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Ribnitz-Damgarten : Der letzte Meister seiner Zunft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Henning Schröder ist der einzige noch tätige Bernstein-Drechsler-Meister in ganz Deutschland / Fast wäre der Beruf ausgestorben

von
erstellt am 03.Mai.2014 | 15:51 Uhr

Behutsam bearbeitet Henning Schröder den goldbraunen Stein in seiner Hand. Langsam führt er das Material an die Schleifscheibe vor sich. Ein kleiner Riss an der Seite soll ausgebessert werden. Der rund zehn Zentimeter große Bernstein ist ein Anhänger, den er für eine Kundin repariert. „Momentan nehmen wir hauptsächlich Restaurationen vor“, erzählt der 32-Jährige, der eine kleine Bernstein-Drechslerei in Ribnitz-Damgarten betreibt.

Henning Schröder ist der einzige heute noch tätige Bernstein-Drechsler-Meister in ganz Deutschland. Schon in der 10. Klasse war für den Mecklenburger klar, dass er in diesem alten Handwerk tätig sein möchte. „Ich habe in den Sommerferien ein Praktikum im Deutschen Bernsteinmuseum gemacht und lernte den damals 76-Jährigen Werner Lux kennen“, so Schröder. Werner Lux lernte von 1939 bis 1941 den Beruf des Bernstein-Drechslers in der Staatlichen Bernstein-Manufaktur Königsberg, dem größten Bernstein verarbeitenden Betrieb der Welt in dieser Zeit. Der Alt-Meister führte Henning Schröder in die Welt des Bernsteins ein, lehrte ihn alle Tipps und Tricks im Bearbeiten des fossilen Harzes.

„Es war damals die Chance für mich, diese Ausbildung zu machen“, erinnert sich Schröder. Von 1998 bis 2001 erlernte der Rostocker den Beruf des Drechslers (Elfenbeinschnitzer) mit Fachrichtung Bernstein in Bayern. „Ich war der Einzige in meinem Jahrgang, der sich auf Bernstein spezialisierte“, so Schröder. Drei Jahre später legte er seine Meisterprüfung ab. „Bernstein-Drechsler wird eigentlich als Beruf gar nicht angeboten“, erzählt der Meister. „Wir sind auch der einzige Ausbildungsbetrieb in ganz Deutschland, in dem man dieses Handwerk noch erlernen kann.“ Einer Gesellin gab Henning Schröder bereits sein berufliches Wissen weiter. Doch das Interesse und der Bedarf an dieser Ausbildung sei nicht sehr hoch. „Auch sie war die Einzige in ihrem Jahrgang.“

In der Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten wird das alte deutsche Handwerk weiterhin bewahrt. Gerade im Sommer herrscht Hochbetrieb im Bernstein-Geschäft. „Es kommen viele Touristen und auch Einheimische, die sich für die Arbeit interessieren“, so Schröder. In der Drechslerei werden Kunstgegenstände restauriert, traditionelle und moderne Schmuckstücke gefertigt oder auch gefundene Bernsteine aus der Ostsee aufgearbeitet. Die Farben, Formen und das Gewicht machen den Stein so besonders. „Er ist sehr weich und leicht, ganz anders als andere Edelsteine“, so der Meister. Es gibt ihn in ganz unterschiedlichen Farben: weiß, fast schwarz oder stark gemasert. „Und durch die natürlichen Formen muss man oft gar nicht viel machen.“ In seiner ursprünglichen Form hat der Stein eine stumpfe Kruste. Seinen Glanz erhält der Bernstein erst durch langes Polieren.

Eine der größten Herausforderungen für Henning Schröder war sein Meisterstück – ein Globus aus Bernstein. „Ich musste mir dazu etwas ganz Neues ausdenken. Ich wollte keine Uhr oder ein Schmuckstück bauen“, so Schröder. Die mit rund 12 Zentimetern Durchmesser breite Kugel ist eine Mosaik-Arbeit. „Die Farben mussten so zusammen- passen, dass sie die Kontinente bilden.“

Das „Gold der Ostsee“ war bereits in der Antike ein beliebtes Schmuckstück. Und auch heute gerät Bernstein nicht aus der Mode. Ob in rauer ursprünglicher Form, oder als poliertes Glanzstück, „dem Ruf einer Oma-Kette wird der Stein in keiner Weise gerecht“, so der Fachmann.

 

 

 

 

 

 

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