Ernte : Der Mensch denkt, der Mähdrescher lenkt

Jan Kiehn sitzt im Mähdrescher und erntet die Felder ab.  Fotos: Gottmann (2)
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Jan Kiehn sitzt im Mähdrescher und erntet die Felder ab. Fotos: Gottmann (2)

Die Rapsernte ist in vollem Gange: Moderne Technik macht es möglich, dass die Maschinen heute nahezu von selbst über die Felder fahren

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23. Juli 2014, 11:46 Uhr

Laut ist es. Und staubig. Auf dem Rapsfeld bei Besitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim ist es um halb elf noch dazu genauso unerträglich heiß wie im gesamten Mecklenburg. Auf dem Feld steht ein riesiger Mähdrescher, „der größte von John Deere“, sagt stolz Landwirt Toralf Phohl, der Geschäftsführer der MAM Nord Besitz-Blücher e.G, zu der dieses elf Hektar große Rapsfeld gehört.

Über eine Leiter kann man einsteigen. Oben in der Fahrerkabine ist es angenehm kühl. Jan Kiehn hat die Klimaanlage angemacht und hört Radio. Der Angestellte ist bereits dabei, von außen Runden um das Feld zu fahren. „Damit zeichne ich das Feld auf. Der Mähdrescher hat Verbindung zu einem GPS-Satelliten“, erklärt er und zeigt auf das Display neben dem Lenkrad. Nun drückt er einige Felder auf dem Display. „Ich stelle damit eine AB-Linie ein. Dann fährt der Mähdrescher auf einer Linie geradeaus“, erläutert Kiehn. Zusätzlich zum Display ist ein orangefarbender Schaltknopf angebracht, auf dem mehrere Tasten sind. Mit dem einen wird das Schneidwerk hoch- und runtergenommen. Da der Boden sehr uneben ist, muss Jan Kiehn dies ausgleichen. Nachdem die AB-Linie eingestellt ist, wird der Mähdrescher nicht mehr außen herum, sondern über das Feld gelenkt. „Jetzt muss ich nicht mehr lenken“, erläutert der Fahrer. Der Mähdrescher mit seinem siebeneinhalb Meter breiten Schneidwerk fährt schnurgeradeaus.

Dann piept es plötzlich. „Der Korntank ist dreiviertelvoll. Er blinkt einmal auf, so dass mein Kollege auf dem Traktor vorgewarnt ist.“ Als der Mähdrescher erneut piept, bedeutet das, dass der Tank nun voll ist. Der Traktor fährt samt Anhänger langsam neben dem Mähdrescher her. Durch ein drehbares Rohr wird der Korntank während der Fahrt abgeladen. In enormem Tempo; es dauert nicht lange, bis der Speicher wieder leer ist. Drei Ladungen passen auf den Anhänger. Nun wird der Traktor auf den Betrieb gefahren und die Rapskörner in die Halle gekippt.

Das Piepen geht aber weiter. Sobald der Mähdrescher über die zuvor eingezeichnete Feldgrenze kommt, wird dies signalisiert. Nun wird umgedreht und eine neue Spur gefahren. Und auch diese nicht einfach so. Auf dem Display erscheinen weiße Linien. „Die zeigen mögliche Parallellinien zu der AB-Linie an. Sobald man eine auswählt, wird wieder ohne selber zu lenken geradeaus gefahren.

Plötzlich stockt es: Unkraut hat sich im Schacht verfangen. „Früher hätte man schön puhlen können, bis man das wieder raus hat“, sagt Jan Kiehn schmunzelnd. Doch an der modernen Maschine stellt er die Bewegung in die entgegengesetzte Richtung ein. Statt neuen Raps einzuziehen, wird der Schacht geleert. So lange, bis die Ernte fortgesetzt werden kann. „Das ist der Nachteil, wenn der Raps halb liegt und halb steht“, meint Kiehn, „dadurch, dass ich oft sehr tief komme mit dem Schneidwerk, kommt Unkraut mit rein.“

Doch wie kommen die kleinen schwarzen Rapskörner in den Korntank, während alles Übrige wieder auf dem Feld landet? „Der Raps wird über das Schneidwerk aufgenommen und kommt über eine Trommel in das Druschsystem. Dort ist ein Rotor. Der Spalt zwischen diesem und dem Korb ist sehr eng, so dass die meisten der Rapskörner ausgerieben werden“, fängt Jan Kiehl an zu erläutern. „Der gedroschene Raps wird in den Abschneidebereich geleitet. Dort werden die übrigen Körner vom Rest getrennt. Danach läuft das Gut über Lamellensiebe, die in ihrer Öffnung verstellbar sind. Zusätzlich kommt Wind von unten. Die Rapskörner fallen durch das Sieb, der Rest fliegt hoch und wird durch den Häcksler verkleinert und wieder auf den Acker gestreut.“

In der Zwischenzeit sind Jäger auf den Acker gefahren. Sie hoffen, dass Wildschweine im Raps umherlaufen. Das tun sie auch und ihr Versteck wird immer kleiner, je mehr Spuren abgeerntet werden. Trotzdem entkommen sie, ohne von den Jägern getroffen zu werden.

Wenig später ist auch der letzte Raps auf diesem Feld abgeerntet. Inzwischen ist es fast 15 Uhr. Ohne Pause geht es weiter. Der Raps auf der anderen Straßenseite ist dran. Gearbeitet wird, so lange es geht. „Meistens so zwischen 22 und 23 Uhr.“ Immerhin ist es in der Fahrerkabine kühl. Beim Aufmachen der Tür kommt einem die Hitze von draußen entgegen.

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