Meeresmuseum Stralsund : Der Panzer verrät alles

Tierarzt Dr. Dieter Göbel untersucht  im Meeresmuseum  Stralsund  eine 31 Jahre alte Suppenschildkröte.
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Tierarzt Dr. Dieter Göbel untersucht im Meeresmuseum Stralsund eine 31 Jahre alte Suppenschildkröte.

Die fünf großen Stralsunder Meeresschildkröten stellten sich zur Jahresuntersuchung dem Arzt vor

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07. Februar 2014, 12:08 Uhr

„Das ist wie Zähneputzen“, sagt Tierarzt Dieter Göbel, während er die Fugen zwischen den Panzerplatten einer 112 Kilogramm schweren Suppenschildkröte mit einem feinen Schaber reinigt. „Hier sind die empfindlichsten Stellen der Schildkröten, bei denen sehr schnell Verletzungen entstehen oder sich Infektionen entwickeln können.“

Nur widerwillig lässt sich die mit rund 30 Jahren noch sehr junge Dame die Reinigung gefallen. Vier Männer sind nötig, um sie daran zu hindern, vom Untersuchungstisch im Stralsunder Meeresmuseum zu kriechen. Nach der Reinigung des Panzers entnimmt der Tierarzt Proben von den Schleimhäuten.

Und er untersucht die inneren Organe mit Ultraschall. „Aber der Panzer ist am wichtigsten. Von seinem Zustand aus kann man sehr viele Rückschlüsse auf den allgemeinen Gesundheitszustand ziehen.“ Wichtig auch: Der Schildkröte wird ein Mikrochip eingesetzt – eine elektronische Kennzeichnung, laut EU-Artenschutzrichtlinie gefordert.

Fünf der teils mehr als 100 Kilogramm schweren Schildkröten leben zusammen mit tropischen Fischen und zwei kleinen Haien in einem Aquarium des Deutschen Meeresmuseums. Vier von ihnen sind Weibchen: zwei rundliche Suppenschildkröten, die neugierig auf Futter immer wieder auf die Besucher jenseits der Glasscheibe zuschwimmen, eine Unechte und eine Echte Karettschildkröte. Lediglich die um 1965 geschlüpfte Unechte Karettschildkröte hat seit ein paar Jahren einen männlichen Partner. Der war 2005 nach Stralsund gekommen.

Doch obwohl die Ärzte in jedem Jahr bei ihr das Reifen der Eier beobachten, hat es mit dem Nachwuchs noch nicht geklappt. „Weltweit ist das nur an ganz wenigen Orten gelungen“, sagt Göbel. Die Schildkröten sind dafür bekannt, zur Eiablage riesige Strecken bis zu ihrem Geburtsort zurückzulegen. Dort kommt man aus dem Aquarium allerdings nicht hin.

Noch immer werden die in den Meeren als Einzelgänger lebenden Tiere gejagt oder sie enden in Fischnetzen, in denen sie unter Wasser ertrinken. Außerdem gibt es auch immer noch Schmuggel: Zwei Schildkröten in Stralsund sind auf verbotenen Wegen nach Deutschland gelangt. Eine wurde beim Zoll beschlagnahmt, eine andere mit einer Ladung Fische in eine Zoohandlung geschmuggelt, wo sie ein Auszubildender für eine Weile in seiner Wohnung hielt.

Es sind nur noch wenige Zoologische Gärten oder Aquarien, die die idealen Lebensbedingungen für die tropischen Riesen bieten können. Und so kommen sie dann früher oder später nach Stralsund. Und dort leben sie – wenn man den Untersuchungen von Tierarzt Göbel glaubt – ziemlich gesund.

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