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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 12:30 Uhr

Arbeitnehmer in MV : Der Lohnkeller der Nation

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Trotz positiver Entwicklungen: Arbeitnehmer in MV verdienen noch immer rund ein Fünftel weniger als Kollegen in anderen Bundesländern

Die jüngsten Daten zur Lohnentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern zeigen nach Ansicht der Linken den noch immer großen Nachholbedarf im Land. Bei allen positiven Entwicklungen gebe es mehr Schatten als Licht. Dazu gehöre, dass Arbeitnehmer im Nordosten trotz Lohnzuwächsen im vorigen Jahr mit 25 828 Euro im Schnitt noch immer ein Fünftel weniger verdienten als ihre Kollegen im bundesweiten Vergleich.

„Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sollte daher endlich aufhören, die Entwicklung des Landes in rosaroten Farben zu malen“, erklärte der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Helmut Holter. Der Oppositionspolitiker verwies auf Antworten der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage seiner Fraktion zur „sozioökonomischen Entwicklung in MV“.

Daraus geht hervor, dass Mecklenburg-Vorpommern 2015 unter den Flächenländern mit 10,4 Prozent erneut die höchste Arbeitslosenquote hatte. Mit 14,3 Prozent war die Quote der Hartz-IV-Bezieher nach Sachsen-Anhalt am zweithöchsten. Mit 42 Prozent erreichte der Anteil der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben den niedrigsten Wert aller Bundesländer. Im Bundesdurchschnitt sind den Angaben zufolge 58 Prozent der Arbeitnehmer in Firmen mit Tarifbindung beschäftigt.

Diese Zahlen seien „ernüchternd“, sagte Holter und forderte einen Politikwechsel. „Anderenfalls wird es Mecklenburg-Vorpommern als strukturschwaches Bundesland nie aus dem Tabellenkeller schaffen.“

Auch Sellering hatte bei der Vorstellung des SPD-Wahlprogramms darauf verwiesen, dass die Stärkung der Wirtschaft und die Anhebung des Lohnniveaus auch künftig zu den wichtigsten Aufgaben gehören. „Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns hat schon einiges in Bewegung gesetzt. Wir müssen jetzt aber weiterkommen. Denn nur mit konkurrenzfähigen Löhnen werden unsere Unternehmen die benötigten Fachkräfte bekommen“, sagte Sellering.

Auch der DGB hatte in seinem Forderungskatalog zur Landtagswahl im September deutlich mehr Teilhabe der Beschäftigten am Erfolg der Unternehmen verlangt. Mecklenburg-Vorpommern sei der Lohnkeller der Nation, beklagte DGB Nord-Chef Uwe Polkaehn.

Der durchschnittliche Bruttolohn eines Arbeitnehmers im Nordosten liege mit 2100 Euro im Monat um 37 Prozent unter dem Verdienst in Hamburg und um 22 Prozent unter dem in Schleswig-Holstein. Diese Lohnspreizung müsse geschlossen werden, sagte der Gewerkschafter.

Die Unternehmerschaft in MV sieht derlei Forderungen mit Skepsis. „Die Lohnentwicklung muss sich immer auch nach der Entwicklung der Wirtschaftskraft richten. Und da gab es schon immer regionale Unterschiede“, sagte Lothar Wilken vom Unternehmerdachverband VUMV.

Auch wenn vergleichsweise wenige Unternehmen im Nordosten der Tarifbindung unterlägen, würden doch eine ganze Reihe ihre Entlohnung daran ausrichten. Vielfach kämen Firmen aber auch „mit einem Strauß individueller Angebote“ den Forderungen ihrer Angestellten entgegen.

„Es gibt die Bereitschaft, vernünftige Lösungen zu finden. Unternehmer wissen, was machbar ist und benötigen nicht die Ermahnungen der Politik“, sagte Wilken.

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