnten sie sich nicht einigen.

„Keiner ist glücklich über die Kürzung. Viele Fischer haben Existenzängste, wie sie das Jahr überstehen sollen“, sagte der Chef der Fischereigenossenschaft Freest, Michael Schütt. Allein die 26 Fischer der Genossenschaft müssten 2018 mit Umsatzeinbußen von 350 000 Euro rechnen. Landesweit könnten sich die Einbußen auf 1,6 Millionen Euro belaufen. Schütt forderte Ausgleichszahlungen als Kompensation. „Wir können die Verluste nicht durch den Fang anderer Arten kompensieren.“ Die Kutter- und Küstenfischerei sei auf die Hilfe der Politik angewiesen.

„Mit den nun verabschiedeten Gesamtfangmengen können wir nicht leben, werden aber alles daran setzen, das nächste Jahr zu überleben“, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischerei, Dirk Sander. Wichtig sei, das in diesem Jahr begonnene Nothilfeprogramm für die Dorschfischerei weiterzuführen und auf die Heringsfischerei auszuweiten. „Beim West-Hering entspricht der Beschluss genau der wissenschaftlichen Empfehlung und dem Managementplan, das ist gut so“, sagte Zimmermann. Damit könne die Fischerei das MSC-Zertifikat für Nachhaltigkeit behalten.

 

Kommentar “Existenzfrage beantworten“ von Torsten Roth

Die Entscheidung der EU-Fischereiminister war zu erwarten: weniger Hering, weniger Scholle und Lachs – um die Fischbestände in der Ostsee zu schonen, müssen Deutschlands Küstenfischer mehr Netze an Bord lassen. Eine nachvollziehbare und richtige Entscheidung, damit den Fischern auch morgen noch Fische ins Netz gehen. Beständige Fischschwärme in dem europäischen Binnenmeer dürften auch in ihrem Interesse sein.

Nur, die Quotenkürzung allein greift zu kurz. Wenn Europa, die Gesellschaft beschließen, zum Erhalt der Art die Fischerboote im Hafen zu lassen, dann müssen Europa und die Gesellschaft aber auch bereit sein und erklären, wie sie künftig die Existenz der Fischer sichern wollen und ihnen einen auskömmlichen Ausgleich überweisen. Dafür reicht es nicht, wie im vergangenen Jahr, Beihilfen in Aussicht zu stellen und an unrealistische Bedingungen zu knüpfen, die die Betriebe kaum erfüllen können. Praktikable Lösungen sind nötig, ansonsten bleibt den Fischern kaum etwas anderes übrig, als ihre Schiffe abzuwracken – und Verbrauchern Überseefisch aufzutischen.


 

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