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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 18:43 Uhr

Weihbischof : Der letzte Zeitzeuge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit 1981 ist Norbert Werbs Weihbischof in Schwerin. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag

Er ist der letzte katholische Bischof in Deutschland, dessen Dienst noch in der DDR begann. Seit 1981 ist Norbert Werbs Weihbischof in Schwerin. Weil er heute 75 wird, muss er nach katholischem Kirchenrecht den Papst um den Eintritt in den Ruhestand bitten. Benjamin Lassiwe hat mit Weihbischof Werbs gesprochen.

Herr Bischof, wie war es, in der DDR in der katholischen Kirche zu sein?

Werbs: Es war unvorteilhaft. Wenn man in der Kirche war, musste man damit rechnen, für höhere Positionen nicht in Frage zu kommen. Das Rechtswesen, der Volksbildungsbereich – alles blieb einem verschlossen. Als Lehrer wäre man ja auch für die staatliche Ausrichtung der Schüler, für die Werbung für die Volksarmee und für die Jugendweihe zuständig gewesen.

Wie hat sich die katholische Kirche in Mecklenburg seit dem Mauerfall verändert?

Bis zur Wende waren wir Kirche unter kommunistischen Voraussetzungen. Verglichen mit anderen Ostblockländern, hatten wir als Christen in der DDR noch viele Freiheiten, aber wir waren auf den innerkirchlichen Bereich beschränkt. Zur gesellschaftlichen Mitwirkung waren wir nur eingeladen, wenn es da-rum ging, die SED-Politik mit Applaus zu bedenken. Und dazu waren wir nicht bereit. Mit der Wende standen wir dann vor der Herausforderung, uns gesellschaftlich einzumischen und eine Entwicklung zu befördern, die der Botschaft Christi entspricht. Dieser Herausforderung sind wir wahrscheinlich nicht immer gerecht geworden.

Wenn ein Fremder heute in eine katholische Gemeinde in Mecklenburg käme, was würde er erleben?

Er würde am Sonntag eine halbwegs gut gefüllte Kirche vorfinden und eine Gemeinde, die sich engagiert am Gottesdienst beteiligt. Aber er wird auch merken, dass er als Fremder seine Mühe haben wird, in diese Gemeinde hineinzukommen. Es ist ein typisches Merkmal einer Diasporagemeinde, dass man eher nach innen als nach außen orientiert ist.

Sie haben sich in Mecklenburg in den 80er-Jahren um die Caritasarbeit gekümmert...

Ich bin vom Bischof damals gebeten worden, den Vorsitz der Caritas zu übernehmen. Nach der Wende hat die Caritas natürlich andere Dimensionen bekommen: Weil wir als Wohlfahrtsverband plötzlich gesellschaftlich akzeptiert waren, haben wir neue Aufgaben übertragen bekommen.

Wir haben die Sorge für unsere Senioren auf halbwegs gute Beine stellen können. Alle unsere Senioreneinrichtungen sind neu gebaut. Wir haben Kindertagesstätten sanieren und neu eröffnen können. Inzwischen hat die Caritas über 1000 Mitarbeiter in Mecklenburg.

Wie geht das in einer weitgehend entkirchlichten Gegend?

Das wird für uns ein immer größeres Problem: Wir finden in unseren Gemeinden nicht mehr genügend Menschen, die bereit sind, bei der Caritas mitzuarbeiten. Die Caritas ist eine christliche Einrichtung mit einem christlichen Profil – das lässt sich aber nur realisieren, wenn dort auch genügend Christen tätig sind. Wir haben aber schon immer auch Menschen eingestellt, die evangelisch sind oder überhaupt keine kirchliche Bindung haben. Wir erwarten jedoch von ihnen, dass sie sich loyal zu den Anliegen der Kirche verhalten und in Verantwortung ihren Dienst tun.

Auch mit dem wiedervereinigten Deutschland hatte die Kirche so ihre Probleme – bei der Schwangerschaftskonfliktberatung, oder den Zuschüssen für freie Schulen.

Die Schwangerschaftskonfliktberatung, aus der wir als katholische Kirche schließlich ausgestiegen sind, war ein Spannungsthema. Da saß ich mehrfach in einem PDS-geführten Ministerium, da war bischöfliche Autorität gefragt. Aber man hat uns als katholische Kirche immer fair behandelt. Bei den freien Schulen und den Zuschusskürzungen hat man inzwischen eine Regelung gefunden, mit der die katholischen Schulen leben können. Für andere Schulen ist das nicht so günstig, vor allem nicht für kleinere Schulen. Aber mit der jetzt gefundenen Regelung leben wir besser, als mit dem, was vorher da war.

Und dann ist da das Thema Sonntagsschutz.

Da haben wir uns ja bis vor Gericht gestritten. Und der Streit ist immer noch nicht beigelegt. Wobei ich da nicht viel zu entscheiden hatte, das war immer Sache des Erzbischofs in Hamburg. Und da sind wir in der Problemsituation, dass wir ein Erzbistum mit drei Bundesländern sind. Schleswig-Holstein hat da eine Regelung gefunden, die angeblich viel liberaler ist als die Regelung in Mecklenburg. Das macht natürlich die Geschäftsleute hier munter: „Es kann ja nicht sein, dass die katholische Kirche die reichen Schleswig-Holsteiner fördert und wir hier in Mecklenburg verhungern.“ Wie das ausgeht, wird man sehen.


 

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