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Kfz-Zulassungspapiere in Ribnitz-Damgarten gestohlen : Der Nepp mit Fahrzeugpapieren

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Das perfekte Verbrechen? Bei einem Einbruch in der Kfz-Zulassungsstelle in Ribnitz-Damgarten wurden vor wenigen Tagen mehrere Vordrucke Fahrzeugpapiere gestohlen. Und das ist kein Einzelfall im Land.

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2013 | 09:18 Uhr

Schwerin/ Rostock | Das perfekte Verbrechen? Das gibt es nicht, werden viele sagen. Ein Gaunertrick ist - zumindest anfänglich - für die Betroffenen nur schwer zu durchschauen. Gemeint ist der Betrug mit gestohlenen Fahrzeugpapieren. Immer wieder werden dazu Blanko-Zulassungspapiere aus Kfz-Zulassungsstellen entwendet. So geschehen vor wenigen Tagen in Ribnitz-Damgarten.

Bei einem Einbruch in die dortige Zulassungsstelle wurden laut Polizei unter anderem mehrere Vordrucke von Fahrzeugpapieren gestohlen. Auch eine unbekannte Anzahl an HU-Plaketen wurde entwendet. "Bis jetzt gibt es noch keine speziellen Tatverdächtigen. Die Ermittlungen laufen noch", äußerte sich Maike Peters von der Polizeiinspektion Stralsund einige Tage nach dem Einbruch zu unserer Nachfrage.

Der Vorfall in Ribnitz-Damgarten ist nicht der einzige im Land. Rund zwei Jahre zuvor gab es einen ähnlichen Einbruch in die Kfz-Zulassungsstelle in Anklam. Gegen einen Stralsunder hat Mitte April diesbezüglich ein Prozess begonnen. Dem 36-Jährigen wird vorgeworfen, dass er im Februar 2011 in die Zulassungsstelle eingedrungen sei. Dabei soll er mehr als 2500 Vordrucke für Fahrzeugscheine oder -briefe und Siegel sowie zehn Tüv-Prüfplaketten gestohlen haben. Das Amtsgericht Greifswald prüft derzeit, ob sich der Vorwurf des gewerbsmäßigen Diebstahl bestätigt.

Ob Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Einbrüchen bestehen, kann Maike Peters von der Polizei Stralsund nicht sagen: "Wir ermitteln jetzt in alle Richtungen." Ein Ermittlungsstrang sei sicher auch herauszufinden, ob es Verbindungen zu dem aktuellen Einbruch in Ribnitz-Damgarten gibt.

Vermutlich bestehen aber nicht nur zwischen den beiden Fällen aus MV Zusammenhänge. Möglicherweise agieren die Täter im großen Stil. "Die Wahrscheinlichkeit, dass hinter den Einbrüchen Banden stecken, ist groß", bestätigte auch Synke Kern, Sprecherin des Landeskriminalamtes. Auch in früheren Medienberichten wurden Einbrüche in Zulassungsstellen thematisiert. Dort ist die Rede davon, dass international agierende Autoschieberbanden dahinter stecken. Sie ziehen eine fiese Betrugsmasche mit den gestohlenen Dokumenten ab. Die Einbrüche in Zulassungsstellen waren in diesen Fällen meist Auftragskriminalität.

Und so funktioniert der Betrug: Die Masche geht einher mit dem Diebstahl eines Autos. Die Daten des Fahrzeugs werden dann von den Tätern in die ebenfalls gestohlenen Blanko-Zulassungspapiere eingetragen. So erhält der Wagen scheinbar saubere Papiere. Für Privatpersonen ist dieser Nepp beim Autokauf kaum zu durchschauen. Denn wer die Fahrzeugdaten, wie zum Beispiel die Identifizierungsnummer am Fahrzeug, überprüft, wird feststellen, dass sie mit denen in den Papieren identisch ist.

Erst bei der Anmeldung in der Zulassungstelle fliegt der Betrug auf. "Hier sind alle gestohlenen Zulassungsscheine registriert", weiß Stephan Immen vom Kraftfahrt-Bundesamt. Auch wer ein geklautes Auto mit gefälschten Papieren im Ausland anmelden möchte, hat schlechte Karten. "Es ist europaweit sichergestellt, dass solche Fälle bei der Zulassung auffallen", so Immen. Denn die Registrierung gestohlenener Papiere erfolgt in ganz Europa.

Die Blanko-Fahrzeugpapiere, die in der Kfz-Zulassungsstelle in Anklam gestohlen wurden, sind zum Teil noch im Umlauf. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Neubrandenburg sind inzwischen 173 Fälle bekannt, bei denen Privatpersonen oder Firmen in Deutschland und dem europäischen Ausland dadurch geschädigt wurden. Ob die aus der Zulassungstelle Ribnitz-Damgarten gestohlenen Papiere ebenfalls kursieren, ist bis jetzt nicht bekannt.

Dass es sich bei den Einbrüchen in An klam und Ribnitz-Damgarten nicht um Einzelfälle handelt, darauf könnten auch die Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) hinweisen. Denn die Behörde gibt an, dass derzeit bundesweit nach fast 35 000 entwendeten Blanko-Zulassungspapieren gefahndet wird. Insgesamt sind 14 769 Fahrzeugscheine sowie 19 818 Fahrzeugbriefe zur Fahndung ausgeschrieben.

Die Seriennummern der gestohlenen Papiere sind polizeiintern registriert. Diese Nummern werden jedoch nicht veröffentlicht. "Grund dafür ist vor allem, dass so den Straftätern nicht die Möglichkeit gegeben wird, Überprüfungen ihrer erlangten Dokumente vornehmen zu können", äußerte sich das BKA auf unsere Nachfrage. Auch wäre es organisatorisch kaum möglich, diese Veröffentlichung aktuell zu halten. So würden Verbraucher auch vor Autokauf keine hundertprozentige Sicherheit haben.

Dass eine Bekanntgabe der Seriennummern abschreckend wirken könnte, sei kein ausreichender Grund. So können sich Käufer von gestohlenen Gebrauchtwagen im Vorhinein kaum schützen. Und haben dann bei der Zulassung das Nachsehen. Denn fällt der Betrug auf, ist es für die Käufer schon zu spät. Geld und Fahrzeug sind dann meist futsch - laut § 935 BGB kann man nämlich an gestohlenen Sachen kein Eigentum erwerben. Auch nicht gutgläubig - also, wenn man nicht wusste, dass es sich um ein gestohlenes Auto handelte.

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