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Deutscher Schlager : Der „Ostseeholzmichl“ lebt immer noch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Diskussion um mehr deutschsprachige Musik im Radio erhitzt die Gemüter – Die Matrosen in Lederhosen erzählen, wie die Schlagerbranche tickt

Der deutsche Schlager lebt! Es ist 15.10 Uhr. Die Matrosen in Lederhosen stehen kurz vor ihrem großen Auftritt auf der Ostsee Messe. Fiedl, Eixi und Hein haben sich in Schale geworfen. Sie sind nervös. Dann geht das Licht an. Die Show beginnt. Heute spielen die drei vor dankbarem Publikum, wie sie sagen. Es ist Donnerstag und vor der Bühne sitzen Senioren. „In der Woche haben wir viele Auftritte vor Rentnern“, erzählt Eixi, der mit bürgerlichem Namen Thomas Eixner heißt.

Es dauert nicht lange bis geschunkelt und in die Hände geklatscht wird. Eine Stunde lang stimmen die drei Männer einen Song nach dem anderen an, zwischendurch erzählen sie kleine Anekdoten. „Zwei von uns sind als DJ aktiv. Da lernt man zu unterhalten“, sagt Fiedl (Michael Fiedler), der „Kapitän“ der Gruppe. „Entertainment wird immer wichtiger. Nur wenn man das Publikum direkt anspricht, bleibt es auch sitzen.“

Ob Großevent oder im kleinen Rahmen – die Matrosen in Lederhosen sind bundesweit unterwegs. „In dieser Branche muss man überall auftreten“, erklärt Hein (Thomas Selendt), der nebenbei ein eigenes Tonstudio betreibt. „Momentan brauchen wir alle noch einen zweiten Job, um gut leben zu können“, sagt Eixi. „Die Tendenz für die Matrosen in Lederhosen ist nicht die schlechteste, wir müssen nur durchhalten.“

Immerhin kann die Gruppe bereits auf eine zehnjährige Bandgeschichte zurückblicken. 2005 hatten die Matrosen in Lederhosen ihren ersten Auftritt, damals noch als die Strandfichten. „Der Name erinnerte zu sehr an De Randfichten. Wir mussten ihn ändern, um nicht als Double abgestempelt zu werden“, erinnert sich Eixi. Die Songs aus Strandfichten-Zeiten werden dennoch regelmäßig angestimmt. „Was gut läuft, muss man nicht streichen“, sagt Fiedl. Der „Ostseeholzmichl“ gehört dazu.

„Wir sind befreundet mit De Randfichten. Wir achten, was die machen“, erklärt die Gruppe. Enge Freundschaften seien im Schlager-Geschäft eine Seltenheit. „Die Branche ist hart umkämpft. Das haben wir im letzten Jahr beim Alpen Grand Prix in Italien gemerkt. In den Proben hat niemand gezeigt, was er drauf hat. Im Backstage-Bereich war die Stimmung unterkühlt“, erzählt Hein. Trotz großer Konkurrenz konnten die Matrosen in Lederhosen den dritten Platz belegen. „Das hat uns Aufmerksamkeit beschert. Es ist schwierig, Öffentlichkeit zu bekommen“, findet Eixi. Ein Problem, das auch der CDU-Politiker Franz-Robert Liskow erkannt hat. Vergangenen Sonntag forderte er, dem deutschem Schlager mehr Beachtung zu schenken. Der Landesvorsitzende der Jungen Union forderte von der Landesregierung in Schwerin eine „freiwillige Selbstverpflichtung“ beim Rundfunkrat durchzusetzen. Dabei schlug er einen Schlager-Anteil von 35 Prozent vor. Das ist die Mindestquote, die bereits 2004 vom Bundestag empfohlen wurde. Liskow appellierte: „Der NDR glaubt noch immer, junge Leute wollen nur internationale Popmusik hören. Die sollen mal in Helene Fischer-Konzerte gehen.“ Joachim Böskens, Chefredakteur des NDR in MV reagierte: „Unser Musikangebot ist darauf ausgerichtet, generationsübergreifend möglichst viele Mecklenburger und Vorpommern zu erreichen. Unser Programm muss dabei immer gelenkig bleiben, um den Spagat zu meistern, jüngere Zielgruppen für NDR 1 Radio MV zu begeistern und ältere nicht zu verprellen. Bei Menschen über 60 Jahre haben wir in der vergangenen Media-Analyse steigende Beliebtheitswerte attestiert bekommen.“

Während Politik und Rundfunkanstalten über Schlager-Quoten diskutieren, versucht sich der Berliner Schlager-Sender B2 in MV zu etablieren. „Wir bringen den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern den Schlager zurück“, erklärt B2-Geschäftsführer Oliver Dunk. Aber derzeit sendet B2 in MV lediglich über Kabel. Dunk hat sich vergebens um UKW-Frequenzen in Rostock, Schwerin und Stralsund beworben. Über eine feste Frequenz für B2 würden sich die Matrosen in Lederhosen freuen, über eine Schlager-Quote für Radiosender nicht. „Jede Radioredaktion sollte den Anspruch haben, den Musikgeschmack aller Hörer zu bedienen. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender, die durch die Gebühren jeder Generation finanziert werden, sollten auch jeder Generation etwas zurückgeben“, meint Fiedl.

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