zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 03:06 Uhr

Der Mann hinter "Asterix“

vom

svz.de von
erstellt am 24.Apr.2012 | 08:33 Uhr

Paris Asterix, der gewitze Gallier und sein keinesfalls dicker Freund Obelix – sie werden ihre Schöpfer überleben. Texter Rene Goscinny starb bereits 1977 – damals aber übernahm Zeichner Albert Uderzo auch das Verfassen der „Szenarien“, wie es im Comic-Jargon heißt. Heute feiert Albert Uderzo seinen 85. Geburtstag. Asterix gibt es immer noch – und soll es weiter geben: „Asterix“ hat er bereits an die zeichnenden Brüder Frédéric und Thierry Mébarki und den Texter Jean Yves Ferri übergeben, alle drei langjährige Mitarbeiter. „Ich gebe Ratschläge, korrigiere, ich bin sehr anspruchsvoll“, erklärte Uderzo. Er selbst kann wegen Arthrose nicht mehr zeichnen.

Auch nach Goscinnys überraschendem Tod – er starb beim Fitness-Test in der Arztpraxis – wurde jedes Asterix-Album zum Bestseller. Weit mehr als 300 Millionen Exemplare sind bis heute verkauft worden, der gallische Witz ist in mehr als hundert Sprachen und Dialekte übersetzt. Allerdings brauchte Uderzo zuletzt bis zu fünf Jahre für ein neues Asterix-Abenteuer. Zusammen mit Goscinny hatte er zwei Alben pro Jahr herausgebracht.

Uderzo und Goscinny waren ein legendär poduktives Team. Im Jahr 1958 erfanden sie die Serienfigur „Umpah-Pah“, einen jungen Indianer, und seinen Freund, einen europäischen Adeligen namens Hubert von Täne, angesichts seiner gepuderten Perücke „Doppelskalp“ genannt. Ein Jahr später, 1959, erschien die erste Folge von „Asterix“ in der Comic-Zeitschrift „Pilote“. Parallel dazu entwickelte Uderzo mit Jean Michel Charlier die Abenteuer von „Mick Tanguy“, eine realistisch-patriotische Militärfliegerserie in der Tradition von „Buck Danny“ oder „Dan Cooper“.
Inzwischen hatte aber Asterix seinen Siegeszug angetreten – und Uderzo konzentrierte sich schnell allein auf das kleine gallische Dorf und seine keilereifreudigen Bewohner. 15 Minuten, so sagte Uderzo einmal, hatten er und sein Freund Goscinny einst für die erste Erfindung des Galliers gebraucht: „Hätten wir damals gewusst, was man später in die Geschichten hineininterpretieren würde, hätten wir uns mehr Zeit genommen.“

Geschadet hat die Eile nicht. Uderzo, 1927 in Fismes bei Reims als Sohn italienischer Einwanderer geboren, ist mit Asterix schwerreich geworden. Wie seine Figuren, geht er keinem Streit aus dem Weg: In den 90er-Jahren zoffte er sich jahrelang vor Gericht mit dem Verlag Dargaud um die Rechte für die ersten 25 Asterix-Bände. Später geriet er dann mit seiner einzigen Tochter Sylvie heftigst aneinander.

Und Uderzo ließ durchaus auch mal IT-Firmen verklagen, wenn deren Name auf -ix endete, weil das seine Markenrechte verletze. Denn alle Gallier in den Asterix-Geschichten tragen Namen auf -ix, als Hommage an den bis heute in Frankreich verehrten Kelten-Häuptling Vercingetorix, der 52 v. Chr. vor Julius Cäsar bei Alesia hatte kapitulieren müssen. Uderzo gilt als der erfolgreichste lebende Comic-Zeichner, sein „Asterix“ ist ebenso Kulturgut wie „Tim und Struppi“ des Belgiers Georges Remy, genannt Herge. Der hatte einst verfügt, dass niemand die Serie nach seinem Tod fortführen darf – Tims letztes Abenteuer blieb bis heute unvollendet. Albert Uderzo rechtfertigte seinen entgegengesetzten Weg schon vor Jahren so: „Ich weiß nur allzu gut, dass mein Held stärker ist als ich. Es wäre egoistisch, Asterix zu verbieten, mich zu überleben.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen