zur Navigation springen

Kinderbetreuung : Der Osten hängt den Westen ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sachsen-Anhalt bei der Kita-Betreuung spitze. In MV liegt die Quote bei 56 Prozent

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Mit anderen Kindern den ganzen Tag toben, unter den wachsamen Augen der Erzieher basteln und fernab des eigenen Kinderzimmerbettchens einen Mittagsschlaf machen: Im Bördekreis in Sachsen-Anhalt ist das für die meisten Kleinkinder ganz normal. In keinem anderen Landkreis in Deutschland geben so viele Eltern ihre unter Dreijährigen in eine Kita oder zu einer Tagesmutter wie hier, wie aus der gestern in Wiesbaden veröffentlichten Bundesstatistik hervorgeht. Das hat viele Gründe – vor allem historische.

Die Betreuungsquote lag den Angaben zufolge zum Stichtag am 1. März 2015 im bundesweiten Durchschnitt bei 32,9 Prozent.

Der Landkreis Börde führte die Statistik mit 63,1 Prozent an – noch vor dem Landkreis Jerichower Land (ebenfalls Sachsen-Anhalt) mit 62,9 und dem Landkreis Elbe-Elster (Brandenburg) mit 62,2 Prozent. Schlusslicht war der bayrische Landkreis Berchtesgadener Land in den Alpen. Hier lag die Quote bei nur 13 Prozent.

Zwischen Ost und West klafft ein starkes Gefälle. Den Angaben zufolge wird im Osten mehr als die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren in einer Kita betreut. Im Westen lag die Betreuungsquote am 1. März 2015 mit 28 Prozent deutlich darunter – trotz massiven Ausbaus der Angebote in den letzten Jahren. Unter den Bundesländern rangiert Sachsen-Anhalt (57,9 Prozent) vor Brandenburg (56,8 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (56 Prozent). Die rote Laterne trägt Nordrhein-Westfalen mit 25,9 Prozent.

„Was uns vom Westen Deutschlands unterscheidet, ist die gute Akzeptanz bei Eltern und Großeltern“, sagt der Sachgebietsleiter für die Kindertagesbetreuung im Landkreis Börde, Matthias Wendt, in Haldensleben. Diese sei historisch gewachsen. In der DDR ging faktisch jedes Kind in einen Kindergarten, während beide Elternteile arbeiteten. Im Westen blieben die Mütter oft mit den Kleinen daheim.

Heute profitiert die Börde – wie der gesamte Osten – von den Strukturen. „Wir haben noch heute ein flächendeckendes Netz an Kitas“, erklärt Wendt. Nach der Wende wurden die Einrichtungen in der Börde einfach saniert. Das Resultat heute: knapp 180 Einrichtungen, kurze Wege und breit aufgestellte Kita-Profile – von der Kneipp-Kita bis zum Waldkindergarten wird alles geboten.

„Wer arbeitet, braucht einen Kita-Platz“, sagt Wendt. Da das Einkommensniveau in der Region zudem relativ gering sei, müssten meist beide Elternteile arbeiten – entweder in der angrenzenden Landeshauptstadt Magdeburg oder im Dutzende Kilometer entfernten, aber wirtschaftsstarken Wolfsburg, so der Betreuungsexperte. Die Folge: lange Arbeitswege, weniger Zeit für den Nachwuchs. „Die Kinder sind oft acht bis zehn Stunden in den Einrichtungen.“

Anders gestaltet sich das im äußersten Süden Deutschlands, im Berchtesgadener Land – dem Schlusslicht der Statistik. Viele Gemeinden in der Region sind traditionell geprägt, mit malerischen Bauernhöfen, saftigen Wiesen, hohen Bergen – und konservativen Wertvorstellungen. „Dazu gehört auch eine Versorgung der Kinder in der eigenen Familie“, sagt eine Sprecherin des Landratsamtes in Bad Reichenhall. „Es gibt immer wieder vereinzelten Bedarf an Betreuungsplätzen, jedoch kann dieser gedeckt werden.“ Viele Mütter mit Kleinkindern blieben lieber zu Hause oder spannten die Großmütter ein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen