Erfolgsgeschichte Scanhaus Marlow : Der Mann mit den Fertighäusern

Friedemann Kunz, Chef des Fertighausherstellers Scanhaus Marlow
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Friedemann Kunz, Chef des Fertighausherstellers Scanhaus Marlow

Aus der Provinz MVs sind in der Regel keine überregionalen Erfolgsgeschichten zu berichten. Scanhaus Marlow ist da eine Ausnahme

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21. Juni 2016, 21:00 Uhr

Das Gesicht von Friedemann Kunz ist bundesweit bekannt: Verwundert schaut der Chef des Fertighausherstellers Scanhaus Marlow in TV-Werbespots kurz vor der „Tagesschau“ in Alltagssituationen seinem Zahnarzt, dem Ober oder einem Tankwart in die Augen. Denn die wollen Vorauszahlungen für ihre Leistungen – im Gegensatz zu seinem Unternehmen in Marlow. Da müssen die Kunden mit der Zahlung erst beginnen, wenn das Eigenheim steht.

Mit großer Beharrlichkeit hat der 60-Jährige sein Unternehmen in die Spitzengruppe der deutschen Fertighaushersteller geführt. Lag der Umsatz im Jahr 2000 noch bei 3,4 Millionen Euro, stieg er 2014 auf 73 Millionen und 2015 auf 83 Millionen. „Wir werden in diesem Jahr die 90-Millionen-Euro-Marke knacken“, sagt Kunz. Im gleichen Tempo wächst auch die Zahl der fertiggestellten Häuser: 2015 waren es 632, dieses Jahr 670, für die kommenden Jahre sind 750 bis 800 angestrebt. Dies sei mit ein Effekt der aktuellen Null-Zins-Politik.

Sein Credo lautet: „Wir verlassen uns auf keinen Fremden. Wir wollen mit eigenen Leuten arbeiten, so können wir die Qualität halten.“ Das gilt auch für die Expansion in Deutschlands Süden, wo der Marktanteil im Gegensatz zum Norden verschwindend gering ist. Dort werden gerade weitere Musterhäuser aufgestellt. Doch an eine Produktionsstätte im Süden denkt nicht. Auf diesen Spagat wolle er sich nicht einlassen, zu viele Firmen habe er an solchen Projekten scheitern sehen.

Der Markt der Holzfertighäuser wächst und hat inzwischen einen Marktanteil von 17 Prozent, wie der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Fertigbau, Achim Hannott, sagt. „Das ist ein historischer Höchststand.“ Dafür gebe es im Wesentlichen zwei Gründe: Mit dem Werkstoff Holz könne extrem viel Energie eingespart werden. Und es gibt nur einen Ansprechpartner, der alle Gewerke organisiert. „Im Fertighausbau geht deswegen relativ wenig schief“, betont Hannott.

Die aktuelle Expansion geht Kunz ohne staatliche Förderung an. Früher habe er diese Gelder auch bekommen, doch die Abhängigkeiten seien zu groß. Diese Haltung wird im Schweriner Wirtschaftsministerium wohlwollend zu Kenntnis genommen: „Es ist gut, dass er keine Fördermittel braucht. Dann hat die Förderpolitik des Landes etwas Positives bewirkt“, sagt Minister Harry Glawe (CDU). Er sieht Kunz als einen gestandenen Mittelständler mit der Tendenz, ein Großunternehmer zu werden. Immerhin ist dieser einer der größten Arbeitgeber im riesigen ländlichen Raum des strukturarmen Nordostens.

Probleme bereiten Kunz jedoch die fehlenden Mitarbeiter. Scanhaus beschäftigt rund 500 Mitarbeiter, 60 in der Produktion, weit mehr als 200 sind deutschlandweit in der Montage unterwegs. „Wir könnten von heute auf morgen 50 neue Mitarbeiter einstellen, aber wir bekommen niemand“, beklagt Kunz.

Er betont dabei aber auch die Verpflichtung der Menschen, am Gelingen der heimischen Wirtschaft beizutragen. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der es immer noch möglich ist, dass Menschen, die nicht arbeiten wollen, nicht arbeiten.“ Die Folgen spürt er auch im firmeneigenen Hotel, das hauptsächlich zur Übernachtung anlässlich der Baubesprechungen von Hauskäufern benutzt wird. Von zwei Restaurants müsse eines montags und dienstags geschlossen werden – kein Personal. Es sei sein Ansporn, ein Unternehmen zu führen, dass nach seiner Zeit oder auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht wackelt. Einer seiner drei Söhne bereite sich gerade auf den Eintritt vor. Für seinen Jüngsten ist das kein Thema: Er ist noch keine fünf Jahre alt.

Für sein Ziel einer starken Firma kauft Kunz Immobilien in besten Lagen an der Ostseeküste, etwa in Warnemünde. Dort komme er aber mit Plänen für eine 25-Millionen-Euro-Großinvestition für eine Tiefgarage unter den Dünen nicht weiter.

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