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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 07:27 Uhr

Alter Schmuck weg : Der Postraub-Krimi

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Schmuck von Hanne Moritz verschwindet auf dem Postweg. DHL will 500 Euro Schadensersatz nicht zahlen

svz.de von
erstellt am 12.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Hanne Moritz ist fassungslos. Eigentlich wollte sie nur etwas alten Schmuck an die Edel-MetallService GmbH (ESG) in Rheinstetten in Baden-Württemberg verkaufen. Sie verschickte den Schmuck mit der Posttochter DHL. Doch das Paket kam nie am Zielort an. Der Inhalt verschwand irgendwo auf dem Weg zwischen Schwerin und Rheinstetten. Und DHL macht nichts.

„Der Schmuck muss von einem DHL-Mitarbeiter entwendet worden sein. Ob es ein Zusteller war oder ein Verpacker, weiß ich nicht“, meint Moritz. „Ich habe den Schmuck von meiner Großcousine geerbt. Er entsprach nicht mehr dem, was man heute so trägt.“ Bevor die Ketten und Ohrringe für immer in einer Schublade verschwänden, wollte die Schwerinerin sie lieber zu etwas Geld machen.

„Ich habe mir vorher die für den Versand von Schmuck erforderlichen Regelungen auf der Internetseite genau durchgelesen“, schildert Moritz. Die Ketten und Ohrringe hätte sie in einzelne Tüten aus Blasenfolie verpackt, „so dass nichts klappern oder herausfallen kann“. Und schließlich hätte sie für den Versand einen sehr stabilen Karton gewählt. „Den habe ich dann noch kreuz und quer mit einem drei Zentimeter breiten Klebeband umklebt.“

Um so erstaunter war sie, als ihr DHL das Paket nach einer Woche zurückbrachte. Darauf ein Aufkleber: „Die Annahme der Sendung wurde verweigert.“ – „Ich musste feststellen, dass der Karton an einer Ecke gewaltsam geöffnet worden war“, erzählt Moritz. Jemand hätte das Klebeband zur Seite geschoben. Und dann der Schock: Der Schmuck war weg.

Moritz erstattete Anzeige. Bei DHL stellte sie einen Nachforschungsantrag. Immerhin sind Pakete im Normalfall bis zu 500 Euro versichert. Doch damit ging das Problem erst richtig los. Im September erhielt Moritz folgenden Brief von DHL: „Ihr Paket enthielt sogenannte Valoren der Klasse II, mit einem Wert von mehr als 500 Euro. Die Höchstgrenze für den Versand solcher Gegenstände liegt bei insgesamt 500 Euro.“ Den Versand höherer Werte schlössen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen jedoch aus, geht aus dem Schreiben hervor. „Liegt der Wert des Sendungsinhalts dennoch darüber, ist eine Haftung im Falle eines Verlustes oder einer Beschädigung ausgeschlossen.“ Sprich: Geld für den verlorengegangenen Schmuck gibt es von DHL nicht.

„Wie kann es sein, dass DHL weiß, wie viel der Schmuck wert ist, wenn nicht einmal ich das wusste?“, fragt sich Moritz nun. Immerhin hätte sie von der ESG den Wert erst schätzen lassen wollen.

Dass der Schmuck von Mitarbeitern der DHL gestohlen wurde, da ist sich die Schwerinerin sicher. Immerhin erreichte das Paket nie seinen Bestimmungsort in Rheinstetten. „Ich will keinen Ärger. Ich will doch einfach nur die 500 Euro haben“, meint Moritz. Auf zwei Zentimeter sei der Aktenstapel mit dem Schriftverkehr zwischen ihr und DHL schon angewachsen. Die Polizei hat das Verfahren nun eingestellt.

DHL konnte sich auf Nachfrage unserer Zeitung zu diesem speziellen Fall vorerst nicht äußern, versprach jedoch, der Sache nochmals auf den Grund zu gehen. „Die Sachlage liegt mir nicht im Detail vor. Aber wenn die Annahme verweigert wurde, dann ist schon einmal irgendetwas komisch gelaufen“, bestätigt Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt. Dass das Paket bereits beschädigt beim Empfänger angekommen sein muss, dementiert er. „Wir teilen Pakete nicht aus, wenn sie offensichtlich beschädigt sind.“ In diesem Falle ginge das Paket an das Packzentrum zurück. Dort werde geprüft, ob eine Nachverpackung nötig ist, bzw. eventuell verdorbene oder ausgelaufene Lebensmittel vernichtet werden müssen.

Dass der Inhalt von Mitarbeitern der Post beziehungsweise DHL entwendet wurde, wird von Hogardt weder dementiert noch bestätigt. Auch er weist noch einmal darauf hin, dass die Haftung im Falle des Verlustes ausgeschlossen ist, sollte der Wert des Inhalts über 500 Euro liegen. „Mir liegen die Gesprächsprotokolle nicht vor. Aber vielleicht hat die Dame im ersten Moment einen höheren Wert angegeben“, vermutet er. Das sei jedoch nur eine Spekulation. Hogardt empfiehlt Postkunden, ihr Paket gleich richtig zu versichern, damit im Schadensfall oder bei Verlust der Betroffene schnell entschädigt wird. Ein Paket mit einem Wert von bis zu 2500 Euro könnte man bereits für 4,50 Euro versichern. 18 Euro kostet die Versicherung für Pakete von bis zu 25 000 Euro.

Hanne Moritz hilft dieser Tipp vorerst nicht weiter. Um ihr Geld will sie dennoch weiterkämpfen.

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