Gutshaus in Langensee : Der Professor als Chef-Einkäufer

Ferienkinder, Enkel, Helfer und der Golden Retriever Luna auf dem 'Familienfoto' am Langensee. Hausherr Rolf-Rüdiger Olbrisch ist als Chef-Einkäufer schon wieder unterwegs.
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Ferienkinder, Enkel, Helfer und der Golden Retriever Luna auf dem "Familienfoto" am Langensee. Hausherr Rolf-Rüdiger Olbrisch ist als Chef-Einkäufer schon wieder unterwegs.

Rolf-Rüdiger Olbrisch und seine Frau beherbergen Kinder und Jugendliche zwischen acht und 15 Jahren aus sozial schwachen Familien. Mit Enkeln und Helfern sitzen schon mal 25 Personen zu drei Mahlzeiten am Tisch.

svz.de von
16. Juli 2012, 10:47 Uhr

Langensee | "Es fehlen vier Fleischwürste. Die habe ich doch gestern erst gekauft", ist Rolf-Rüdiger Olbrisch ratlos. Kurze Zeit später die Entwarnung. Die Fleischwürste haben sich wieder eingefunden. "Wenn man mit drei Kühlschränken arbeitet, kann man leicht den Überblick verlieren", bringt er zur Entschuldigung vor.

Der Medizin-Professor im Ruhestand und seine Frau Katharina beherbergen in ihrem Gutshaus in Langensee derzeit Kinder und Jugendliche zwischen acht und 15 Jahren aus sozial schwachen Familien. Mit den Enkeln und den Helfern sitzen schon mal 25 Personen zu drei Mahlzeiten am Tisch. "Da muss einiges herangeschafft werden", schmunzelt der Professor, der als Chef-Einkäufer fungiert. "Eigentlich ist er den ganzen Tag unterwegs", sagt seine Frau.

Vor drei Jahren kamen die Olbrischs auf die Idee, Kinder aus sozial schwachen Familien für eine Ferienwoche in ihrem Gutshaus in Langensee aufzunehmen. "Wir haben ein schönes Grundstück mit dem Langensee am Haus, eine geräumige Scheune für Unterkünfte, genug Platz im Gutshaus. Da haben wir uns gesagt, dass wir das doch mit bedürftigen Kindern teilen sollten", sagt Katharina Olbrisch.

Beide engagieren sich seit Jahrzehnten bei den Johannitern und über diesen Wohlfahrtsverband stellten sie auch den Kontakt zur "Teestube" in Finsterwalde her. "In der Region wurde früher Braunkohle abgebaut, aber seit die Förderung eingestellt ist, ist die Arbeitslosigkeit extrem hoch. In der Teestube’ werden Kinder aus sozial schwachen Familien von den Johannitern und der Finsterwalder Tafel betreut", weiß Katharina Olbrisch. So war der Deal schnell vereinbart: Die Johanniter stellen zwei Betreuer und sorgen für den Transport der Kinder, die Olbrischs kommen für Kost und Logis auf. Drei erwachsene Kinder der Gastgeber helfen in der Küche. Jeweils einen halben Tag verbrachten die Ferienkinder auf dem Gehöft mit Spielen, Malen, Basteln oder Baden im See. Die restliche Zeit ging’s auf Tour: Ostsee, Besichtigung der Parumer Kirche, Ausflug in den Natur- und Umweltpark, Draisine fahren, Ganschower Stutenparade, Erdbeerhof in Tieplitz. "Bei Yvonne von Lear durften die Kinder kostenlos Erdbeeren pflücken. 35 Kilo haben wir geschafft", berichtet Betreuerin Jessica Hans. Die Früchte wurden zu Torte, Eis und Marmelade verarbeitet.

"Ohne Hilfe wäre das umfangreiche Programm, das ja auch Geld kostet, nicht zu schaffen", sagt Katharina Olbrisch, die als Geschenke zu einem runden Geburtstag Geld für die Kinderbetreuung erbeten hatte. Unterstützung kam auch von der Ortsgruppe Güstrow der Johanniter Hilfsgemeinschaft oder von Friedhelm Mencke für die Eintrittskarten zur Stutenparade.

Die Woche tut den Kindern unheimlich gut, schließt sie auf, macht sie kommunikativ. Jessica Hans hat das erlebt. "Die Fahrt nach Langensee verläuft langweilig, fast traurig. Keiner redet, alle sitzen und schweigen. Bei der Rückfahrt ist das anders. Da wird über die Erlebnisse gesprochen, alle sind aufgekratzt. Da geht es richtig lustig zu", sagt sie.


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