Verschwundenes Paket : Der Postraub-Krimi II

In vielen Paketzentren der Post sorgt offenbar ein fehlerhaftes Computersystem für schwerwiegende Fehler.
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In vielen Paketzentren der Post sorgt offenbar ein fehlerhaftes Computersystem für schwerwiegende Fehler.

Es sollte eine Geburtstagsüberraschung für ihre Tochter werden, doch das Paket kam nie an. DHL übernimmt nicht volle Kosten

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08. März 2016, 05:00 Uhr

Es sollte eine Überraschung werden. Als kleine Wiedergutmachung, weil sie nicht persönlich beim 50. Geburtstag ihrer Tochter sein konnten, erzählt Ursula Brandt aus Sülstorf bei Schwerin. „Wir wollten eigentlich am Wochenende zu ihr fahren, aber mein Mann hatte eine OP und so mussten wir leider absagen. Das tat mir so leid“, erinnert sich die Rentnerin. Kurzerhand beschlossen Brandt und ihr Mann, ein Paket zu schicken. Damit ihre Tochter zumindest das Geschenk pünktlich erhielte. Das ist fast drei Monate her. Doch das Paket kam bis heute nicht an. Verschwunden auf dem Postweg – wieder einmal.

Erst im Februar berichteten wir von dem verloren gegangen Schmuck von Hanne Moritz. Die Schwerinerin hatte ein Paket mit Ohrringen und Ketten über die Posttochter DHL an eine An- und Verkaufsstelle verschickt. Der Karton kam beschädigt zu ihr zurück. Der Inhalt war verschwunden. Besonders ärgerlich: DHL weigerte sich damals eine entsprechende Entschädigung zu bezahlen. Als Begründung gab das Unternehmen an, dass der Wert des Paketinhalts die Versicherungssumme von 500 Euro überschreite. Eine Entschuldigung von DHL bekam Moritz nicht.

Ähnlich geht es nun auch Brandt. Als sie den Artikel in unserer Zeitung las, war sie erleichtert: „Es ist gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.“ Es war November als sie das Paket mit den Geschenken für ihre Tochter mit DHL verschickte. „An ihrem Geburtstag rief dann unsere Tochter an und ich dachte: Überraschung gelungen. Doch die Überraschung war gar nicht angekommen“, erinnert sich Brandt. Fast täglich telefonierte die Rentnerin damals mit DHL. Schließlich bekam sie einen Brief. Darin wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Paket wohl verloren gegangen sei. Sie solle die Belege des Inhalts vorlegen, um die Kosten zurück zu bekommen. Doch die hatte Brandt nicht mehr. „Wer denkt schon daran, die Quittungen aufzuheben, wenn man ein Paket packt?“ Also erstellte Brandt eine Liste mit den Artikeln und erfragte in den Geschäften deren genaue Preise. Auf 209 Euro kam sie so.

Und was bekam Brandt von DHL? 50 Euro plus 8,49 Euro Portokosten – eine Ersatzleistung, weil sie den genauen Wert nicht belegen konnte. „Ich habe das Vierfache für das Geschenk ausgegeben“, meint Brandt. Und dieses wollte sie auch zurück. „Ich habe gesagt, die sollen das Paket suchen. Denn ich hatte noch immer keine Mitteilung bekommen, was überhaupt unternommen wurde, um es zu finden. Da muss doch jemand lange Finger gemacht haben.“

Schließlich wandte Brandt sich mit einem Brief an die Wirtschafts- und Verbrauchersendung „Markt“ vom NDR. Sie schilderte ihre Probleme und schickte eine Kopie an DHL. Und – wer hätte es gedacht – prompt rief von der Posttochter eine Mitarbeiterin an. „Auch sie erklärte mir zunächst, dass es ohne Belege nur eine Ersatzleistung gebe“, erzählt Brandt. „Doch dann die große Überraschung: Die Dame sagte, da DHL sich ja zufriedene Kunden wünsche, würden sie mir noch einmal 80 Euro geben.“

Für Brandt ist das nur ein kleiner Erfolg. „Das ist ja nicht so, dass man unehrlich wäre. Das Paket könnte ja noch gefunden werden. Wenn ich dann falsche Angaben gemacht hätte, würde ich mich doch strafbar machen.“ Hoffnung auf ein Einsehen hat sie nicht. „Ich muss meine Akte schließen. Ich bleibe jetzt auf dem ganzen Kram sowieso sitzen.“ Doch wie kann es sein, dass immer wieder Pakete verschwinden? „Wir liefern 3,4 Millionen Pakete jeden Tag aus. Da kann es passieren, dass einige fehlgeleitet werden“, sagt Jens-Uwe Hogardt, Pressesprecher von DHL. „Auch unsere Mitarbeiter sind nicht gefeit vor Fehlern.“ Um Diebstähle zu verhindern, hätte DHL den Sachbereich „Sicherheit“ eingerichtet. „Bei einem besonderen Verdacht werden Maßnahmen ergriffen, um den Täter auf frischer Tat zu ertappen“, so Hogardt. Beispielsweise würden dazu Pakete entsprechend präpariert werden. Werde ein Mitarbeiter beim Stehlen erwischt, werde die Polizei informiert, Anzeige erstattet und derjenige erhielte Hausverbot, so Horgardt. „Es handelt sich ja nicht um unsere Ware, sondern die Ware der Kunden und dafür müssen wir Verantwortung tragen.“

Warum Brandt nicht die volle Summe des Paketinhalts erstattet bekommen hat, kann der Pressesprecher in diesem konkreten Fall nicht sagen. „Oft ist es so, dass die Kunden die Preise des Inhalts nicht plausibel erklären können“, so Hogardt. Er empfiehlt daher, immer die Quittungen aufzuheben.

Brandts Paket ist weg, der Frust jedoch bleibt: „Diese Ungerechtigkeit. Das tut so weh und macht so machtlos.“ Nun habe bald auch ihre Enkelin Geburtstag. Eigentlich schicke sie dann immer ein Paket. „Doch darauf werden wir wohl verzichten. Der Stachel sitzt noch zu tief.“

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