zur Navigation springen

Ehrenamt in MV - Teil 2 : Der Lobbyist für Koma-Patienten

vom
Aus der Onlineredaktion

Seit dem Verlust seiner Familie kämpft Gerhard A. Hellmonds mit seiner Stiftung für die Rechte von Wachkoma-Patienten

svz.de von
erstellt am 03.Mär.2017 | 11:55 Uhr

Gerhard Hellmonds zieht eine Visitenkarte seiner Ehrenamtsstiftung aus dem Portmonee. Darauf zu sehen ist ein Mensch, der die Arme gerade nach oben streckt. „Dies war die letzte Haltung meiner Frau, bevor sie ins Koma fiel. Sie riss die Arme nach oben und verkrampfte. Es war schrecklich“, sagt Hellmonds.

Dieser Schicksalsschlag traf ihn am 30. März 2001. Nach acht Monaten verstarb seine Frau. Noch heute, fast 16 Jahre später, kämpft der Witwer mit der „Helma und Gerhard A. Hellmonds Stiftung zugunsten von Menschen im Wachkoma, Schwerst-Schädel- und Hirnverletzten und deren Angehörigen“ für die Unterstützung von Wachkoma-Patienten. Doch die Spendenbereitschaft geht seit einigen Jahren zurück. „Das Thema ist einfach nicht angenehm. Das Koma kann jeden treffen, wie nach einem Unfall oder nach einer Krankheit. Viele wollen mit so einem negativen Thema nichts zu tun haben.“

Deswegen ging er jetzt erneut an die Öffentlichkeit. Am 25. Februar nahm er an der Schweriner Ehrenamtsmesse teil, um auf die Arbeit seiner Stiftung aufmerksam zu machen. „Ich konnte in den letzten Jahren viele Wachkoma-Patienten unterstützen. Dabei habe ich die Öffentlichkeitsarbeit etwas vernachlässigt“, so Hellmonds.

Neben dem Spenden sammeln berät er betroffene Familien und vermittelt Experten. „Menschen im Koma sind die äußersten Außenseiter unserer Gesellschaft und haben keine Lobby“, sagt er. Er will diese Lobby sein.

Seine Stiftung finanziert Kuren, wie Musik- oder Tiertherapien für Komapatienten. Das gesammelte Geld kommt auch dem Ausbau von Wohnungen und Häusern zu Gute. So geschehen letztes Jahr bei Mario Klepsch aus dem Neiße-Malxe-Tal in Brandenburg. Die Hellmonds-Stiftung finanzierte mit mehren tausend Euro einen Anbau am Haus von Marios Eltern.

Dank der Spendengelder konnte der junge Mann das Krankenhaus verlassen und ab sofort zu Hause betreut werden. „Marios Eltern waren in der gleichen Situation wie ich damals. Auch ich wollte meine Frau bei mir haben“, sagt der Witwer.

Die Stiftung trägt auch den Namen seiner Frau Helma. Die Asthmatikerin erlitt damals eine schwere Lungenspastik. Der Krankenwagen brauchte zwanzig Minuten bis zum Haus der Hellmonds. „Den Namen des Arztes habe ich bis heute nicht vergessen“, sagt er. Danach fiel seine Frau ins Wachkoma. Zwei Jahre zuvor, fast auf den Tag genau, verstarb bereits sein 20-jähriger Sohn.

Für ihn war es eine Zeit der Hilflosigkeit, die er anderen ersparen will. Gerhard Hellmonds war ein gestandener Unternehmer und Chef der „Hellmonds Möbelwerke“ in Wismar. „Bevor meine Frau ins Koma fiel, hatte ich vier Augen auf den Betrieb. Danach waren es nur noch zwei“, sagt er heute.

Über Monate lag seine Frau regungslos im Krankenhaus Wismar. Später in einer Privatklinik. Von Maschinen am Leben gehalten, die Augen geöffnet. Typisch für Wachkoma-Patienten. Doch über die Zustände in der Pflege ist er heute noch wütend. „Ich kam ins Zimmer und meine Frau hatte rot-angeschwollene Augen. Ich fragte bei den Krankenpflegern nach. Bindehautentzündung, hieß es. Ich merkte auch schnell warum. Eigentlich sollte jede Stunde per Hand Tränenflüssigkeit auf die Augen getröpfelt werden. Ich war vier Stunden dort, nicht ein Mal kam eine Schwester zum Befeuchten“, sagt er.

Nach Helmas Tod am 29. November 2001 blieb ein trauernder Ehemann und Vater zurück. „Kurzzeitig wollte ich nicht mehr. Ich zog mich zurück und versuchte mich wieder zu finden.“ Doch statt zu zerbrechen, wandelte er seine Trauer in Energie um.

Die schlechten Erfahrungen beim Umgang mit seiner Frau motivierten ihn etwas für andere Betroffene zu tun. Im April 2002 gründete er seine Stiftung für Komapatienten. Zu seinem 65. Geburtstag wollte er keine Geschenke. Stattdessen sammelte er Spenden. Ein Großteil seines Privatvermögens floss in die Stiftung.

Trotz der sinkende Spenden will Gerhard Hellmonds weiterhin Wachkoma-Patienten unterstützen, auch im hohen Alter. „Ich will wieder mehr Geld einsammeln. Und ich suche jemanden, der unsere Internetseite erneuert, uns vielleicht auch ein Facebook-Profil anlegt“, blickt Hellmonds in die Zukunft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen